Wird man mit etwas vertraut, einem Ding, einem Menschen, einem Sachverhalt, dann verliert dieses Objekt der Gewöhnung mit dem Nimbus der Neuheit in der Wahrnehmung auch seine spezifischen Details. Statt Eigenschaften sieht man nur noch die Gestalt des Vertrauten, gegen die selbst erkleckliche Änderungen nur mit Mühe sich abzusetzen vermögen. Wo Neue Sachverhalte und Gegenstände von der Wahrnehmung mühsam aus den Details zusammengepuzzelt werden müssen, ist es umgekehrt die Gestalt des Vertrauten, die seine Einzelheiten impliziert und unabhängig von ihrem tatsächlichen Vorhandensein enthält. Die neue Frisur eines guten Bekannten ist darum ebenso unsichtbar wie die neue Brille eines oft benutzten Klos.
Verändern sich aber nicht nur einige wenige Details, sondern die ganze Umgebung, dann entsteht dasselbe halb beunruhigende, halb erregende Gefühl, das manchmal ohne Anlass aus Vertrauten Fremde macht, und dann jamais vu heisst, nie gesehen!, und man ist wie in ein neues Becken geworfen, schwimmt ratlos hierhin und dorthin und drückt sich das Nasengewebe an den Scheiben platt. Genauso aber geht es jetzt ja den Fischen. Jamais Vu, Barbenherde!
Aus dem alten Becken erst rausgekäschert, dann an die Temperatur im neuen Quartier gewöhnt und schliesslich in die enorme Leere entlassen – das alles, sagte Augustus sichtlich beim Überschreiten des Plastikrubikon zu den anderen Fischen, wird einmal mir gehören – stehen sie nun ratlos und vereinzelt in der grossen Leere. Traurig sieht das aus, winzige Fische im öden Weltall, Planetoiden aus Fisch, einsame Kometen mit lädierten Schwänzen. Quälend langsam bewegen sie sich durch die endlosen Weiten, kaum begegnen sie einander. Vereinzelte Wasserstoffatome bremsen die Fischfortbewegung, und fern über den nun turmhoch aufragenden Wassern funzelt halbgar die alte Neonröhre, ihre Strahlen machtlos gegen die Dunkelheit, die in den Ecken des neuen Grossbeckens sich bereits eingenistet hat.
Es muss sich dieses neue Universum also jetzt mit Materie füllen und mit Licht, damit die Schöpfung voranschreiten kann, und Liebe und Leben ihren Platz in der Kargheit der Existenz einnehmen. Oder so ähnlich. Jedenfalls also Einkaufszeit.
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