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Wednesday, March 28th, 2007

Wurmloch

Die weitere Observation des rückgratlosen Schmarotzers offenbart schon bald Erstaunliches. Zwar weigert sich die bewohnte Fischin nach wie vor, vom Medikament mehr als einen Hauch zu sich zu nehmen. Die reichlich als Chemieteppich über ihr abgeladenenen bitteren Pillen umschwimmt sie geschickt, um sich dann selbstzerstörerisch die am wenigsten medikamentverseuchten Krümel aus dem Kies zu picken. Aber trotz diesem anhaltenden Widerstand des Patienten geht es auch der Krankheit offenbar nicht recht gut. Weit jetzt ragt nämlich der Wurm aus dem Poloch, krümmt sich mal hierhin, mal dahin und scheint unzufrieden. An seiner Flanke lässt sich eine angeschwollene dunkelrote Zornesader erkennen, entlang der er unzweifelhaft letzten Lebenssaft aus seinem Opfer saugt, aber es hilft ihm nicht viel, denn auch dieser Saft ist ja wurmfeindlich vergiftet.
Ich weiss nicht, ob das Fenbendazolfutter oder die sicherlich im Krankenwasser noch vorhandene Antibiotikamagie der Arschlametta das Licht ausbliesen, aber jedenfalls ist nach zwei Tagen des Rausragens in wechselnden Richtungen der Wurm verschwunden und der Fisch gesund. Es ertönen Pausanen, Tromtepen und andere unbekannte Instrumente der Freude und der Hoffnung, sowie ein Glückstriangel, in einem schönen Jingle.
Schnell ist sie eingefangen und ins Hauptbecken verschifft, beziehungsweise verfischt, wo nur noch ein wenig Akklimatisierung zwischen ihr und einer triumphalen Rückkehr steht. Während sie darauf wartet, ziehe ich noch schnell Wasser unter ihr weg, und sauge gleich die grünen Berge von Schwertträgerscheisse, die sich vorne rechts in einem Strömungswinkel anreichern, aus der Landschaft, damit alles schön blinkt, wenn die Patientin zurück kommt. Beim Wiedereinfüllen stosse ich an den Schwimmkindergarten, der obere Rand wird unter Wasser gedrückt und zwei der Schwertträgerkrümel entweichen keck in die Freiheit.
Nur einen davon finde ich später wieder. Den anderen haben wohl die Barben geholt. Noch vier.

Saturday, March 24th, 2007

Heilvorgänge

Wenn man einem Seestern ein Beinchen ausreisst, kann der Seestern, anders als Herr Sumsemann übrigens, sich das Beinchen flink nachwachsen lassen – übrigens ist es aus Sicht des Seesterns ja ein richtiges, grosses Bein und der Diminuitiv nimmt dem Tier das bisschen Würde, das der Schöpfer eingebaut hat, auch noch fort – sich also: das Bein nachwachsen lassen und dann wieder durch die Gegend krabbeln, Schnecken zu knacken oder Muscheln auszulecken.
Andererseits hat aber, so denkt man zumindest, wenn man denken kann, der Seestern nicht viel von seinem nachwachsenden Seesternleben. Schnecken knacken und Muscheln auslecken mögen dem Geistesmüden wie Paradiese simpler Freuden klingen, der Seestern andererseits nimmt all das ja ungefragt hin, und versteht von Moralphilosophie und Differentialrechnung nichts, und es dürfte offensichtlich sein, dass ohne diese beiden man diese sogenannte Existenz eigentlich gar nicht erst anzutreten braucht.
Hat man nun aber einen Körper, dessen Biomasse die Differentialrechnung nicht nur implizit auszuführen, sondern auch explizit symbolisch zu repräsentieren in der Lage ist – mit anderen Worten, hat man bei der Herstellung ein ordentliches Gehirn reingeschraubt bekommen und nicht nur eine Strickleiterattrappe – ist es leider aus mit den nachwachsenden Beinchen. Je komplexer so ein Ding ist, desto weniger wächst ihm nach, was man abschneidet oder kaputthaut. Das ist ein Naturgesetz, das ganz ähnlich wie der Rest der Naturgesetze erst zusammenbricht, wenn man zu sehr an der Massstabsschraube dreht. Staaten beispielsweise können einander die Beinchen abhacken und durch Nachwuchs ersetzen, es scheint ihnen sogar Spass zu machen.
Aber Menschen, Schwertträger oder Barben sind keine Staaten, noch nicht einmal kleine Königreiche sind sie, oder halbautonome Behörden unter einer Dienstaufsicht, sondern ergebene Untertanen des Stofflichen. Und schon deswegen müssen die drei überlebenden Karpfen jetzt genauestens überwacht und gegen die anstürmende Materie verteidigt werden. Die Schwanzflossen sind ausgefranst, das Verhalten zwar fröhlich, aber gedämpft, die Gesamterscheinung hoffnungsreich, aber auch dräuend. Aber wem erzähle ich das?
Im Krankentank unterdessen pickt die Cichlidin Medikamentenbrocken aus dem Kies, um sie jeweils Sekunden später als Nebelwolken wieder aus den Kiemen zu jagen, verwehende Heilmacht, ich sehe es ungern . Ob sie die im weisen Zeug versteckten vergifteten Futterbrocken auch aufisst, ist nicht zu erkennen, dafür aber, dass der Wurm, frech geworden vielleicht, sich weiter als je zuvor aus dem Fisch lehnt, fast einen vollen Zentimeter ragt das Geschmeiss hervor. Fällt er nun endlich ab, wird nun alles gut? Zwanzig Minuten lang beobachte ich das Ding, dann zieht es sich wieder zurück und nur mehr der spitze Kopf lugt raus. Bin also ich selbst, beim Fischbeaufsichtigen, ein Programmpunkt der Wurmunterhaltung? Haben Arschwürmer Augen? Denkt der Parasit über eine Besiedlung meiner Person nach?
Man möchte es lieber nicht wissen.

