Von Viren, toten Mäusen und offenen Nasen
Ich bin ein Pionier. Wochen bevor das ganze Land seine Kinder an die Virenfront in die Schulen schickt, um zu sehen, wie die Schlachten wohl ausgehen werden, sind wir im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen schon mal als kleiner Stoßtrupp unterwegs. Sieben Kinder zwischen 10 und 14 und ich Greis stecken 20 Stunden lang Köpfe und Nasen unter dem Dach eines Sommerprojektes zusammen, um einen Stop-Motion-Film zu produzieren. Die Idee dazu ist über ein Jahr alt, gefällt mir aber immer noch ausgesprochen gut, vor allem, weil ich das selbst noch nie ernstlich ausprobiert habe aber schon immer wollte. Aber acht Leute und zwanzig Stunden, das sind einhundertsechzig Probleme, wenn ich mich an die Mathematik aus dem Grundstudium recht erinnere. Und da ist der imaginäre Teil der Gleichung noch gar nicht ordentlich berücksichtigt.
Meine erste Maßnahme ist deshalb, in den Räumen, in denen wir planen und drehen wollen, alle Fenster weit aufzureißen. Draußen wütet der Halbsommer mit Macht, will sagen: es ist recht kühl, und wenig später ist das dann auch drinnen so und zieht, Hechtsuppe Hilfsausdruck. Aber lieber Jäckchen an als tot, wie Christian Drosten ja immer sagt in seinem Podcast, also, bitte.
Die Kinder verteile ich so weit es geht auf verschiedene Räume und denke, dass unter diesen Umständen die Masken verzichtbar sind. Daran erkennt der Fachmann meine fehlende Erfahrung mit größeren Kindergruppen, denn Abstandhalten ist natürlich, äh, so eine Sache. Die Filmplanung und die Dreharbeiten gehen über die Tage munter voran, die Pausen verbringen wir draußen auf der dreistöckigen Feuerleiter und im Garten, der Wind pfeift durch die Räume, dieweil der Club der Detektivinnen sich mit Batman verbündet, um den bösen Pinguin am Morden zu hindern. General Grievous und Yoda sind auch dabei.
Während des ersten Tages, als wir noch im Nebel nach einer Geschichte stochern, die wir erzählen wollen, habe ich immer wieder leichten Verwesungsgeruch in der Nase, trotz des Durchzugs. “Ist das Erzählen nun also doch gestorben” denke ich nicht, sondern habe, weil ich direkt neben der Spüle sitze, natürlich sofort den Abfluss im Verdacht. Das Haus ist nicht mehr ganz taufrisch, vielleicht liegt ein toter Elefant im Siphon, oder das Wasser da drin ist in den Ferien von einem wandernden Abflussschwämmchen aufgesaugt worden. Was weiß ich, was es alles gibt hier in Norddeutschland.
Nix weiß ich, stellt sich heraus, als ich im Bus, der mich zum Remscheider “Hauptbahnhof” (Eingeweihte verstehen die Anführungszeichen) bringen soll, plötzlich wieder Verwesungsgeruch in der Nase habe. Weit und breit kein Kulturpessismismus oder Siphon zu sehen. Ach, der Gestank kommt aus meinem Rucksack? Oha.
Ich mache auf und gucke rein, sehe aber nichts außer meines des Stinkens unverdächtigen Gerümpels. Nach und nach räume ich vorsichtig den Inhalt meines Herrenhandtäschens beiseite und suche nach der Geruchsquelle, als ich plötzlich etwas Kaltes, Weiches und Pelziges in der Hand habe. Den Reflex, den ganzen Salat quer durch den Bus zu schleudern, kann ich grade noch unterdrücken, und Sekundenbruchteile später weiß ich auch, was ich da in der Hand hatte. Eine tote Maus. Mjam.
Nicht die erste, die Meadow, die Zauberkatze, mir lebend in die Wohnung geschleppt hat. Die meisten erleiden da einen Herzinfarkt und bleiben unangetastet liegen, bis ich sie später entdecke. Das kann je nach Ort des Todes auch mal bedeuten, einer Schmeißfliegenprozession zu folgen. Meadow weiß, wie Töten geht, aber vom Essen versteht sie nichts. Nicht die erste Maus, aber die erste, die es zum Sterben in meinen Rucksack geschaft hat. Chapeau, Micky.
Den Rest der Busfahrt zum “Hauptbahnhof” verbringe ich damit, sehr konzentriert nicht nochmal in meinen Rucksack zu fassen. Dabei male ich mir aus, wie ich die Maus gleich am “Bahnhof” raushole und sodann kilometerweit von mir werfe. Und so kommt es auch, nur die Wurfweite hatte ich beim Vorstellen um mehrere Größenordnungen überschätzt. In vier Metern Entfernung bleibt die Stinkbombe anklagend liegen.
