Aufstockung
Fischfascho und Mundgeruch, beiden ist, das haben die Ereignisse der letzten Wochen gezigt, nicht recht zu trauen. Trotzdem mache ich auf meiner Shoptour beim Mundgeruchsmann kurz Station, aber die Inspektion der Schirme im Fernsehraum zeigt die traurige Übertragung eines Programms der Siechheit. In einem Becken dümpelt ein toter Fisch, bei den Barben schwimmen zahlreiche Fische mit nur noch halben Schwänzen, andere Bildschirme zeigen gleich gar keine Fische. Nein, so geht es nun wirklich nicht.
Stattdessen also rutsche ich mit dem Rad etliche Kilometer nordwärts, wo im Schatten des kleinen Hügels der Geek haust und seine Fische auf der Plantage hütet. Zwar, und das ist der Nachteil dieses Ladens, wohnen die Tropenfische auf engem Raum unterm Dach, und das Klima dort gleicht dem am Herkunftsort der meisten Fische und ist meiner arktischen Konstitution durchaus abträglich, aber was will man machen. Den Klimanachteil mehr als wett macht nämlich Patrick, der in diesem Lebensraum aus unerfindlichen Gründen eine Wollmütze und ein Langarmhemd trägt. Vielleicht weil er Brite ist, und sich auf diese Weise unter den Kaliforniern besser getarnt und also sicherer fühlt.
Unabhängig von diesem Bekleidungsirrtum ist Patrick aber im Vollbesitz seiner Kräfte, und erklärt wie ein rundumkompetenter Trommelgeek auf Duracell die chemischen und physikalischen Kräfte, die aus blossen Pflanzen glückliche Pflanzen machen. Fische sind Patrick zufolge nur eine lästige Zutat, die man hauptsächlich zum Pflanzendüngen braucht. Entsprechend ist er auch nur wirklich zufrieden in seiner Verkäuferrolle, während er mir Hochleistungsleuchtstoffröhren und Kohlenstoff- und Spurenelementdünger aufschwatzt. Die Grossbestellung Fische, fünf neue Barben, drei Schwarzrückenpanzerwelse (Corydoras Metae) sowie ein Brutpaar Purpurprachtbarsche (Pelvicachromis Pulcher) fummelt er zwar nach vager Beratung demütig aus ihren jeweiligen Becken, aber erst als es ans Einsammeln verschiedener Wasserpflanzen zur Erquickung der Fischbrut geht, die dann unter der neuen Hochleistungssonne wuchern sollen wie weiland die Apfelbäume im Paradiese, ist seine Leidenschaft wieder erweckt. „This will grow very well“ sagt Patrick bei jeder einzelnen Pflanze, „those are very nice“, und die positive Grundhaltung zusammen mit dem niedlichen Akzent machen mich eine ganze Salatschüssel voll Grünzeug und einen Riesensack Lehmzement fürs Substrat kaufen.
Ich bin nämlich auf einem Roll, und zwar auf dem Fahrrad, nach Hause, mit einer schweren Tasche voller Fisch um den Hals, einer Papiertüte mit Pflanzen links am Lenker hängend, dem sehr schweren Lehmsack rechts, den Leuchtstoffröhren in ihrer Pappschachtel quer überm Lenker und einem „Vorsicht Überlänge“-Warnblinker in der Arschtasche.
Unerwartet versterbe ich auf dem Heimweg aber nicht, und es fällt auch nichts runter. Ein gutes Omen? Bestimmt.