Friday, March 23rd, 2007

Überholt

Als ich am Montag zum Training humpelte, die paar Meter aus der Realschule (Optometry) ins Gymnasium (Hearst), stand am Himmel über der hinter den Gebäuden unsichtbaren Bay eine Mondschüssel, eine schmale, waagerechte Sichel, und vielleicht fünf Schüsselbreiten drüber, weder blinkend, noch gar hoffnungslos sinkend, der Abendstern. Lügenmedium Kunstlied.
Aus mir nicht zugänglichen Gründen trägt das bevorstehende nahe Treffen von Venus und Mond Bedeutung, es muss der Astro-Instinkt im Reptilienhirn sein, und ich mache mir einen Knoten ins innere Ohr, am Dienstag nochmals nach oben zu sehen, um das Ereignis nicht zu verpassen.
Am Mittwoch fällt mir das wieder ein, als ich erneut humple, diesmal deutlich zu spät fürs Training, weil ich den Zehschmerz jetzt verstehe und weiss, dass der Fuss nicht belastbar ist. Die Mondschüssel steht auf der anderen Seite des Planeten, und was auch immer das Treffen bedeutet haben mag: es ist vorüber.

Friday, March 23rd, 2007

Jonathan Lethem – Amnesia Moon (2)

015603154X.01._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg The premise is a marvelous riff on the post-apocalypse theme. Starting out as a classic, nuclear holocaust story set in the desert, complete with mutants and vigilantes in old cars. But we soon realize something isn’t quite as it seems, and as the protagonist makes his way from the desert back to San Francisco, we slowly understand that what has happened is much more apocalyptic than the mere destruction of the physical that bombs bring about: mental coherence, the very fabric of reality itself, has somehow been damaged, and dreams, paranoia and neuroses bloom freely and infest the world of the real. In keeping with the very lost feeling that pervades the story, we never learn the truth about what people call “the break”, though several alternatives of it are offered. And this, I feel, is also the shortcoming of Amnesia Moon: the exchangeability of the different narratives robs the story of some of its impact – when everything seems possible, nothing can mean much any more.

Friday, March 23rd, 2007

Apfel

Ein wenig westlich der offenen Hügelflanke, auf der einzelne Studenten verteilt liegen wie aus dem Studentenstreuer gemahlen, und dennoch hügelabwärts, liegt in einer Biegung des Strawberry Creek, der die Südhälfte des Campus durchfliesst, ein kleines Mammutwäldchen, vielleicht zehn Stämme, eine Bank, ein Picknicktisch, von denen aus, wenn man sich richtig setzt und den Kopf nicht zu sehr dreht, man einen Moment lang vergessen kann, dass man, und alles, was man sieht, den Regenten der Universität von Kalifornien gehört. Auf der Bank, näher am Wasser, sitzt ein Asiate und hört Musik, die Höhen sickern aus seinen Kopfhörern und vermischen sich mit dem leisen Plätschern des Baches. Auf dem Picknicktisch liegt eine Banane ohne Stiel. Ich setzt mich ans der Banane entgegengesetzte Ende der zum Tisch gehörenden Bank, sehe mir Mammutbaumstämme an und notiere Winkelverhältnisse in ein kleines Buch.
Nach einigen Minuten steht der Asiate auf und geht über die kleine Brücke davon, die Banane und ich bleiben zurück im Geplätscher. Dann gehen mir die Winkel aus, und auch ich stehe auf, schreibe im Vorübergehen „Apple“ auf die Banane und gehe durch die Studentenstreusel schräg hangaufwärts zurück ins Büro.