Später am Abend löst sich beim Zähneputzen fast beiläufig ein großes Stück der Flanke eines Backenzahns und ich spiele kurz mit der Theorie, versehentlich in einem Klischeealptraum eingesperrt worden zu sein. Ich warte auf Schmerz, aber der kummt net, stattdessen folgt traumloser Schlaf. “Wie soll man mit dieser abstrusen Realität traumseitig mithalten” fragt sich mein Gehirn vielleicht. Vielleicht fragt es sich das auch nicht, sondern wartet gespannt, was als nächstes Blödsinniges passiert.
Am nächsten Tag mehr Legospaß, Zahnarztbesuch, Rumgebohre mit dem üblichen sinnlosen Zusammenzucken bei der kleinsten Andeutung von spürbaren Nervensignalen von unterm Bohrergepfeif her. Ist so, will der Körper so, machste nix. Füllung raus, Karies raus, Nelkenöl rein, vorläufige Füllung drauf, Schnabel könnse zumachen, Wiedersehn.
Am nächsten Morgen finde ich gereizten Rachen vor. Kennt man ja, Narkosespritze, Chemikalien, Bohren, kick knack. Mal trotzdem das dritte Auge drauf richten, ihr wisst schon, das, das hinten oben hinterm Gaumensegel sitzt und Krankheiten kommen sieht, aber vorläufig erstmal weiter das Batmobil animieren.
Am letzten Drehtag ist aus dem gereizten Rachen leichter Halsschmerz geworden und ein unterschwelliger Hustenreiz. Den hab ich wegen Reflux und Speiseröhrensperenzchen auch sonst hin und wieder mal, aber das gibt mir nun doch zu “denken”. Sieben Kinder und ein Greis, in Innenräumen. Kracht uns jetzt die Coronagranate in den Schtzngrrm? Der Film wird fertig, die Tonspur buchstäblich in letzter Sekunde, während die Eltern schon vor der Tür ungeduldig die Brut erwarten. Kurs zuende, Symptome verdichten sich.
Am nächsten Morgen bin ich sicher: es kratzt im Hals, es zwackt in der Lunge. Ein Infekt will mir ans Leder. Anruf bei der Medizinhotline ergibt das fun fact, dass an Wochenenden landesweit nirgendwo mehr auf die Krönchenpest getestet wird. Wochenende haben die Viren frei. Ob das so richtig sinnvoll ist bei einer Krankheit, die womöglich nur ein paar Tage ansteckend und außerhalb der ansteckenden Zeit mit den Tests nicht mehr nachweisbar ist, haben andere, Klügere entschieden. Und zwar offensichtlich falsch. Aber es ist wie es ist und es kommt wie es kommt, wie der weise Rheinländer in seinem kuriosen Dialekt manches Mal zu sagen versucht. Mein Hausarzt ist im Urlaub, erste Testmöglichkeit Montag früh bei der Vertretung, vielleicht, vielleicht auch nicht, Webseite gibts keine. Ob das geht erfahr ich dann eben Montag früh.
In Erwartung einer möglichen Quarantäne zwinge ich mich notgedrungen noch zum Hamsterkauf. Holundersaft ist ausverkauft, guck mal an, das ist ja schlimmer als beim Klopapier damals im Krieg, hat sich wohl rumgesprochen, dass das Zauberbrühe ist. Aber Baked Beans gibts noch, gottlob.
Die Symptome werden derweil schlimmer, die Temperatur steigt, die Verwirrung auch, ich schlafe den halben Tag, schleppe mich die andere Hälfte durch die Wohnung. Irgendwann fällt mir ein, dass Katzen Kroni auch kriegen können und dass unklar ist, ob sie dann ansteckend sind, und ich mache Balkontür und Fenster zu. Tut mir leid, Meadow, meine Unvorsichtigkeit bringt dich jetzt in den Knast. So it goes.
Sonntag ist Nebel, 38.5 Grad, Schweißausbrüche, Fieberwahn. Typische Männergrippe, vorerst nicht mit echter Substanz, aber dabei ganz erstaunliche psychische Qualen. Was _der_ Scheiß wohl soll? Nervt jedenfalls kolossal.
Montag früh Anruf bei der Arztvertretung. Kommse halb Zwölf zur Praxis, bitte klingeln und nicht reinkommen, wir ziehen uns dann den Raumanzug über, duschen mit Sagrotan und stecken Ihnen was in den Hals. Na gut, dann also so.
Um halb zwölf steht niemand vor der Praxis, ich klingle, man bedeutet mir mit Signalflaggen, dass man mich gesehen hat. Sprechanlage ist wohl kaputt, Technik aus dem letzten Jahrtausend. Maskiert stelle ich mich mit Abstand neben den Eingang und warte also. Ein weiterer Testkandidat tritt von bühnenlinks auf, und ist sehr unruhig. Die Maske elegant unter der Nase platziert stellt er sich direkt an den Eingang der Praxis, wo alle, die rein oder rausgehen, an ihm vorbei müssen, aber an der Stelle vergeht die Zeit wohl schneller, und das ist ihm wichtig, denn er blickt immer wieder auf die Armbanduhr, der ganze Wartevorgang offensichtlich eine unzumutbare Belastung für ihn.
