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Friday, March 16th, 2007

Neil Gaiman – Coraline (1)

coraline.jpg Reading Gaiman, I frequently marvel at the way he manages to circumvent my defenses. Things I would normally consider cliche or kitsch, are all right when he does them, and a scenario that reeks of Cirque de Soleil and the fake weirdness of professional quirkers, is genuinely creepy and rings true, when he touches it. Buttons for eyes? Dead children behind a mirror? A talking cat? A blind doorway that leads to a spooky place? Bring ’em on.

Friday, March 16th, 2007

Algenpest

Vorerst und unter selbstverständlich Irrtumsvorbehalt ist die Antwort leider offensichtlich. Eine der beiden Kriegsparteien kniet mit betroffener Miene vor dem Becken und starrt einer Fischfrau hinten drauf, kratzt sich am Kinn und ratlos am Kopf, während die andere in aller Ruhe Blut saugt und hin und wieder den Spitzkopf aus dem Versteck reckt. Ich denke dann jedesmal, Jetzt!, Ha!, Erwischt!, einmal kam das rote Ding einen halben Zentimeter weit aus dem selbst nicht sonderlich langen Fisch, und ich war mir also sicher, der Obszönität jetzt aber endlich chemisch das Lebenslicht ausgepustet zu haben. Aber so rasch der Wurm heraus gekommen war, so flugs verschwand er auch wieder im Fischdunkel. Vermutlich hatte er sich verlaufen.
Ist also der Wurm unbesiegbar? Die kurze Ernüchterung, die diesem Gedanken folgt, macht meine Augen übers Aquarium hinschweifen, und ein kühler Schrecken rinnt mir den Rücken hinab, denn kein anderer Fisch ist mehr zu sehen. Genaugenommen ist auch keine Pflanze mehr zu sehen, und die Rückwand schon zwomal nicht, denn das Becken ist voll von einer trüben, grünlichen Brühe, organische Partikel treiben dicht darin, kleine Algenstädte und Algen-U-Boote tummeln sich, vielleicht findet eine Algenkonferenz statt irgendwo in dem Gewirbel, Algenliebe, Algenzorn, wer kann es wissen. Es ist eine Algenbevölkerungsexplosion im Gang, 7 Billionen Algen wohnen auf engstem Raum, das kann ja nicht gutgehen.
Algen werden angeblich von Pflanzen „locker ausgebremst“ (Aquaristenfachsprache), weil Pflanzen einen Evolutionsvorteil besitzen und Nährstoffe schneller und gründlicher aus dem Wasser klauben als die niedrigen und dummen Algen mit ihren fliehenden Stirnen (zwei pro Alge). Das sagt jedenfalls die Theorie, in der Praxis ist es wieder mal umgekehrt, nämlich zwicken die Algen vom Lichtstrom sich ein beträchtliches Scherflein ab, für ihre eigenen Photosynthesezwecke, und die Pflanzen können sehen, wo sie bleiben: im Dunkeln nämlich. Das mag paradox scheinen, weil auch Pflanzen ja im Dunkeln überhaupt nicht sehen können, und also auch nicht sehen können, wo sie bleiben, sondern nur Schwärze, aber das ist ja auch genau, wo sie bleiben, und so rum stimmts dann wieder.
Um diesen schlimmen Kreislauf zu brechen, müssen wohl die algennährenden Nährstoffe stofflich entzogen werden, zusammen mit dem Gros der Algenpopulation am Besten. Es sind also, mit anderen Worten, Wasserwechsel knallhart durchzuziehen. In den Eimer, den ich dafür angeschafft habe, passen 24 Liter Wasser, denn er ist ein grosser Eimer. Zweimal fülle ich ihn aus dem Aquarium mit grüner Suppe, giesse dann kristallklares Frischwasser zurück ins Becken, und am Ende sieht man tatsächlich wieder was.
Und was sieht man da? Die Barben sind krank.
Zefix.

Thursday, March 15th, 2007

Peter Carey – Wrong About Japan (2)

1400043115.01._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg A cute book about the trip to Japan of a father and son, to meet some of Anime’s legendary figures, and to be shown, time and again, to be fundamentally wrong about Japanese culture. While this book stays on the surface of the issues a lot of the time, and some of the misunderstandings and oddities seem so naive to make me suspect exaggeration for the sake of the books thread, the subject itself is fascinating to me. Having never been to Japan, but being confronted with how utterly strange and alien the culture there is to Westerners, I find myself very unwilling to buy into it. Language books fuzz endlessly about the different politeness levels of Japanese speech, and what a unique concept that is, as though all words and phrases were applicable in all social situations in English. Likewise, many of the unfathomable quirks that are described in books like these seem to be a mix of different historical backgrounds and skewed perception on the side of the visitor, with some deliberate mythbuilding thrown in on the Japanese side, possibly as a means of establishing unity of the nation against foreign influences.