Wednesday, March 21st, 2007

Ausmerz

Die erste Prüfung nach der Heimkehr am späten Abend gilt dem Barbenkrankenhaus, in dem auf den ersten Blick alles vernünftig und im Lot scheint, es ist geradezu sonderbar. Bei näherer Kontrolle findet sich dann aber doch noch ein toter Fisch, im kleinen Schloss drin, das hier wohl die Rolle eines Elefantenfriedhofes spielen will. Es wäre sonst auch zu Dings gewesen, zu, na, wisst schon. Noch drei.
Es schweift nun der Blick des Wiedergekommenen, also mein eigener Blick, in einem hoffnungsfrohen Bogen auf die Kinderstube hin – herrje, was ein geschraubter Quatsch, ich guck mir halt das Aquarium an, dazu steht es ja da. Was dagegen, Zaungast? Will ich auch nicht gehofft haben. Ja.
Aber Kinderstube kann man das andererseits schon kaum mehr nennen, nein, Kinderstube wäre entschieden in diesem Moment das ganz und gar falsche Wort. Dieses kleine semantische Beben ereignete sich aber nicht durch Heranwachsen der Jungfische, durch Jungfischpubertät und Unabhängiggewordensein, durch Poster von Fischen in sexuell gewagten Posen an den Wänden und Substanzen in geheimen Dosen unter dem Fischbett, sondern im Gegenteil durch das fast vollzählige Verschwinden der Brut aus dem Weltzusammenhang. Es scheint schwer zu glauben, aber von den knapp dreissig kleinen Fischen sind tatsächlich noch mit dem Finger draufzeige, zähle, sage und schreibe fünf übrig.
Fünf! Die unbeeindruckt von den über ihren Häuptern schwebenden Trägerschwertern sich in der Vegetation tummeln. Hat also die Hemmung der Elterntiere nach nur einem kurzen, verstrichenen Tag ihr Ende erreicht, und ein kannibalistischer Furor kam über die sonst so friedlichen Tiere? Oder hat vielleicht die Cichlidin, im Diktat des Arschwurms stehend, sich über die hilflosen Fischlein hergemacht und sie mit Mann und Maus abgeweidet, um dem Wurmdämon neue Substanz zuzuführen? Die Hunde und Ottos, soviel ist nahezu sicher, sind des Fischmordes unverdächtig, und auch dem Schneck ist wohl ein Persilschein auszustellen. Er traut sich noch immer nicht aus seiner Dose und wird wohl vor Kummer vergehen, wenn kein Wunder geschieht. Und überdies kommen Killerschnecken nur in der Literatur vor. Die beiden anderen kleinen Schnecken, die wohl aus Eiern herausgeschlüpft sein müssen, und sich hin und wieder öffentlich irgendwohin setzen, sind zwar der Untat nicht völlig unverdächtig, aber zur Fischjagd vermutlich doch zu langsam.
Nein, es werden schon die Eltern gewesen sein, die die versehentliche Geburt in Windeseile wieder rückgängig machten, vierzig blühende Leben, Karrieren, Hoffnungen und Träume, zerstört und zernagt. Fischsaupack.
Die verbleibenden fünf, die Besten, oder immerhin jedenfalls Ungefressensten ihrer Generation, dürfen zum Trost jetzt im Schwimmgefängnis in Isolationshaft und also sicher vor hungrigen Mäulern, heranwachsen.
Wenn sies denn überhaupt packen sollten.

