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Berkeley



Saturday, March 24th, 2007

Heilvorgänge

Wenn man einem Seestern ein Beinchen ausreisst, kann der Seestern, anders als Herr Sumsemann übrigens, sich das Beinchen flink nachwachsen lassen – übrigens ist es aus Sicht des Seesterns ja ein richtiges, grosses Bein und der Diminuitiv nimmt dem Tier das bisschen Würde, das der Schöpfer eingebaut hat, auch noch fort – sich also: das Bein nachwachsen lassen und dann wieder durch die Gegend krabbeln, Schnecken zu knacken oder Muscheln auszulecken.
Andererseits hat aber, so denkt man zumindest, wenn man denken kann, der Seestern nicht viel von seinem nachwachsenden Seesternleben. Schnecken knacken und Muscheln auslecken mögen dem Geistesmüden wie Paradiese simpler Freuden klingen, der Seestern andererseits nimmt all das ja ungefragt hin, und versteht von Moralphilosophie und Differentialrechnung nichts, und es dürfte offensichtlich sein, dass ohne diese beiden man diese sogenannte Existenz eigentlich gar nicht erst anzutreten braucht.
Hat man nun aber einen Körper, dessen Biomasse die Differentialrechnung nicht nur implizit auszuführen, sondern auch explizit symbolisch zu repräsentieren in der Lage ist – mit anderen Worten, hat man bei der Herstellung ein ordentliches Gehirn reingeschraubt bekommen und nicht nur eine Strickleiterattrappe – ist es leider aus mit den nachwachsenden Beinchen. Je komplexer so ein Ding ist, desto weniger wächst ihm nach, was man abschneidet oder kaputthaut. Das ist ein Naturgesetz, das ganz ähnlich wie der Rest der Naturgesetze erst zusammenbricht, wenn man zu sehr an der Massstabsschraube dreht. Staaten beispielsweise können einander die Beinchen abhacken und durch Nachwuchs ersetzen, es scheint ihnen sogar Spass zu machen.
Aber Menschen, Schwertträger oder Barben sind keine Staaten, noch nicht einmal kleine Königreiche sind sie, oder halbautonome Behörden unter einer Dienstaufsicht, sondern ergebene Untertanen des Stofflichen. Und schon deswegen müssen die drei überlebenden Karpfen jetzt genauestens überwacht und gegen die anstürmende Materie verteidigt werden. Die Schwanzflossen sind ausgefranst, das Verhalten zwar fröhlich, aber gedämpft, die Gesamterscheinung hoffnungsreich, aber auch dräuend. Aber wem erzähle ich das?
Im Krankentank unterdessen pickt die Cichlidin Medikamentenbrocken aus dem Kies, um sie jeweils Sekunden später als Nebelwolken wieder aus den Kiemen zu jagen, verwehende Heilmacht, ich sehe es ungern . Ob sie die im weisen Zeug versteckten vergifteten Futterbrocken auch aufisst, ist nicht zu erkennen, dafür aber, dass der Wurm, frech geworden vielleicht, sich weiter als je zuvor aus dem Fisch lehnt, fast einen vollen Zentimeter ragt das Geschmeiss hervor. Fällt er nun endlich ab, wird nun alles gut? Zwanzig Minuten lang beobachte ich das Ding, dann zieht es sich wieder zurück und nur mehr der spitze Kopf lugt raus. Bin also ich selbst, beim Fischbeaufsichtigen, ein Programmpunkt der Wurmunterhaltung? Haben Arschwürmer Augen? Denkt der Parasit über eine Besiedlung meiner Person nach?
Man möchte es lieber nicht wissen.

Friday, March 23rd, 2007

Überholt

Als ich am Montag zum Training humpelte, die paar Meter aus der Realschule (Optometry) ins Gymnasium (Hearst), stand am Himmel über der hinter den Gebäuden unsichtbaren Bay eine Mondschüssel, eine schmale, waagerechte Sichel, und vielleicht fünf Schüsselbreiten drüber, weder blinkend, noch gar hoffnungslos sinkend, der Abendstern. Lügenmedium Kunstlied.
Aus mir nicht zugänglichen Gründen trägt das bevorstehende nahe Treffen von Venus und Mond Bedeutung, es muss der Astro-Instinkt im Reptilienhirn sein, und ich mache mir einen Knoten ins innere Ohr, am Dienstag nochmals nach oben zu sehen, um das Ereignis nicht zu verpassen.
Am Mittwoch fällt mir das wieder ein, als ich erneut humple, diesmal deutlich zu spät fürs Training, weil ich den Zehschmerz jetzt verstehe und weiss, dass der Fuss nicht belastbar ist. Die Mondschüssel steht auf der anderen Seite des Planeten, und was auch immer das Treffen bedeutet haben mag: es ist vorüber.

