Und es wurde Morgen und es wurde Abend, der dritte Tag. Und zwar der dritte Tag im Kalender des grünen Giftes. Nach zwei Tagen Grünglut, so stehts auf der Flasche, soll man dem Aquarium eine zweite Dosis zusetzen, und also goss ich am Vorabend nochmal siebeneinhalb Mililili ins Filterbecken und beobachtete abermals bass erstaunt, oder vielmehr eher bassbariton erstaunt, wie aus orangefarbenem Gift giftgrünes Wasser wird. Ein Chemiker erklärte mir, dass das Gift unter Lichteinfall angeregt werde und dann fluoresziere, und in hoher Konzentration diese nun ausfluoreszierten sekundären Photonen wieder aufgefangen würden, und also höhere Anregungsgrade erzielt werden können, die dann orange aussehen, oder aber das Fluoreszenzgrün einfach weggefangen wird, und deswegen sieht es dann orange aus, oder wieder ganz anders, ich konnte nicht recht folgen. Ich glaube darum vorsichtshalber kein Wort, und also stattdessen weiterhin an schwarze Magie. Beziehungsweise plutoniumgrüne.
Sieht man sich nun durchs halbgewusste grüne Glimmen hindurch die neuerlich unter Führerattacken leidenden Fische näher an, sieht man zweierlei. Zum einen sind die Tiere noch immer nicht gesund, sondern vom Pilz zernagt und von der Lethargie geplagt, zum anderen aber scheint der unmittelbare Flossenbrand gestoppt, und die weisslichen Ränder in der Abheilung vielleicht begriffen zu sein und also eine Wende vor der Tür zu stehen. Die aber andererseits vom Fischkillerfisch Augustus sofort wieder zunichte gemacht würde.
Muss also doch noch die Todesstrafe verhängt werden über das renitenten Geschöpf? Augustus eingefangen, in eine Plastiktüte mit Wasser gesteckt und ins Gefrierfach getan, damit er sanft in den Kälteschlaf gleiten und im Fischjenseits wieder aufwachen kann, jenseits der grünen Wiese, wo gebratene Geisterschrimpe aus der Luft ins Wasser fallen und zartgliedrige Fischelfen Rumba tanzen? Wo der Fisch des Fisches Freund ist, oder doch zumindest ein unbeteiligter Passant oder Zuschauer, und nicht ein Wolf im Barbenpelz?
Es ist verlockend, einerseits. Aber pah, nix da, Rumba! So weit kommts noch!
So sinnvoll eine solche Hinrichtung im Hinblick auf das Wohlbefinden der Gesamtbevölkerung nämlich auch sein mag, so rational, so ganz im Sinne des Utilitarismus und durch und durch ethisch, ich kann mich zu dergleichen Frivolitäten nicht durchringen – man hat mich ja noch nicht mal in mein Hinrichteramt hineingewählt, sondern ich bin sozusagen selbsternannt – und entscheide mich stattdessen für den diametral entgegengesetzten, und also völlig irrationalen und wahnsinnigen Weg, den der grosse Fischfreund Dwight D. Eisenhower vor geraumer Zeit schon messerscharf vorhersah: wenn man ein Problem nicht lösen kann, orakelte der kluge Mann, dann muss man es vergrössern. Und zwar von 10 auf 29 Gallonen.
Damit nämlich dann in den endlosen Weiten dieser neuen unkartierten Wasserwüste der Fischfaschist Augustus sich rettungslos verlaufe, und niemanden mehr zum Zwacken oder Trietzen finde und so seine Lektion doch noch eingebimst bekomme. Jawohl, so soll es geschehen, ein neues Aquarium muss her.
In den letzten Zügen glimmt jetzt somit grün das alte Becken. Geniesst euer Gift, Fische, bald kommt eine neue Welt.
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