Tuesday, December 19th, 2006
Aber natürlich mache ich mir nicht selbst die Finger schmutzig beim Versuch, die Schlossarchitektur zu demokratisieren. Das wäre zweifellos auch gefährlich, denn Barben sind doof genug, die Hand zu beissen, die sie füttert, und Augustus eine reissende, ach, jetzt ist es vielleicht auch genug mit der Dramatisierung der armen Kreatur.
Seien wir ehrlich: es sind sieben winzige, harmlose Geschöpfe, die sich da im Becken tummeln, und ein paar mickrige Pflanzen wachsen dazu zögerlich im Kies heran. Nichts davon muss Angst erregen, nichts davon rechtfertigt die Kampf- und Kriegsmetaphern, die ich hier grosszügig streue wie eine Splittergra…, nein, wirklich jetzt, Schluss mit der Martialisierung des Idylls.
Der schizophrene Irre, daran erinnere ich mich gut, schrieb, dass ein williger und gutmütiger Algenvernichter im Ghost Shrimp gefunden sei, einem winzigen, fast durchsichtigen Krustentier, das in nächtger Müh, müde nie, unerwünschtes Wachstum einsammelt und in harmlosen Krabbenkot verwandelt.
Und so steht also nun ein weiterer Besuch beim Fisch-Fascho an. Niemand ist zu sehen, als ich das tropfsteinhöhlenartig sich ausdehnende Beckenlabyrinth betrete, ich finde ihn dann aber doch, vor irgendwelchen Bizarrofischen stehend und in unaussprechliche Tätigkeiten verwickelt. Wieviel, so frage ich schnell, denn wohl so ein Ghost Shrimp mich kosten wollte, und spanne klug die Bauchmuskeln an, um den sicherlich heftigen Anschlag auf meine Finanzen gleich besser wegstecken zu können.
Einen Dollar, sagt der Fisch-Fascho, müsse man dafür schon hinblättern und investieren, pro fünf Schrimpe. Und dreht sich von mir weg. Scherzt der Mann mit mir? Grausames Spiel!
Wieviele er denn dann zur Anschaffung empfehle, ein Aquarium von zehn Gallonen Fassungsvermögen nenne ich mein eigen, sieben Barben hausten aber schon drin, unterrichte ich ihn. Er dreht sich nicht mal mehr um, aber seine Stimme prallt an der Glasfront der Aquarien ab und erreicht mich so, trotzdem ich hinter ihm stehe, gut hörbar. Fünf, sagt er, gehen schon klar. Es ist ihm aber in Wahrheit, das merke ich schlau, ganz egal. Enttäuschendes Verhalten, Fisch-Fascho.
Beim Rastaneger kaufe ich dann die fünf Schrimpen, trage sie freudig erregt nach Hause, und führe den Akklimatisationstanz auf. Lustig sehen sie aus, wie tierförmige Gelatine mit Augenstielchen, und Träume von ballettanzenden Wirbellosen lachen in meinem Kopf. Dann ist der schöne Moment gekommen, ich nehme das Netz zur Hand, und Barbe und Schrimp begegnen einander zu ersten Mal.
Sagt „Hallo“, Barben.
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