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Wenn man einem Seestern ein Beinchen ausreisst, kann der Seestern, anders als Herr Sumsemann übrigens, sich das Beinchen flink nachwachsen lassen – übrigens ist es aus Sicht des Seesterns ja ein richtiges, grosses Bein und der Diminuitiv nimmt dem Tier das bisschen Würde, das der Schöpfer eingebaut hat, auch noch fort – sich also: das Bein nachwachsen lassen und dann wieder durch die Gegend krabbeln, Schnecken zu knacken oder Muscheln auszulecken.
Andererseits hat aber, so denkt man zumindest, wenn man denken kann, der Seestern nicht viel von seinem nachwachsenden Seesternleben. Schnecken knacken und Muscheln auslecken mögen dem Geistesmüden wie Paradiese simpler Freuden klingen, der Seestern andererseits nimmt all das ja ungefragt hin, und versteht von Moralphilosophie und Differentialrechnung nichts, und es dürfte offensichtlich sein, dass ohne diese beiden man diese sogenannte Existenz eigentlich gar nicht erst anzutreten braucht.
Hat man nun aber einen Körper, dessen Biomasse die Differentialrechnung nicht nur implizit auszuführen, sondern auch explizit symbolisch zu repräsentieren in der Lage ist – mit anderen Worten, hat man bei der Herstellung ein ordentliches Gehirn reingeschraubt bekommen und nicht nur eine Strickleiterattrappe – ist es leider aus mit den nachwachsenden Beinchen. Je komplexer so ein Ding ist, desto weniger wächst ihm nach, was man abschneidet oder kaputthaut. Das ist ein Naturgesetz, das ganz ähnlich wie der Rest der Naturgesetze erst zusammenbricht, wenn man zu sehr an der Massstabsschraube dreht. Staaten beispielsweise können einander die Beinchen abhacken und durch Nachwuchs ersetzen, es scheint ihnen sogar Spass zu machen.
Aber Menschen, Schwertträger oder Barben sind keine Staaten, noch nicht einmal kleine Königreiche sind sie, oder halbautonome Behörden unter einer Dienstaufsicht, sondern ergebene Untertanen des Stofflichen. Und schon deswegen müssen die drei überlebenden Karpfen jetzt genauestens überwacht und gegen die anstürmende Materie verteidigt werden. Die Schwanzflossen sind ausgefranst, das Verhalten zwar fröhlich, aber gedämpft, die Gesamterscheinung hoffnungsreich, aber auch dräuend. Aber wem erzähle ich das?
Im Krankentank unterdessen pickt die Cichlidin Medikamentenbrocken aus dem Kies, um sie jeweils Sekunden später als Nebelwolken wieder aus den Kiemen zu jagen, verwehende Heilmacht, ich sehe es ungern . Ob sie die im weisen Zeug versteckten vergifteten Futterbrocken auch aufisst, ist nicht zu erkennen, dafür aber, dass der Wurm, frech geworden vielleicht, sich weiter als je zuvor aus dem Fisch lehnt, fast einen vollen Zentimeter ragt das Geschmeiss hervor. Fällt er nun endlich ab, wird nun alles gut? Zwanzig Minuten lang beobachte ich das Ding, dann zieht es sich wieder zurück und nur mehr der spitze Kopf lugt raus. Bin also ich selbst, beim Fischbeaufsichtigen, ein Programmpunkt der Wurmunterhaltung? Haben Arschwürmer Augen? Denkt der Parasit über eine Besiedlung meiner Person nach?
Man möchte es lieber nicht wissen.

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