Phänomenologie des Geisteskranken (2)
II. Tag. Aussen.
Bei Licht betrachtet ist was man im Dunkeln so treibt und schreibt ja meist ein geblümter Unsinn mit Schleife. Das macht einerseits nix, so weit es um Gefühltes geht, weil: Gefühltes braucht keinen Sinn; Gefühltes schmeckt auch so. Aber vom Gedachten hätte man mehr erwartet. Wahrscheinlich ist überhaupt das der Fehler.
Tractatus sozio-logicus:
1 Alle Welt will gefallen.
2 Wodurch man gefallen will, das Mittel, ist das Verhalten.
3 Der Zweck des Verhaltens ist Kommunikation.
4 Kommunikation ist der unternommene Versuch, den Zustand des Anderen zu verändern.
5 Mittel dieser Veränderung ist das Ausführen sozial bedeutsamer Bewegung
6 Die herzustellende Gleichheit ist die zwischen der erwünschten Bewegung des Anderen und seiner tatsächlichen.
7 Wo man nicht angleichen kann, da muss man schweigen.
So weit, so gut. Aber was ist jetzt, wenn die Kommunikation eine über das Ende aller Kommunikation ist? Man also zum Beispiel blogt, dass man online nichts mehr schreiben will, ja zwingend nicht mehr kann, keine Wahl hat, weil man vor dem Browser Angst hat wie gebrannte Mandeln vor dem Feuer? Ist das als Kommunikation nicht völlig ungültig, wegen Binnenwiderspruch? Macht man sich nicht zum Lügenkreter damit und schafft sich selbst ab? Kann man vor lauter Logik blind werden gegen den eigenen Blödsinn?
Von Schnee kann man jedenfalls blind werden. Nicht wenn es bewölkt ist und dichtes Flockengewiesel fällt, Schneeblindheit ist ja die Ultraviolettkatastrophe im Auge, eine Schwarzkörperexplosion aus zuviel Licht. Aber ich bin im eigenschaftslosen Weiss des Schneetreibens trotzdem blind, die Qualitäten der Dinge lösen sich von ihnen ab und verschwinden. Es bleibt ein grellweisses Loch, inhaltslose, wirbelnde Verzweiflung. Im Film Nothing finden sich zwei Freunde mit ihrem Haus in einer nahezu allumfassenden weissen Leere wieder, nachdem sie den Rest der Welt durch intensiven Hass beseitigt haben. So ähnlich fühlt sich Lincoln Park an an diesem Schneetag, eine Insel im Nichts, voller Gespenster abgeschiedener Grössen. Zwei Baumreihen sind zu sehen, die auf einen Punkt hin fliehen, ohne ihn zu erreichen, und ein steinerner Feuerwehrmann auf einem Podest, der sich gegen den Schnee stemmt. Der Rest ist wirbelndes Schweigen.
Nothing endet damit, dass die beiden Hauptdarsteller restlos alles weghassen, ausser ihren Köpfen, die dann zufrieden durch die Leere hüpfen, deren einzige Eigenschaft ist, dass sie weich ist und nachgibt. Aber der Film stellt die Dinge natürlich von den Füssen auf den Kopf. Denn viel einfacher wär es doch, den eigenen Kopf wegzuhassen statt umständlich die ganze Welt. Und zack, aus die Maus. Und so stand ich da im Schneegestöber und dachte: besser wärs gewesen, dieses Ding wär mir im Kopf gewachsen und nicht dem W. Er hätte nicht das Leid, das von aussen nicht vorstellbare, und mein eigenes Leid und die umfassende Verzweiflung, die alles würgend umklammert, die an der Idee der Leichtigkeit hängt wie Blei, wäre zu Ende.
