politics and sausage
More important than seeing
something made
is seeing it
unmade
For what matters most
is was hinten
rauskommt.
More important than seeing
something made
is seeing it
unmade
For what matters most
is was hinten
rauskommt.
Bike pushed past the ghosts of cars,
Asphalt cracked like glass,
Grasses grew and withered on the faults
Drying in the sun.
The sun sets down,
mud of poisoned river.
I shiver with anticipation,
Of winters yet to come.
Come back from Rite Aid,
Two plastic bags lend meaning,
leans against the wind
and treads on parallel path.
To me this place is wasteland,
decaying, battered, polluted,
Displaying spoils of battle
She wanders to her home.
Am Ende, wenn es von den Stühlen klatscht und aus den Gängen fragt, stehen immer ein paar auf und gehen, schnell, und ohne zurück zu blicken, woandershin, wo es interessanter ist. Manchmal kommt auch jemand, setzt sich einen Vortrag lang, steht auf, geht wieder. Der Laserpointer wird warm und feucht, der Punkt möchte ein Diagramm entlangwandern auf der Leinwand oder auf der Stirn der Moderatorin funkeln einen anarchischen Moment lang, aber ich lass ihn nicht. Jetzt hat jemand Gesichtern den Mund übermalt, durch einen verwaschenen hautfarbenen Fleck, und gleichzeitig noch die Stimmen verrauscht. Wenn man sich das ansieht, sagt er, als Film, dann guckt man den Gesichtern mit dem Mundfleck und den verrauschten Stimmen direkt unter die Nasenspitze – und wirklich wachsen da abwechselnd blaue Bällchen in den Nasenlöchern – weil man die Lippenbewegungen noch ein bisschen sehen kann zwischen Nase und Mundfleck. Ich höre aber kaum hin, gleich bin ich selber dran, es klatscht, es fragt, ich gehe die drei Treppen nach oben und überblicke meine Untertanen. Zwanzig sind noch da, nein, achtzehn, grade gehen noch zwei. Ich drücke auf das Slideshowsymbol und hebe den Pointer, der jetzt kühl ist und trocken. „This”, sage ich, “is what we wanted to tell you about today.” And so it begins.
Wie das wäre, wenn man nicht wüsste, wie es gestern war, hat man ja ganz gut in diesem Film da gesehen: man liefe mit Tätowierungen durch die Gegend und wäre an allem selbst schuld (vereinfacht dargestellt). So ging es dem Patienten N.M. in den fünfziger Jahren, nachdem das Rauszupfen des hinteren Teils seines Temporallappens die Epilepsie nicht heilte und das Doktorenteam dann auch noch den Hippocampus, das sogenannte Seepferdchengehirn, rauszupfte. Das Seepferdchengehirn ist wichtig fürs Erinnern, und N.M. konnte von diesem Moment ab keine neuen Erinnerungen mehr anlegen. Das ist vermutlich ungefähr so furchtbar, wie es klingt, zum Beispiel, weil er sich Preisänderungen nicht merken konnte, und die Inflation ihm vermutlich bei jedem Einkauf von neuem das Gefühl gab, fürchterlich betrogen zu werden. Immerhin sind die endlosen Versuche, die mit ihm unternommen wurden, sicher besser zu ertragen, wenn jeder Tag der erste ist. Ganz schön ausserdem die kleine Geschichte, in der N.M. über Tage hinweg lernte, einen Stern im Spiegel nachzuzeichnen. Er habe erwartet, sagte er nach drei Tagen üben, dass dieses Spiegelzeichnen schwieriger sei – er erinnerte sich nicht mehr, das gelernt zu haben.
