Und auch das blanke Glück war leider nur von kurzer Dauer.
Zwar einen Tag lang schien es, als sei das Schloss, seiner unschuldigen weissen Farbe wegen, nunmehr vom Statussymbol zum Mahnmal umgewertet, und ziehe also nicht mehr Hausbesetzer sondern nur noch ihre Notdurft in den architektonischen Winkeln verrichtende Taugenichtse an, aber diese Umwertung aller Wertchen – um den Aquarienmassstab quasi unter dem Deckmantel des Dimunuitivs mit in die Formel einzuschmuggeln – hielt nur wenige Tage an. Denn, zack, sind die Algen wieder da. Nichts aus der Geschichte gelernt.
Um der noch immer tobenden Wurminvasion, oder vielmehr Wurmbesiedlung, denn die Tiere kommen ja nicht von draussen, sondern sind hausgemacht, Einhalt zu gebieten, sauge ich schon jeden Tag wie besessen den Kiesboden blank, Wolke um Wolke von nährstoffreichen Organikbrocken und ganze Wurmbatzen verschwinden auf Nimmerwiedersehen, aber dennoch triumphiert andererseits die Alge und verwandelt den offenbar noch immer beträchtlichen Nährstoffüberschuss in sich selbst, in Alge also.
In meiner Verzweiflung wage ich mich weit vor, beziehungsweise weit fort, nach El Cerrito nämlich, wo im Schatten des namensgebenden Hügels ein weiterer Fischladen nistet. Gegen Algen, sagt man mir dort, gebe es natürlich Plecofische, die aber zu gross würden, und Loachfische, aber da winke ich gleich ab, um den noch frischen Schmerz zu verbergen, und so führt mich denn das Fischmädchen vor den Schautank und zeigt auf die Autozychlusexemplare, so verstehe ich jedenfalls den Namen, die dort für Ordnung sorgen. Und tatsächlich ist das Schauaquarium ja astrein blitzblank gewienert.
Leider kann man mir hier in El Cerrito keine solchen Fische verkaufen, obwohl sie hier doch direkt vor meiner Nase rumschwimmen. Aber diese gehörten zur Familie, und die anderen seien noch nicht gesund genug für den Verkauf und müssten also weiterhin auf dem Dachboden oben hausen und dürften nicht nach draussen kommen. Fischhändler, das wird mir allmählich klar, sind allesamt nicht ganz dicht.
Mein Schizokumpan, den ich nach der Rückkehr gleich um Rat frage, zuckt mal wieder die Achseln, Autozychlus kennt er nicht, und die Schreibvarianten, die mir und Google so einfallen wollen, gleichfalls nicht. Bin ich Opfer eines versteckten Scherzes des Fischmädchens?
Durch Raffinesse finde ich dann aber doch noch heraus, dass die Tiere eigentlich Otocinclus heissen, rufe im Überschwang der Erkenntnis sofort den Fisch-Fascho an, der das Gekrauch auch vorrätig hat und mir drei davon gerne verkaufen will.
Aber vor das Verkaufen hat der Herrgott das Fangen gesetzt. Und vor das Fangen das Finden. Und vor das Finden das Indenladengehen.
Puh, mir wird angst und bang! Morgen dann.
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