Zum Glück sieht man es nicht für lange, denn schon einen halben Tag nach dem klärenden Algengenozid hat die grüne Sau sich wieder vervielfältigt und alles sieht wieder genauso aus wie vorher. Ich erinnere mich dunkel, gelesen zu haben, dass manche Trinkwasserversorger Phosphate ins Wasser tun, damit es sauberer ist, oder was, und dass diese Phosphate quasi wie Dünger das genaue Gegenteil von dem bewirken, was man mit Wasserwechseln eigentlich bewirken will. Ich glaube da aber nicht dran, man sieht im Wasser auch keinerlei Phosphate schwimmen, und also wechsle ich jetzt jeden Morgen und Abend 24 Liter Wasser aus, mit allen Algen und sonstigen Sauereien drin. Und wie durch Magie oder Zauberei, oder magische Zauberei, ist dann jeweils am nächsten Morgen oder Abend alles wieder so grün wie vorher.
Unmittelbar nach dem Wassertausch aber kann man jeweils für einen kurzen Moment die Fische sehen, und was ich da sehe, gefällt mir zur Abwechslung mal gar nicht. Augustus, diese Speerspitze bourgeoisen Fischtums, der König der Barben, hat innerhalb der wenigen Tage, die er algenbedingt praktisch unsichtbar war, seine komplette Schwanzflosse eingebüsst und trägt stattdessen eine offene Wunde spazieren. Und auch die anderen Barben sind allesamt angedatscht, driften kopfunter, mit zerrupften Flossen. Mein an Furcht und Elend geschultes Auge erkennt sofort, dass das diesmal kein pilziger, sondern bakterieller Flossenbrand ist, denn die charakteristische Weisskante an den Flossen fehlt in diesem Fall.
Viel Hoffnung für die offenbar komplett verseuchte Fischherde habe ich zwar nicht, aber man muss ja tun, was man vermag, und also wackle ich wieder einmal in die Höhle des Mundgeruchmannes, weil es mir zu PetSmart, am anderen Ende des Universums, nun wirklich zu weit ist. Zudem missfällt mir auch das fortgesetzte Versagen der Wunderwaffe Fenbendazol im Wurmkrieg.
Beim Mundgeruchsmann hole ich Antibiotika, die aber nur gegen gram-negative Bakterien helfen, was zum Teufel auch immer das nun wieder heisst. Die Barben, taumelnd und halbtot, sind schnell eingefangen und landen im alten 10 Gallonen-Becken, das nun für ein Krankenhaus gelten soll. Fünf Tage lang wird die Behandlung dauern, acht kranke Barben treten sie an. Der, ich sage es ungern, Countdown läuft.
Am ersten Morgen treibt Augustus tot in einer Ecke. Noch sieben.
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