Ich habe, und ich sage das vorerst ohne Wertung, in den vier Tagen der Konferenz bislang noch keinen einzigen Kurzvortrag gehört und kaum Poster gesehen. Ich war bei den Buchhändlern, aber nur, um ein Buch mit Konferenzrabatt zu kaufen, das ich sowieso wollte, und ich habe mir viele der Grossvorträge angesehen, im Raum mit den 10 Grossleinwänden, vorgetragen von einer Ameise am Horizont. Heute zum Beispiel ging es um Spiegelneurone, die entdeckt wurden, als ein verkabelter Affenkopf nicht nur knisterte, wenn er sich selber was in den Mund schob, sondern auch, wenn der Versuchsleiter dem Affen das Leckerli wegfrass. Dieselbe Zelle reagierte auf “Nahrung in den Mund stecken”, egal, wers tat. Man staunte.
Mittlerweile kennt man viele Sorten dieser Neuronen, und die interessanteste Seite dieser, äh, vielschichtigen Medaille ist, dass dieses Spiegelsystem bei Autisten offenbar versagt. Sieht ein Autist jemand anderen etwas tun, fühlt sich das kein bisschen so an, als täte er das, und weil diese Neuronen auch Absichten und Gefühle spiegeln – was sich natürlich bei gegenseitigem Feedback dann ganz schön hochspiegeln kann -, sind für den Autisten dann andere Leute nichts als Zombies. Or so the story goes.
Mit anderen Worten: die Mirrorneuronen in meinem eigenen Kopf sind der Grund dafür, dass Ihr alle keine Zombies seid. Eat that, Philosophie.
Necks stretched long,
Ruffled feathers sparing me a wary eye
little minds accept the offering,
me moved, yet silent, still.
From above an apparition,
brown, wet, a twitching tail,
drops among them,
– in avian surprise
they scatter and are gone.
Stepping close I lift a finger,
imagine furry warmth,
but seeing this the stranger startles,
and drops the seed, and lifts his tail,
hisses something in a foreign voice,
and flees me for the freezing rain.
In den Eingeweiden des Internet liegt ein scherzhafter Psychotest vergraben, bei dem man für verschiedene soziale Problemstellungen an einer Pissoirzeile die jeweils passende Antwort zu finden hat. Ähnlich schwierig, aber wegen weniger Geschlechtsorgannähe meines Wissens noch nicht originell beleuchtet ist das Problem des Sitzplatzes in der U-Bahn. Haltestangen, andere Passagiere, ihr Geschlecht, ihre Laune, die Einschätzung ihrer Gesprächigkeit, zurückgelassener Müll, Türnähe, Wärmegradienten – das alles schafft eine komplexe Umgebung, durch die Menschen oft in Sekundenbruchteilen zu navigieren verstehen. Bis die Roboterhunde von Sony so weit sind, werden noch viele Pissoirprobleme gelöst werden.
Er setzt sich links neben mich, ans Ende der Sitzbank und lässt einen freien Sitz zwischen uns. Sein Interesse am Brompton umweht ihn in meinem Augenwinkel wie die Körperaura ein Esoterikopfer, und natürlich dauert es nur Sekunden bis zur unvermeidlichen Frage nach dem Preis und der immergleichen Antwort. Nach seiner Auskunft, so eins noch nie gesehen zu haben, lese ich weiter. Er tippt mir über den Sitzgraben hinweg leicht ans Knie. Ich schliesse das Buch.
Seit Jahrzehnten wohnt er in Jersey City, nachdem er als junger Knabe aus East Orange, zehn Meilen westlich von hier, dorthin umgezogen war. Damals hatte er ein Dreigangrad, und als er seine Liebe zu diesem nun wohl in der Vergangenheit versunkenen Relikt erklärt, verklären sich seine Augen ein wenig. Oder vielleicht will ich das auch nur sehen. Einmal sei er mit diesem Dreigangfahrrad über eine der grossen Brücken gefahren. Hinauf habe er es geschoben, über einen engen Seitenstreifen hinweg, aber dann sei er auf der anderen Brückenseite bergab gefahren, wacklig, gefährlich. Die Erinnerung an den Teufelsritt des Knaben spielt wie ein Film in den Falten seines Gesichts, ein Stück damals das jetzt in einer ruhigen, geraden Linie über die Gleise nach Jersey City gezogen wird.