Tuesday, March 20th, 2007

Vormerz

Die zweite Überraschung, gleich nach der Ankunft des vielköpfigen Kindergartens, ist seine fortgesetzte Anwesenheit nach vollen zwölf Stunden in der Fischhölle. Zwar scheint es, als sei die Zahl ein wenig von geschätzt vierzig auf vielleicht dreissig eingeschnurrt, aber in dem Gewimmel ist das ein bisschen schwer zu sagen. Leichter fällt die Zählerei bei den Barben nebenan, da sind es nämlich noch vier. Toter Fisch raus, Tablette rein, ein Kommen und Gehen, ein Nehmen und Geben.
Aber zurück zu den winzigen Kinderfischen mit den grossen Augen. Wenn man genau hinsieht, kann man sehen wie die Miniaturtiere Miniaturkrümel oder Algenreste oder auch einfach nur Wasser in ihre Miniaturmünder saugen. Manchmal sind die Krümel zu gross, dann geschieht ein winziger Auffahrunfall, der Asteroid klebt einen Moment lang vorne am Fisch und wird dann einige Millimeter weit weggespuckt. Vielleicht leckt in diesen Augenblicken der Miniaturfisch Salz vom Brocken, oder Schleim, oder Grind. Es ist zauberhaft.
Noch immer stehen die Jungfische in zwei Herden im Becken, und ich frage mich, ob das vielleicht damit zu tun hat, dass beide Mütter zugleich geworfen haben, und jetzt also zwei genetisch unterschiedliche Jugengandgs zum Face Off angetreten sind, die Eastside gegen die Westside, und irgendwann Schlägereien winziger Fische anstehen.
Vorerst aber wedeln sie nur mit den winzigen Seitenflossen planlos durch die Gegend, schwimmen ein bisschen hierhin und dorthin, nehmen alles, was vorbeischwimmt und klein genug ist, in den Mund. An dieser millimetergrossen Niedlichkeit wird es wohl liegen, dass die Eltern nicht über ihre Brut hergefallen sind wie Japantouristen über ein Sushibuffet. Es haben die Fische, allem äusseren Anschein zum Trotz, wohl eben doch ein Herz aus Gold und sind im Kern gute Menschen.

Monday, March 19th, 2007

Das Wunder des Lebens

Im Hauptbecken ist zu dieser gottlosen Morgenstunde noch kein Licht, nur undeutlich sieht man darum, dass alle Fische sich noch in ihren Nachtecken verstecken. Obenauf schwimmen zwei welke Blätter, die ich mit spitzen Fingern herausfische, und hastunichtgesehen zuckt es als wie ein lebendes, kleines Komma vor meiner Hand davon. Was aber, Freunde, war das? Vielleicht zwei Millimeter lang, rötlich schimmernd, wieselflink. Es wird doch nicht der verfluchte Wurm ein Schwimmstadium erreicht haben und nun vollends übers Aquarium herfallen wollen?
Aber dann gucke ich in eine der Beckenecken, und da stehen sie, still und hoffnungsvoll wie Stubenküken oder Mastkälber, wohl zwanzig winzige Schwertträgerfische, die über Nacht aus ihrem Muttergefängnis entkommen sind. Drei Millimeter lang, halb durchsichtig, halb schon orangegetönt wie die Eltern, mit zwei winzigen Augen, die neugierig hierhin und dorthin spähen – ein Vorteil der Kurzsichtigkeit ist die sozusagen ins Gesicht eingebaute Lupe, die einen dergleichen aus nächster Nähe sehen lässt. Jetzt endlich gibt die Ankündigung Patricks, die Fische produzierten pro Monat so an die 40 Nachkommen, einen greifbaren Sinn. Nicht über den Monat hinweg meinte der Fischmeister, sondern je auf einen Satz. Und wirklich stehen ja in der gegenüberliegenden Ecke weitere zwanzig winzige Fische und wissen nicht, was das Leben soll. Herrje.
Mal sehen, wieviele heute abend noch da sind. Die Schwertträger fressen nämlich – Überraschung – ihre Kinder.