Ich würde ihn auf die von ihm derart aufgebaute Virenfalle hinweisen, bin aber viel zu müde und zu beschäftigt damit, das Spektrum möglicher Folgen durchzugehen. Müssen sieben Remscheider Familien in Quarantäne, wenn ich positiv teste? Wirds in der Zeitung stehen? “Videokurs verseucht das bergische Land”. War ich zu nachlässig mit den Hygieneregeln während des Kurses? Ist normaler Schulunterricht unter diesen Umständen Irrsinn oder Schwachsinn? Verschlimmert Kroni meine Thromboseneigung? Überdrehte Angstbilder von einer Lungenembolie, bei der die Katze zusieht, hatte mir das Fieber ja schon beschert. Danke Hirn, Du geistproduzierende Müllmaschine.
Irgendwann gehts weiter, der Arzt kommt, lässt uns der Reihe nach Schleim hochrotzen (“Machen Sie jetzt mal das, was man nie machen soll”) und klaubt ihn uns dann mit dem Wattestäbchen aus dem Rachen. Mein Name fällt kein einziges Mal und der Arzt hat mich vorher nie gesehen. Dass die Helferin sagt “das ist der Vertretungspatient” muss ja wohl bedeuten, dass da der richtige Name auf dem Röhrchen steht, in das das corpus delicti dann verschoben wird. Right? RIGHT?
Während ich noch ein bisschen nachwürge, steht einen Meter neben mir der Ungeduldige mit weit runtergelassener Maske, Nase und Mund im Fahrtwind, Gefahr ja jetzt vorbei, die Lage ist in der Hand der Medizin, endlich Entspannung, auch die Uhr hat ihren Reiz verloren. Wieder sag ich nix. Menschen, ey.
Der Test ist negativ, die ganze sinnlose Aufregung wegen eines der anderen lustigen Coronitas und einer mittelschweren Erkältung. Ich freu mich schon auf Herbst und Winter, das wird sicher lustig.

There is a hole in the world like a great black pit, and the vermin of the world inhabit it. Not entirely taken with the beginning of the venture – the opening credits looked less than good, and Todd’s song to his knives seemed drawn out and overacted to the verge of embarrassment – but from judge’s failed shave on in I enjoyed every last drop of it. And of dripping there is aplenty, of course.
Would you? Or wouldn’t you? And are the artificial plot settings the question arises in only superficially important or does it change the quality of your answer that you may never be in a situation that’s remotely close to the one depicted in this movie? In other words, is the moral conundrum this movie seems to present only applicable within its own stylized universe? If even within that universe, the kathartic act falls short, and everybody seems more upset after it than before, should these people have trusted their instincts? And am I falling into Park’s trap, asking all these questions instead of just enjoying a wildly original ride?
Quirky, drab, touching and depressing, all at the same time, this is the story of a father slowly dying, and his estranged children struggling to find their place in what unfolds. I’m not entirely sure of its quality objectively – I suspect it’s rather good, if you must know -, for it hit close to home for me on a personal level. Having been in a similar situation just recently, I found myself both relating to the characters’ confusion, and back in my own bewildered state at the same time. And when we left the theater, I heard an old gentleman tell his wife “that was really sad”, in a broken voice, which was both sweeter and sadder than anything within the movie, and that’s in spite of that Lenya song and the ending.
A delightful and touching comedy, with a lovely soundtrack, and wonderfully understated moments of dry humor, mixed with the emotionally touching story of trauma overcome and love found in the most unlikely of places, Jersey. I’ll go to southern Newark soon, looking for the infinite abyss and the old leaky boat guarding it, not to move in with the young couple, but to also stand on top of the excavator and shout at the unknown.
This collection of short pieces did not leave me quite as astounded and fascinated as did his longer story
There might be a gripping historical tale in this movie, of the change Italy underwent when the univifcation movement succeeded, of the social turmoil, and of the mixed feelings of an educated upper class, about to lose it’s power and influence for a good cause, but I didn’t stick around to see whether there was. After the first forty minutes dragged on, with a nonexistent plot and a badly choreographed, endless public fighting scene, I stopped. Sorry, Visconti.
What a weird trip. I have to admit, the power of script and acting impress me, but from todays perspective, the sentiments and behaviour just seem strangely affected. Seeing this today suggests not artistic abandon and an emotional rollercoaster, but a dated body language and strangely stale clichees of reckless abandon. The horrible porn soundtrack doesn’t help any.
Awesome graphic design, wonderful cinematic visuals, both of which are more to Miller’s credit, of course, than the filmmakers’. The story lacked subtlety or characterization, and the dialogue was horribly cliched in places, which may also be Miller’s fault – need to pick up the book to check. A sad waste of talent and material overall.