Der Gedanke ist natürlich dumm, so dumm, dass auf seine Dummheit hinzuweisen selbst auch dumm ist, das weiss ich selber, und er wurde ja von der Depression gedacht, und nicht von mir. So verteidigt sich mit kleinen Ärmchen rudernd das Ich. Ganz zu schweigen davon, denn auch das ist mir bewusst, sagt das Ich, dass anderer Leute Elend zur dramatisierenden Folie fürs eigene zu nehmen ein Schachzug des Anti-ES ist, Ausdruck einer psychosomatischen Abstraktdeformation. Sich so herauszureden auf “das war Ich nicht, es war mein Hirn” ist verlockend, aber wer oder was ist denn eigentlich dieses Ich, dass es da nicht gewesen sein will? Dem der Gedanke so peinlich ist, und Anlass zur Wut auf was diffuses Externes? Und würde dieses Ich auch sagen “Ich hab mir nicht den Fuss gebrochen, das war mein Bein”? Ist das nicht vielmehr ein Ausweichen, und die ganze Philosophiererei auch nur Übersprung?
Apropos Ausweichmanöver und Übersprung: die Ansichten Humes zum Ich - das es nicht gebe als Ding der Anschauung - und seine Induktionsargumente - wir können nichts wissen, und genau genommen nicht mal das - gelten ja genauso in der Depression. Denn auch ob eine Situation, eine Interaktion, ein Ausbleiben oder Eintreten gut ist oder schlecht, kann man nicht wissen. Man schwiemelt es sich je zusammen, aufgrund des sonst so gewussten: Esse est perspiri. Dasein ist Schwitzen. Und Perspiration ist eben fehlbar. Und müffelt.
Anders: dem Induktionsproblem geht das Hirn mit einem Grundvertrauen aus dem Weg, einem heuristisch eingeschriebenen “wird schon stimmen”, in dubio pro lege, fürs Naturgesetz. Was gestern war, wird auch morgen noch gelten. Die Grundlage dafür ist, dass diese Faustregel gestern noch half, das ganze Argument also zirkulär, aber das macht ihm nichts. Und ebenso basiert sozialer Austausch auf der Annahme: man nimmt mich ernst, man achtet mich, ich bin was wert auf dem Markt der Personen und Empfindungen. Und wie aus einem grundlegenden Zweifel an der Zukunft die Unfähigkeit folgt, sie zu erreichen - wer weiss, ob beim nächsten Schritt noch fester Boden ist, besser, stehenzubleiben - so ist der, der am Wohlwollen der Welt zweifelt, nicht mehr in der Lage, es zu sehen.
Funktionieren ist Vertrauensvorschuss, ist die Welt auf die leere Leinwand der Wahrnehmung gemalt, oder hier eben ein Haufen Neurojargon auf die schwarze der Existenzverneinung.
Das geglückte Leben eine einzige, lange Übersprungshandlung; ein Kratzen hinterm Ohr mit dem falschen Fuss; Blindheit im Angesicht des strahlenden Nichts.
PS. Wer das mit der Abstraktdeformation erklären kann, ohne zu gugeln, kriegt einen Pangalaktischen Donnergurgler ausgegeben. Oder zwei.
PPS. Ja, das PS aus dem angeblichen Kommunikationsembargo redet mit dem Leser. Schnauze, Leser.








Every time I read one of Vonnegut’s books, I feel like hugging the whole world, or the members of my karass, at the very least, or do something powerfully meaningless, yet poetic, to make someone else happier than they have been. Which, of course, seems to be a pretty accurate description of what Vonnegut did with any and all of his books.
This book was a magnificent ride. Starting out with a depressing description of the industrial food system, and the great river of corn flowing across the American continent, he proceeds to look at what he calls the industrial organic food system, the coopting of sustainability values by unsustainable big agriculture, and finally homes in on local growing and foraging. The section on Polyface farm in Virginia, with its insight into the biology of grazing, is truly inspiring, especially when contrasted with the nightmarish images of factory farming and CAFOs. The section on foraging and hunting touched me, too, but probably more for it’s Northern California flavor than for its content. As Pollan himself points out, foraging and hunting aren’t viable strategies for feeding a population any more, but reading about mushrooms in Berkeley, pig hunts in Sonoma and morels in the Sierra made me profoundly homesick.