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Und wie sie nämlich „Hallo“ sagen.
Es dauert um die fünf Sekunden, bis das Signal aus dem Barbenauge im Barbenkopf angekommen ist, und in diesen fünf Sekunden weht wie ein ätherischer Hauch noch die Hoffnung einer friedlichen Koexistenz durch die Welt. Die Barbe, friedfertig und klein, gibt noch den gastfreundlichen Hausherrn in diesem nassen Gebäude, und die Schrimpe, jung und unbedarft, sitzen neugierig auf dem weiten Kiesfeld und wissen noch nicht, wie das Leben geht.
Dann sind die fünf Sekunden um, und die Barben gehen, zu siebt und ohne jedes Mitgefühl, gegen die Schrimpe vor. Zuerst denke ich noch, hier herrsche nur das Recht des Zuerstgekommenen und ein eiserner Wille zur Einschüchterung, aber bald schon wird die ganze grause Wahrheit offenbar. Der Schrimp, mein neues Haustier, ist den gierigen Barben nur ein Zufutter aus Eiweiss und Knusperkeks. Erbarmungslos gehetzt und quer durch die Fluten gejagt, geht vor allem den kleinsten Shrimps bald die Kraft zur Neige, und sie finden ihre Beine, ihre Antennen und letztlich ihr kleines Leben aufs Gröbste fortgenommen.
Schrimp und Barben, es lohnt sich wohl, das an dieser Stelle nochmals nachdenklich zu erwähnen, sind ja von ungefähr gleicher Körperlänge, und wiewohl die Barbe vertikal weiter ausgedehnt ist, ist ja ihr Barbenmund vergleichsweise klein. Jedenfalls, und hier staune selbst ich erfahrener und ausgebuffter Barbenbesitzer, solange die Frassmonster nicht ihre Kiefer ausklinken und den Kopf origamiartig zu einem gähnenden Schlund ausfalten, in dem dann auch, man möchte sich ungläubig die Augen reiben, müsste man nicht befürchten, dabei das Drama ganz zu verpassen, ein kompletter Schrimp unaufhaltsam und am Stück verschwindet. Langsam zwar, und während der Fisch harmlos Kreise zieht als geschähe nicht zeitgleich in seinem Mundraum ein schlimmes Verbrechen, aber doch Zug um Zug wird der aus dem Fisch ragende Schrimpbalken in den Fisch hinein gezogen, bis am Ende nur noch die Schwanzflosse rausguckt. Als befände man sich in einem Zeichentrickfilm und nicht vor meinem Aquarium.
Nun auch wird mir klar, weswegen der Fisch-Fascho auf meine zudringlichen Fragen so mürrisch reagiert hat, und weshalb der Schrimp im Aquarienhandel nicht den einem Haustier von rechts wegen zustehenden angemessenen Kaufpreis erzielt. Ein ausgewachsenes Spektakel andererseits, völlig unerwartet und hochdramatisch, selbst ohne die eigentlich zugehörige Grzimek-Tonspur, entfaltet sich hier für einen lumpigen Dollar. Es klage darüber, wer will.
Zwei der Schrimpe überstehen den Abend durch kluges Verbergen der eigenen Person am dunklen Ort, und tun über Nacht dann tatsächlich, was das Internet ihnen nachsagte: etliche winzige Fleckchen am Schloss sind am folgenden Abend kreisrund algenfrei.
Und die Schrimpe natürlich spurlos weg. Natur!

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