Man mag vom kleinen Prinzen halten, was man will – nichts, zum Beispiel, oder die Luft an, bis was passiert –, aber in der Frage der Zähmung des Fuchses ist der Kitschexplosion aus dem Niedall nicht viel entgegenzusetzen. Hat man ein Geschöpf gezähmt und also durch Zuwendung in Abhängigkeit gebracht, dann ist man doppelt dafür verantwortlich: moralisch für die Befriedigung der Bedürfnisse dieser Abhängigkeit, emotional, indem die Verschränkung der Schicksale einen Anker ins eigene Herz pflanzte. Eine schwere Kette hängt an diesem Anker, über die die Freuden und Leiden des Geschöpfes wie über ein Dosentelefon übertragen werden, und es lässt sich nichts mehr machen.
Ungut also schlägt mir der Anblick der leidenden Fische zu Buche, sowohl der schwanzlahmen Opfer als auch des Täters Augustus, der depressiv in einer Ecke seines kalten Beckens kauert und die Welt nicht begreift. Das immerhin war auch vorher schon so, aber da schwamm er immerhin noch fröhlich durch die Gegend. Als Mordmaschine, andererseits, aber die Kinderlektion über Moral hatten wir ja letzte Stunde. Jetzt: Chemikalien raus, Gesundungsarbeit.
Aber erst setze ich noch den Schwimmknast ein, eine Plastikwanne mit Auftrieb erzeugenden Henkeln, vergittert, um Strömung zu erlauben, die laut Packungsaufdruck sowohl zur Aufzucht von Junggefisch wie der Züchtigung delinquenter Altfische taugt. Das Becken schwimmt, den lethargischen Tyrannen einzufangen ist ein Kinderspiel, und schon sitzt er wieder im Hauptbecken, von seinen kränkelnden Opfern aber durch ihm unbegreifliches Klarplastik getrennt. Vorerst ist es ihm aber noch egal.
Nun also die Chemie. Im Fläschchen ist drolligerweise trotz der Aufschrift aussen keine grüne Flüssigkeit, sondern eine tieforange, und mir kommen Zweifel. Grün, das hätte mir eingeleuchtet, das wäre in Ordnung gewesen, und hätte sicherlich die Lage verbessert. Orange, andererseits: ein Designfehlgriff. Aber es hilft nun alles nichts, es ist eben nur dieser orange Scheiss im Haus, siebeneinhalb Milliliter, tolles Wort, Millilliliter, Billilleliloter, sind abgemessen und werden in den Filterkasten gegossen – die Aktivkohle vorher entfernt, professionelle Brunnenvergiftung also –, und dann, aber, hallo, he, nanu.
Eine giftig plutoniumgrüne Wolke nämlich schwappt jetzt aus dem Filterauslass ins Becken, glüht fluoreszierend und ist so dicht, dass es nicht aussieht als werde hier Wasser gefärbt, sondern vielmehr als werde es von einem Plutoniumnebelgeschöpf aus dem Weltraum verdrängt. Dagegen ist der kleine Prinz ein Dreck. Das Neonröhrenlicht verblasst merklich, nur ein vages Rechteck scheint noch funzlig durch die Schwaden; stattdessen leuchtet das Becken selbst jetzt wie der Reaktorbrennstab, der dem Mann immer hinten in den Kragen fällt, in dieser Sendung da, ein diffuses, giftgrünes Glimmen. Es scheint gute Medizin zu sein, gute Medizin.
Die Barbenbevölkerung ist zu beschäftigt mit ihren Gebrechen, um Notiz von den veränderten Verhältnissen zu nehmen, Barbenbarbar Augustus sitzt gleichgültig am Zellenboden und kratzt mit den Flossen obszöne Zeichnungen in den Schmierfilm, aber auch die drei Otocincli nehmen die plötzliche Ergrünung einfach hin. Das Glühen ist also wohl fischneutral.
Es sind den Fischen wohl die Flossenpilze, denen diese farbwandelnde Teufelschemikalie zu Leibe rücken soll, von keinerlei emotionalem Interesse. Wäre der Pilz des Fisches Haustier, die Dinge lägen sicherlich anders.
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