Monday, March 19th, 2007

Todesmelodie

Bis zum Abend hat eine weitere Barbe den Eimer gekickt und besieht sich die Wasserradieschen von oben. Noch sechs.
Eine weitere Medizintablette wird reingeworfen, Futter obendrein, aber es fühlt sich an und sieht aus nicht wie ein Heilvorgang, sondern wie eine Massenhinrichtung. Selbst wenn einige wenige Barben dieses Massaker überstehen werden, sieht die Zukunft finster aus. Barben sind Herdentiere, aber nach den bisherigen Erfahrungen ist mein Interesse an einer neuen Barbenherde gering. Robuste Anfängerfische sind das angeblich, und was das über mich aussagt, muss ich mir wohl nicht erklären. Ich denke ja mit, während ich schreibe.
Im anderen Becken ist unterdessen Kristallklarheit eingekehrt. Noch immer trübt keine Alge das Wässerchen, und die verbliebenen Fische huschen munter durch die Fluten. Natürlich hat die Cichlidin immer noch ihre Wurmbesatzung im rückwärtigen Cockpit sitzen, aber das ist letztlich auch kein Wunder, das dumme Tier frisst ja allerhand Grünzeug statt der giftigen Futterlieferung, die ich blind hoffend noch immer über ihr ablade. Die Schwertträger spachteln es gern in sich rein.
Bei der staunenden Inspektion der neuen Wasserklarheit entdecke ich dann aber doch noch einen weiteren toten Fisch, abgestumpft und blöd nehme ich es nur mehr zur Kenntnis. Der kleinste der drei Hunde war von vorneherein nicht gesund, die Flossen kahl, schlug sich wacker und versuchte, mit seinen doppelt so grossen Artgenossen mitzuhalten, musste aber letztlich einsehen, dass es keinen Sinn hatte. Weil Hunde am Boden leben, leben auch tote Hunde am Boden, und man sieht sie beinahe nicht. Nun aber ab aufs Brettchen, Hund.
Es schwinden die Fische wie Butter auf Toast, der frisch noch aus dem Ofen kam, dahin.
Am nächsten Morgen dann hat es wiederum eine Barbe erwischt, eine richtige muntere kleine Todesfabrik betreibe ich da in unserem Wohnzimmer. Vielleicht brauche ich bald mal eine schneidige Uniform. Noch fünf.

Sunday, March 18th, 2007

Flossenbrand

Zum Glück sieht man es nicht für lange, denn schon einen halben Tag nach dem klärenden Algengenozid hat die grüne Sau sich wieder vervielfältigt und alles sieht wieder genauso aus wie vorher. Ich erinnere mich dunkel, gelesen zu haben, dass manche Trinkwasserversorger Phosphate ins Wasser tun, damit es sauberer ist, oder was, und dass diese Phosphate quasi wie Dünger das genaue Gegenteil von dem bewirken, was man mit Wasserwechseln eigentlich bewirken will. Ich glaube da aber nicht dran, man sieht im Wasser auch keinerlei Phosphate schwimmen, und also wechsle ich jetzt jeden Morgen und Abend 24 Liter Wasser aus, mit allen Algen und sonstigen Sauereien drin. Und wie durch Magie oder Zauberei, oder magische Zauberei, ist dann jeweils am nächsten Morgen oder Abend alles wieder so grün wie vorher.
Unmittelbar nach dem Wassertausch aber kann man jeweils für einen kurzen Moment die Fische sehen, und was ich da sehe, gefällt mir zur Abwechslung mal gar nicht. Augustus, diese Speerspitze bourgeoisen Fischtums, der König der Barben, hat innerhalb der wenigen Tage, die er algenbedingt praktisch unsichtbar war, seine komplette Schwanzflosse eingebüsst und trägt stattdessen eine offene Wunde spazieren. Und auch die anderen Barben sind allesamt angedatscht, driften kopfunter, mit zerrupften Flossen. Mein an Furcht und Elend geschultes Auge erkennt sofort, dass das diesmal kein pilziger, sondern bakterieller Flossenbrand ist, denn die charakteristische Weisskante an den Flossen fehlt in diesem Fall.
Viel Hoffnung für die offenbar komplett verseuchte Fischherde habe ich zwar nicht, aber man muss ja tun, was man vermag, und also wackle ich wieder einmal in die Höhle des Mundgeruchmannes, weil es mir zu PetSmart, am anderen Ende des Universums, nun wirklich zu weit ist. Zudem missfällt mir auch das fortgesetzte Versagen der Wunderwaffe Fenbendazol im Wurmkrieg.
Beim Mundgeruchsmann hole ich Antibiotika, die aber nur gegen gram-negative Bakterien helfen, was zum Teufel auch immer das nun wieder heisst. Die Barben, taumelnd und halbtot, sind schnell eingefangen und landen im alten 10 Gallonen-Becken, das nun für ein Krankenhaus gelten soll. Fünf Tage lang wird die Behandlung dauern, acht kranke Barben treten sie an. Der, ich sage es ungern, Countdown läuft.
Am ersten Morgen treibt Augustus tot in einer Ecke. Noch sieben.