Seit Jahrzehnten gehe er hinter seinem Haus den Hang bergab und dann über die Eisenbahnbrücke in das Sumpfgebiet der Meadowlands hinein zum Angeln. Vor einiger Zeit hat der Sumpf den Besitzer gewechselt, und noch immer gehe er jetzt über die Eisenbahnbrücke dort hinunter, aber die Sicherheitsleute des neuen Inhabers vertrieben ihn, wenn sie ihn sähen. They run me off, sagt er, aber als ich nachfrage, wie man sich das Verscheuchen eines angelnden Rentners aus den Sümpfen Jerseys vorzustellen habe, stellt sich heraus, dass der Aufseher stattdessen sagte, dass er ihn verscheuchen müsse, wenn er ihn sehe, und er also lieber hinter einigen Büschen angeln solle.
Dann stürzt die vom Rad über den leeren Sitz gebaute Brücke ein und der Fischer und der Radler schweigen, bis er aussteigt am Journal Square und ich noch ein wenig weiter fahre.
If I don’t live in Hoboken
It’s not just Lackawanna,
I also couldn’t pay the rent,
And prolly nevaganna.
Eine tiefschwarze Gewitterfront, ein Weltende nähert sich aus dem Inneren Jerseys. Südlich der Bahnlinie öffnet ein Kumulonimbus die Unterbuxe und lässt einen zylindrischen Wasserwirbel auf den Ironbound hängen, gesäumt von Blitzen, die sich sekundenlang in meine Netzhaut brennen: Lösungen für ein Problem der Elektrodynamik, das schon nicht mehr existiert. Jeder dieser Blitze trifft ein Ziel, schlägt irgendwo ein, dort im Ironbound, erst jetzt begreife ich diese simple Gewitterwahrheit, oder denke jedenfalls, dass ich sie erst jetzt begreife. Ich zähle Blitze und lasse es dann wieder.
Die Betonbodenplatten der Tankstelle wurde von Zeit und Ghettoschleudern und Tanklastern verschieden stark in den feuchten Untergrund gedrückt. Die Höhenunterschiede der Plattenkanten sind ausreichend, mein Rad aus der Bahn zu werfen, die Kreuzungspunkte ihrer schwankenden Geometrie markieren einen sicheren Pfad. Ich folge ihm automatisch und ohne hinzusehen, Heimatsumpferde unter den grauen Platten. Ein Jahr.
Über die feuchte Brache hallt später ein Schuss von der Tankstelle her. Halblaute, erregte Stimmen folgen dem Knall, Mitternacht. Ich finde mit geschlossenen Augen meinen Weg um das Warten auf Sirenen oder weitere Schüsse herum, und schlafe ein, eine abgefeuerte Kugel auf dem Weg zur Wand.
Mindestens fünf verschwundene Fische, Inbox leer, die dicke Ratte hat Schlagseite, das Fahrrad einen Platten. Glassplitter im Mantel. Der Ersatzschlauch bekommt ein Loch beim Reparaturversuch, dunkle Russstreifen auf der Hose. Eine zerschmetterte Thermosflasche hinterm Haus, die verspiegelten Glasscherben verstreut zwischen den Sonnenblumenkernen. Raffineriegeruch in der milden Frühsommerluft. Is that your bike, sagt der Briefträger, der die Rechnungen bringt und die Kreditkartenangebote, als ich es für ein paar Sekunden vor der Tür stehen lasse, um Vergessenes zu holen. Ich nicke, erwarte die üblichen Fragen, stattdessen Wouldn’t do that here, they’ll take it in a minute, und geht zum nächsten Haus, ohne Antwort abzuwarten. In Newark dann, beim Strasse überqueren, ruft der stämmige Neger That’s my bike, punk. Ich lache kurz und schimpansoid, Zähne zeigen statt Konfrontation, beweis mir doch, dass ich es nicht wirklich lustig finde, Welt. Weit genug weg von ihm werfe ich dann noch mit Worten, hier nämlich, und lause mir dabei ein bisschen den Kopf. Ich steh doch über Dir, Jersey, Du verpupster Misthaufen aus Dreck.