But that’s enough rambling out of me. If my plans to visit Japan this summer work out, I shall write down as much of my preconceptions as I possibly can, and try and chronicle their unfolding over the course of my stay. Maybe it’ll be as amusing as this book to read.

Thursday, March 15th, 2007

Osamu Tezuka – Ode to Kirihito (1)

book_kirihitoimage.gif About two thirds of the way through this magnificent medical thriller, I suddenly realized that the gripping storyline had made me turn the pages way too fast, glossing over much of the amazing artwork and visual detail. I then stopped for close scrutiny of one particularly rich panel – which in act had caused my realization in the first place – but soon returned to flipping the pages as fast as I could read the text. I’ll have to reread it, I suppose. Bummer.

Thursday, March 15th, 2007

Fallender Trieb

Der grosse Baum vor der Mammutwand, ungefähr halb so hoch wie die Spitzen der höchsten Sequoien, und ungefähr hochgewachsen bis auf meine Augenhöhe, hier im fünften Stock eines Hauses, dessen Keller erster Stock heisst, hat eine beinahe schmerzhaft triebgrüne Farbe. Ich denke über Statistik nach und starre ins grüne Blattgewimmel, aus dem dann unten ein Trieb heraus und auf den Asphalt fällt. Dort liegen schon ungefähr ein Dutzend andere, und während ich die Quadratfehlersumme durch die Freiheitsgrade dividiere, sehe ich einen Ast vibrieren und braunes Fell durchs dichte Grün.

Thursday, March 15th, 2007

Rebarbarisierung

Wenn die Gebäudesubstanz und die tragenden Balken, von Termiten benagt und vom Moder gebeutelt, zu einem pulvrigen Schleim zerrührt von unten ins Fundament sickern, und von ihrer Feuchtigkeit dann die Kellerwände schimmeln, dann ist es Zeit für einen neuen Anstrich der Fassade und ein paar hübsche Topfpflanzen auf dem Fensterbrett. Was sonst sollen wohl die Nachbarn denken?
Diese atavistische Vortäuschung eines Gedankens, der die Menschen auch die Schere aus Kreditkartenschulden und Repräsentationsautomobil verdanken, bringt mich nun dazu, dem wurmgezwackten Becken statt einer gründlichen Heilung erstmal ein paar neue blitzblanke Fische zu spendieren. Ist das klug? Ist es Verhalten bestimmt vom Mitgefühl mit der Kreatur? Oder närrische Brechstangenreparatur, Ducktapegefummel am brechenden Damm?
Worum es sich auch handelt, eingekauft werden nun zwei neue Barben, die schwindende Herde zu ergänzen, ein Clownspleco, der aber in Wahrheit gar nicht wie ein Clown, sondern mehr wie ein kleiner Leopardenhai aussieht, und ein Schneck, der die unter dem heftigen Lichtgespratzel übel wuchernden Algen in die Schranken weisen soll.
Des weiteren aber kaufe ich, wo ich grade dabei bin, auch noch antiparasitäre Brausetabletten und parasitenfeindliche Futterkrümel.
Der Pleco fühlt sich gleich sehr zuhause bei uns, die Barben aber stehen schräg im Wasser und zappeln unruhig mit den Barbenkörpern, während der Schneck unten die Fühler kurz aus dem Haus streckte, und dann sofort von der Cichlidin attackiert wurde. Jedesmal, wenn das Weichtier jetzt seine harte Schale öffnet, fährt die Fischfrau wie eine Furie hinein und zwackt den Schneck, bis er sich am Ende, verständlicherweise, nicht mehr heraustraut. Die Verschönerung des Krisengebietes, mit anderen Worten, war ein Dreiviertelschlag ins Wasser.
Drei Brausetabletten sprudeln jetzt auch in der Tiefe zwischen den Pflanzen, je eine pro 10 Gallonen, und obenauf schwimmen die vergifteten Futterbrocken. Es herrscht nun also Krieg zwischen mir und dem Wurm. Mal sehen, wer gewinnt.

