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Friday, April 6th, 2007

Paul Verhoeven – Turkish Delight (3)

180px-Turkish_Delight_DVD_cover.jpg What a weird trip. I have to admit, the power of script and acting impress me, but from todays perspective, the sentiments and behaviour just seem strangely affected. Seeing this today suggests not artistic abandon and an emotional rollercoaster, but a dated body language and strangely stale clichees of reckless abandon. The horrible porn soundtrack doesn’t help any.

Friday, April 6th, 2007

Reisevorbereitungen

Als die nachdenklichen Menschen vor einigen Jahrtausenden in eine Regenpfütze starrten und das Individuum entdeckten, wurden sie von dieser merkwürdigen Beobachtung dazu verleitet, dieses sogenannte Individuum für ein unabhängiges Gebilde zu halten, für eine losgelöste, eigene Welt, in die die äussere Welt nur als Wahrnehmung eindringe, als gepflegte Samstagabendunterhaltung mit Werbeeinblendungen, ein Schattenecho eines anderswo brennenden, heissen Fusionsfeuers, gefahrlos und jederzeit abschaltbar.
Hätten sie mal genauer hingeschaut, damals. Denn das Selbstbild in dieser Pfütze warf Wellen vom Wind, Kaulquappen perlten darunter hin und ehr, ein Laubblatt verbirgt den Ausdruck des Auges. Und nun kommt ein Fisch, verschlingt die jungen Frösche, die Pfütze ist ein Meer, eine Nahrungskette, eine Fresspyramide, über der sich das mickrige Ich auflöst, als Schaumkrone auf den Sturmwellen und in Blasen zerstäubt. In mittlerer Wassertiefe dieser Metapher schwimmt ein Atom-U-Boot, die Besatzung sehnt sich, nach unterschiedlichen Dingen und doch gemeinsam und aus dem Reaktor leckt Plutonium oder Cäsium, oder irgendein anderer Scheiss, eine leuchtende, verschlungene Unterwasserspur einmal um den Globus, entlang der neues, leuchtendes Leben entsteht und sofort wieder vergeht, die absinkenden verkrüppelten und vergifteten Flossen und Schwänze und Herzen Nahrung für einen hungrigen Bodenbewohner. Aber genug davon.
Im Aquarium hat sich nichts weiter ereignet, seit die Schwertträgerin sich einen Bauernhof kaufte. Hunde, Ottos und Pleco ernähren sich von Unsichtbarem, eingeworfenes Futter wird nicht beachtet, die Tiere scheinen nicht auf mich angewiesen, aber das ist möglicherweise auch nur ein Trug. Überstünden diese Bodenbrüter zwei Wochen Einsamkeit? Die überlebenden Schwertträger knabbern lustlos am eingeworfenen Futter, denn auch sie haben offensichtlich einen Job gefunden und kommen jetzt alleine durch. Drei Tage gabs nichts zu fressen, dem Ammoniak Einhalt zu gebieten, und die Fische kacken trotzdem wie die Weltmeister. Die Schnecken ernähren sich ohnehin von grünem Schleim, und davon ist ja genug da.
Bleiben die einsame Barbe und das Cichlidenpaar. Godzilla habe ich noch nie essen sehen, von irgendwas muss er sich aber wohl doch ernähren. Godzilla seine Frau nimmt zwar eingeworfenen Quatsch gerne entgegen, zupft aber ansonsten keck an den Pflanzen rum. Und die Barbe, herrje, wer versteht schon Barben? Ausser Sterben haben die doch nichts im Kopf.
Jetzt habe ich absätzelang vor mich hin ramentert, bin der Antwort auf die auslösende Frage aber immer noch nicht näher gekommen: kann das Aquarium zwei Wochen ohne mich dastehen, oder braucht es einen menschlichen Aufpasser? Und kann man denn überhaupt jemandem zumuten, die Verantwortung für die sich ja sicherlich schon anbahnende nächste Katastrophe zu übernehmen?
Ach, wäre man das Spiegelbild einer Insel in einer leeren Pfütze.

Wednesday, April 4th, 2007

Balanced

Der Innenraum erinnert an das Klischee eines Ameisenhaufens, wild schieben die Menschen ihre Gitterwagen durcheinander, ständig bilden und lösen sich Staus, denn Berkeley Bowl, der in einer ehemaligen Kegelbahn einquartierte Ökosupermarkt, besitzt zu viele Einkaufswagen. Die Kunden versuchen zwar, den Missstand zu beheben, indem sie die Wagen rappelvoll nach Hause schieben und dann dort geleert stehen lassen, aber die ausgelobte Belohnung unterhält eine rege Rückführökonomie, und am Grundärger ändert sich nichts. Man darf zu Stosszeiten darum nicht hier sein, aber hin und wieder vergesse ich das oder habe nicht die Wahl.

