Im Hauptbecken ist zu dieser gottlosen Morgenstunde noch kein Licht, nur undeutlich sieht man darum, dass alle Fische sich noch in ihren Nachtecken verstecken. Obenauf schwimmen zwei welke Blätter, die ich mit spitzen Fingern herausfische, und hastunichtgesehen zuckt es als wie ein lebendes, kleines Komma vor meiner Hand davon. Was aber, Freunde, war das? Vielleicht zwei Millimeter lang, rötlich schimmernd, wieselflink. Es wird doch nicht der verfluchte Wurm ein Schwimmstadium erreicht haben und nun vollends übers Aquarium herfallen wollen?
Aber dann gucke ich in eine der Beckenecken, und da stehen sie, still und hoffnungsvoll wie Stubenküken oder Mastkälber, wohl zwanzig winzige Schwertträgerfische, die über Nacht aus ihrem Muttergefängnis entkommen sind. Drei Millimeter lang, halb durchsichtig, halb schon orangegetönt wie die Eltern, mit zwei winzigen Augen, die neugierig hierhin und dorthin spähen – ein Vorteil der Kurzsichtigkeit ist die sozusagen ins Gesicht eingebaute Lupe, die einen dergleichen aus nächster Nähe sehen lässt. Jetzt endlich gibt die Ankündigung Patricks, die Fische produzierten pro Monat so an die 40 Nachkommen, einen greifbaren Sinn. Nicht über den Monat hinweg meinte der Fischmeister, sondern je auf einen Satz. Und wirklich stehen ja in der gegenüberliegenden Ecke weitere zwanzig winzige Fische und wissen nicht, was das Leben soll. Herrje.
Mal sehen, wieviele heute abend noch da sind. Die Schwertträger fressen nämlich – Überraschung – ihre Kinder.
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