Thursday, March 15th, 2007

Fenbendazol

Wenn ich vor dem Becken kniee, dann reicht die wässrige Front mir bis über den Kopf, und aus dieser Nähe ist dann die ganze Welt aus Wasser, genau wie für die Fische, die drin wohnen müssen, ja auch. Man kann aus dieser Perspektive sehr genau sehen, was die einzelnen Tiere so machen, schwimmen nämlich (alle), den Boden durchwühlen (Hunde), die Pflanzen abschlecken (Ottos), kacken (Schwerttträger), beziehungsweise eben Arschlametta spazierenführen (Cichlidin). Und einerseits soll man ja dem Tier nicht vorschreiben wollen, wie es seinen Tag zubringen soll in seiner kleinen Kunstwelt, sonst hat man eh man sichs versieht einen Zirkus im Wohnzimmer und kein Aquarium mehr, und von da ist es nicht weit bis zu roten Nasen, grossen Schuhe und dem Ende der Zivilisation. Andererseits aber kann man ja nun auch nicht tatenlos zusehen, wie im eigenen Wohnzimmer Parasiten umhergetragen werden, die dann auch noch, wenn ich vor dem Becken kniee, sehe ich das ja sehr deutlich, hin und wieder die spitzen, roten Köpfe weit aus dem Rektum recken und vielleicht ein kleines Liedchen pfeifen, die wurmigen Säue. Nein, das kann man gar nicht, es sieht auch nicht gut aus. Das Gewürm muss weg.
Die Schreckensgeschichten aus dem Online empfehlen das Entwurmungsmittel Fenbendazol, alles andere, sagen sie, hilft nicht. Rumtelefoniererei ergibt, dass Fenbendazol vielleicht helfen mag, aber von niemandem geführt wird. Nur PetSmart, am anderen Ende der Welt, hat Tütchen davon rumliegen, zur Hundeentwurmung, steht auf der Packung, und damit sind, man kann es an den Abbildungen sehen, keine dicken, tappsigen Fische gemeint, sondern so richtige Hunde mit so Fell und so.
Die Dosierung ist also völlig unklar – pro zehn Pfund Hund soll man ein Tütchen nehmen, steht auf der Packung, aber ich kann ja die Fischin nicht wiegen, und ausserdem ist sie gar kein Hund, sondern eine Fischin –, und ebenso unklar ist, wie ich dieses Pulvergift in die Fischin kriegen soll. Jedenfalls ist ja der eine Einfüllstutzen mit Wurm verstopft, und das Gift muss also vorne hinein. Als ersten Versuch lege ich Blutwürmer über Nacht in eine Pulverlösung ein und kippe das Ensemble am Morgen komplett ins Wasser. Den Tag über sorge ich mich wegen einer möglichen Überdosierung, und erwarte halb, alle Fische tot an der Oberfläche vorzufinden. Das würde mir eine Lehre gewesen sein, aber wieder einmal lerne ich nichts dazu, denn stattdessen hat sich einfach gar nichts geändert. Den Fischen geht es gut. Den Würmern auch.
Mit dem zweiten Tütchen wiederhole ich das nutzlose Experiment, schon kaum noch hoffnungsfroh, und wirklich hilft auch die zweite und grössere Ladung Blutwürmer, diesmal in doppelter Pulverkonzentration gebadet, rein gar nicht. Und auch Flocken, in Fenbendazol gebadet, sind dem Wurm ein Gelächter und ein Klacks. Ein taffer Wurm, das muss der Neid dem blutsaugenden Gelichter lassen.
Noch schwimmen sie nun alle munter durch die Gegend, frohlockende Fische. Aber wenn in vier Wochen dann rote Köpfe aus allen Ärschen spähen, wird es meine Schuld gewesen sein. Und das kann ja nun niemand wollen.

Thursday, March 15th, 2007

Sonniger Nachmittag

Auf die Holzbank, neben sich, hat er eine Flasche und ein Buch gelegt, aber er liest nicht, und er trinkt nicht. Stattdessen steht er jetzt auf und beginnt, ziellos über die leere Terrasse ausserhalb der School of Optometry zu wandern. Immer wieder bleibt er stehen, blickt zu Boden, nach oben, in die Ferne. Er trägt eine gelbe Schildmütze ohne Mütze, eine klobige Armbanduhr, knielange beige Shorts und weisse, kurze Socken. Nach einigen Minuten setzt er sich wieder auf die Bank und beginnt zu lesen. Seine etwas teigige Haut zeigt die beginnende Rötung eines Sonnenbrandes, seine Füsse weisen einwärts.