Die Schlangen an den Kassen sind seltsamerweise trotzdem überschaubar. Unter Umständen wie den gegenwärtigen biegen sich die aufgreihten Käufer normalerweise kreuz und quer durch den hinter den Kassen belassenen Stauraum und in die Regalreihen, ein argwöhnisches Lauern auf Schlangenplätze setzt dann ein, und in der Hoffnung auf eine etwas kürzere Schlange oder eine etwas schnellere Kassierkraft patrouillieren die Unnachgiebigen mit ihren Wagen auf und ab, quetschen sich durch die Wartenden und komplettieren den Wahnsinn. Aber heute sind die Schlangen grade und reichen kaum bis ans erste Regal zurück. Tortzdem mürrisch stelle ich mich an, der Menschen, ihrer Waren und ihres Gewusels überdrüssig.

Während ich den Kram aufs Band lade, reisst mich eine Stimme aus dem gramvollen Grant. You made me thirsty, sagt die Stimme freundlich, those look so good. Sie meint die gefrorenen Limonadenkonzentratdosen. Als Tim, vor einer Weile bei uns zu Besuch, erfuhr, dass die Limonade nicht frisch gepresst war, sondern aus der Dose, rümpfte er angewidert die Nase und stellte das vorher gelobte Getränk beiseite. Hilflos blicke ich auf die reifüberzogenen Dosen und suche nach Worten, finde keine und sage also „Now you made me thirsty, too.“ Kurse eines sogenannten Schlagfertigkeitspapstes preisen Google Anzeigen im Gmail Interface mir seit einer Weile an. Ich ahne, weshalb.

Das Band bewegt sich stossweise, und wird stossweise von mir beladen, und kurz vor Ende spricht sie mich wieder an, You got just the right balance between healthy and indulgent, freundlich, auffordernd, und diesmal fällt mir nicht mal eine Floskel ein, das Schweigen zieht sich, bis uns klar wird, ich werde nicht antworten. Sie unterschreibt ihre Quittung und wendet sich ab. Hi, sagt die Kassiererin zu mir. How are you?

Saturday, March 31st, 2007

Knoten

Seit dem Krankenhausaufenthalt und der intravenösen Ernährung habe ich in meinem linken Unterarm eine Venenverhärtung, einen zwei Zentimeter langen, harten Knoten, den ich in ratlosen Momenten gegen das Muskelgewebe drücke, ein Tick. Wird der Fingerdruck stark genug, weicht der Knoten aus, seltsamerweise nicht seitlich zu, sondern in Richtung des Venenverlaufs, ein hochgekrempelter Blutärmel. Vor dem Fenster sehe ich ein Insekt, vielleicht zwanzig Meter entfernt in der Luft, und hätte es wohl nicht gesehen, wenn nicht ein amerikanisches Rotkehlchen es in einem eleganten Flugmanöver aus der Luft gefangen und gefressen hätte. Ein Insekt, das wohl so gross war wie der Knoten in meinem Arm, und das jetzt verdaut wird. Einen Moment lang scheint der Vergleich etwas zu bedeuten, das Ereignis, die Tatsache, dass ich erst rückwirkend das Tier sah, als es schon verschwunden war, vernichtet, aber dann zerfällt das Gespinst, es ist ein Vogel, der zufällig vor meinen Augen frass und jetzt schon fortfliegt.

Friday, March 30th, 2007

Susan Casey – The Devil’s Teeth (2)

casey.jpg A fascinating look at animals and researchers surrounding the Great White Shark Project at the Farallone Islands off the coast of San Francisco. On a clean day you can just see these islands beyond the Golden Gate, and I am going to look out there with much more respect and curiosity now I’ve read the book. On the downside, Casey comes across as a somewhat irresponsible girl, whose obsession with untamed wildness and rugged men ultimately leads to severe consequences for everybody involved.

Friday, March 30th, 2007

Neue Weltordnung

Wie jeder weiss, der schonmal Schuhe gekauft hat, kommt es im Leben vor allem auf die Grösse an. Und Fische wissen das natürlich auch und beugen sich gerne dem geistlosen Diktat der Körpermasse. Einserseits verhält sich Godzilla wie ein scheuer, tapsiger Riese, rumpelt beim Rumschwimmen ständig irgendwo gegen und kann sich nur unter grossen Mühen das Schloss überstreifen, um dann mit wachsamem Auge zum Tor herauszuspähen, ob niemand ihm übel wolle. Andererseits aber kann Godzilla in unserem Becken nun komplett machen, was er will, seine schiere Grösse erstickt ohnehin schon unplausiblen Widerstand im Keim. Und was schon gekeimt ist, aber nicht an der richtigen Stelle steht, wird kurzerhand ausgerupft.
Am Morgen nach der Godzillaankunft schwimmen deshalb zahlreiche Pflanzen zerrupft an der Oberfläche, die restlichen Fische stecken hinter Steinen und im Laub und glubschen nervös, und von der Ursache ist aber nichts zu sehen. Nur die Cichlidfrau, die ihren eivollen Bauch vor dem Schlosseingang auf und ab paradiert ist ein Indiz: da wird er wohl drin sein.
Ist er aber nicht. Denn unvermittelt entfaltet sich jetzt die Eröffnungssequenz eines Star Wars-Films, ein massiver Raumfisch schiebt sich unter Bassgrummeln hinter dem Schloss schräg aufwärts, ein riesiges Auge späht, und immer mehr und mehr blauer Fisch taucht auf, die absurd grossen und Detailarmen Schuppen und Flossen ein Hinweis darauf, dass hier die Effektabteilung eine Attrappe gebaut hat, und der Fisch in Wahrheit nur ein paar Zentimeter lang ist. Jetzt schiebt sich rot- und gelbglühend die Schwanzflosse ins Freie, die den Zerstörer antreibt auf seiner Bahn durch den Kosmos, kurz steht der ganze, massive Fisch frei über dem Schloss.
Dann sieht er mich, und versenkt sich wieder, schüchtern, aber durchaus selbstsicher, ein zärtliches, blaues Monster.
Am anderen Ende des Grössenspektrums sind unterdessen zwo der Schwertträgerjungen grundlos verendet und schwimmen leblos im Kindergarten. Noch zwei.

Friday, March 30th, 2007

Haarig

Als ich mir mit den Händen durch die Haare fahre und also mit meinem Kopf raufe, fallen einige auf das mit Skizzen von Kreisen und Projektionsstrahlen bedeckte Blatt, ein Kopforakel, ein I-Ching oder Mikadospiel aus Keratinstäbchen, und ich frage mich einen Moment lang, ob das Überbleibsel von der gestrigen Schur sind, oder ob vielleicht wirklich eine Verdünnung stattfindet. Die letzten Rottöne aus den Wolken verschwinden, und mit ihnen meine Hoffnung auf eine Lösung. Warum der Winkel orthogonal zur epipolaren Linie, der doch eigentlich der kürzeste sein sollte, von einer numerischen Optimierung unterboten werden kann, Tagesinhalt im Winkelbergwerk. Ich werde das Problem heute nicht mehr lösen, habe schon die Jacke an, als mir, woher der Gedanke nach drei Stunden der ununterbrochenen Ratlosigkeit nur plötzlich kommen mag, auffällt, dass das Kreuzprodukt zweier Einheitsvektoren natürlich selbst im Allgemeinen kein Einheitsvektor ist, und darum die Orthogonalisierung missglückt.
Ich kann nach Hause gehen.

Wednesday, March 28th, 2007

Zack Snyder – 300 (3)

poster1_full1.jpg Awesome graphic design, wonderful cinematic visuals, both of which are more to Miller’s credit, of course, than the filmmakers’. The story lacked subtlety or characterization, and the dialogue was horribly cliched in places, which may also be Miller’s fault – need to pick up the book to check. A sad waste of talent and material overall.

Wednesday, March 28th, 2007

Jonathan Lethem – Men and Cartoons (2)

mencartoons.jpg After having read much of Lethem’s work, I think I love his stuff more for the abundance of ideas than for the actual execution. There is often something oddly fragmented about his storytelling, creating a disaffected air, but many of his characters and situations are very acute and touchingly observed conundrums of human existence, cast into odd narratives. Oh god, would you listen to me. Or rather, don’t. Read Lethem instead.

Wednesday, March 28th, 2007

Skinny

No spring break? fragt sie, bevor sie mir den Haarfang umlegt, No spring break for you, either, frage ich zurück, aber die Kollegin ist im Urlaub, Belegschaftshalbierung, Studentenmangel. You used to have dense hair, sagt sie, now no more, lost weight, too. Ich bin einen Moment lang zu verblüfft, um zu antworten, got skinny, fügt sie hinzu. Kurzsichtig spähe ich in den Spiegel und versuche zu lesen im müden Gesicht, das herausguckt, aber es ist zu unscharf.