Friday, March 9th, 2007

Martin Campbell – Casino Royale (2)

bond.jpg For some bizarre reason that I find it hard to put my finger on, I still like Timothy Dalton’s Bond best. Maybe it was the discrepancy between his effeminate appearance and the supposed tough guy he portrayed. Craig certainly doesn’t have that asset, if an asset it is, but the realism the makers of this movie were striving for, is certainly rewarding. I’m not a fan of product placement, nor of movies that are longer than they should be, nor of the elaborate stunt sequence beginning, that felt like it was tailored for a computer game, but still watching this latest Bond was more fun than I recall the last few attempts to be. And I also liked the surrealist feel of going back to the roots, yet having the plot set in the present, with Dench as M.

Friday, March 9th, 2007

Das Brettchen

Na gut, es ist versprochen, und versprochen ist ja versprochen, und also muss ich nun erklären, was das für ein Brettchen ist, auf dem die toten Fische jetzt trocknen. Fünf sind es nun schon, aber das ist sicher nicht das Ende der Trauerfahnenstange, dafür wird Camillanus schon sorgen, oder irgendein anderer verpilztes Mistwurmvirusbakteriumsmonster.
Das Brettchen also.
Wer schon mal renoviert hat, oder das Zimmer aufgeräumt, oder im Kühlschrank einen sehr alten Käse vorgefunden, der weiss, dass nicht immer alles im Leben ohne Mäander und Verwicklungen vor sich geht und manchmal ein Durcheinander entstehen kann. Genaugenommen ist es sogar so, dass nichts ohne Mäander und Verwicklungen vor sich geht und überall erhebliches Durcheinander herrscht. Ein beinahe endloses Mäandern und Verwickeln könnte man das Leben nennen, und ein enormes Durcheinander, wenn das nicht so umständlich und verwickelt wäre. „Leben“ ist kürzer.
Ständig findet man in diesem Leben Fragmente alter Dinge, nicht Fertiggestelltes, abgelegte Möglichkeiten, verlorene Hoffnungen. Man findet sie an den unmöglichsten Orten, und nie wenn man sie erwartet. Umgekehrt verlaufen Pläne, die man sich aus Ideen mühsam zusammenschmiedet hat, in den seltensten Fällen so aus, wie man sich das mal vorgestellt hat. Rube Goldbergs Maschinen, die einfache Vorgänge auf unerhört komplexe Weise erledigen, sind eine hübsche Metapher, aber grottenfalsch, weil nämlich so eine Goldberg-Maschine in Wirklichkeit niemals funktionieren würde. Irgendwas würde sich verklemmen, irgendwas abbrechen, und Zack, liegt wieder so ein Fragment im Kühlschrank, oder im Sockenhängeregister von Ikea, und wartet darauf, dass man es irgendwann entdeckt und sich an die kaputte Maschine erinnert, und seufzt.
Das war jetzt ein wenig viel Mäandern und Verwickeln für das eigentlich ganz kurz hinzuschreibende Eingeständnis, dass der hübsche und beinahe perfekt zugeschnitte Acrylglasdeckel nicht der erste Versuch war, das Aquarium obenrum zu verbessern. Denn zwar hätte man die Leuchteinheit zuerst einfach so quer übers Becken legen können, aber sie ist nur ziemlich genau einen Zentimeter länger als das Becken selbst, und würde also womöglich reinfallen, wenn man dagegenatmet zum Beispiel. Also sägte ich aus einem Bruchstück Sperrholz, das als Fragment von etwas Vergessenem im Werkzeugkarton gewohnt hatte und nun sterben musste, zwei schmale Brettchen aus, die dann quer zur Lichtrichtung überm Becken lagen, den Enden nahe, und so die Lampe stützten und sazusagen Festland simulierten.
Nun ist es wahr, dass der Acryl-Deckel zugeschnitten wurde, um den Fischen das Springen unmöglich zu machen. Es ist aber auch wahr, dass die naheliegende Befürchtung, eine lose auf zwei kleinen Brettchen liegende und durchaus ans Stromnetz angeschlossene Lampe werde dann eben schon mal von diesen Brettchen rutschen und ins Becken purzeln, nicht deshalb naheliegt, weil der Mensch zum Unken neigt – was er tut –, sondern, weil sowas tatsächlich passieren könnte. Oder kann. Oder vielleicht sogar passiert ist. Wenn, dann aber mit der nichtstromführenden Seite voran, was natürlich für alle Beteiligten ganz ungefährlich war und sogar im Grunde eher lustig als beängstigend. Und das Licht ging auch nur ganz kurz ein kleines bisschen aus. Sowas kann jetzt mit dem Acrylglasdeckel natürlich fast gar nicht mehr passieren.
Das Brettchen jedenfalls wohnt jetzt im Bücherregal und sammelt tote Fische. Auch ein Hobby.