Friday, March 23rd, 2007

Apfel

Ein wenig westlich der offenen Hügelflanke, auf der einzelne Studenten verteilt liegen wie aus dem Studentenstreuer gemahlen, und dennoch hügelabwärts, liegt in einer Biegung des Strawberry Creek, der die Südhälfte des Campus durchfliesst, ein kleines Mammutwäldchen, vielleicht zehn Stämme, eine Bank, ein Picknicktisch, von denen aus, wenn man sich richtig setzt und den Kopf nicht zu sehr dreht, man einen Moment lang vergessen kann, dass man, und alles, was man sieht, den Regenten der Universität von Kalifornien gehört. Auf der Bank, näher am Wasser, sitzt ein Asiate und hört Musik, die Höhen sickern aus seinen Kopfhörern und vermischen sich mit dem leisen Plätschern des Baches. Auf dem Picknicktisch liegt eine Banane ohne Stiel. Ich setzt mich ans der Banane entgegengesetzte Ende der zum Tisch gehörenden Bank, sehe mir Mammutbaumstämme an und notiere Winkelverhältnisse in ein kleines Buch.
Nach einigen Minuten steht der Asiate auf und geht über die kleine Brücke davon, die Banane und ich bleiben zurück im Geplätscher. Dann gehen mir die Winkel aus, und auch ich stehe auf, schreibe im Vorübergehen „Apple“ auf die Banane und gehe durch die Studentenstreusel schräg hangaufwärts zurück ins Büro.

Wednesday, March 21st, 2007

Ausmerz

Die erste Prüfung nach der Heimkehr am späten Abend gilt dem Barbenkrankenhaus, in dem auf den ersten Blick alles vernünftig und im Lot scheint, es ist geradezu sonderbar. Bei näherer Kontrolle findet sich dann aber doch noch ein toter Fisch, im kleinen Schloss drin, das hier wohl die Rolle eines Elefantenfriedhofes spielen will. Es wäre sonst auch zu Dings gewesen, zu, na, wisst schon. Noch drei.
Es schweift nun der Blick des Wiedergekommenen, also mein eigener Blick, in einem hoffnungsfrohen Bogen auf die Kinderstube hin – herrje, was ein geschraubter Quatsch, ich guck mir halt das Aquarium an, dazu steht es ja da. Was dagegen, Zaungast? Will ich auch nicht gehofft haben. Ja.
Aber Kinderstube kann man das andererseits schon kaum mehr nennen, nein, Kinderstube wäre entschieden in diesem Moment das ganz und gar falsche Wort. Dieses kleine semantische Beben ereignete sich aber nicht durch Heranwachsen der Jungfische, durch Jungfischpubertät und Unabhängiggewordensein, durch Poster von Fischen in sexuell gewagten Posen an den Wänden und Substanzen in geheimen Dosen unter dem Fischbett, sondern im Gegenteil durch das fast vollzählige Verschwinden der Brut aus dem Weltzusammenhang. Es scheint schwer zu glauben, aber von den knapp dreissig kleinen Fischen sind tatsächlich noch mit dem Finger draufzeige, zähle, sage und schreibe fünf übrig.
Fünf! Die unbeeindruckt von den über ihren Häuptern schwebenden Trägerschwertern sich in der Vegetation tummeln. Hat also die Hemmung der Elterntiere nach nur einem kurzen, verstrichenen Tag ihr Ende erreicht, und ein kannibalistischer Furor kam über die sonst so friedlichen Tiere? Oder hat vielleicht die Cichlidin, im Diktat des Arschwurms stehend, sich über die hilflosen Fischlein hergemacht und sie mit Mann und Maus abgeweidet, um dem Wurmdämon neue Substanz zuzuführen? Die Hunde und Ottos, soviel ist nahezu sicher, sind des Fischmordes unverdächtig, und auch dem Schneck ist wohl ein Persilschein auszustellen. Er traut sich noch immer nicht aus seiner Dose und wird wohl vor Kummer vergehen, wenn kein Wunder geschieht. Und überdies kommen Killerschnecken nur in der Literatur vor. Die beiden anderen kleinen Schnecken, die wohl aus Eiern herausgeschlüpft sein müssen, und sich hin und wieder öffentlich irgendwohin setzen, sind zwar der Untat nicht völlig unverdächtig, aber zur Fischjagd vermutlich doch zu langsam.
Nein, es werden schon die Eltern gewesen sein, die die versehentliche Geburt in Windeseile wieder rückgängig machten, vierzig blühende Leben, Karrieren, Hoffnungen und Träume, zerstört und zernagt. Fischsaupack.
Die verbleibenden fünf, die Besten, oder immerhin jedenfalls Ungefressensten ihrer Generation, dürfen zum Trost jetzt im Schwimmgefängnis in Isolationshaft und also sicher vor hungrigen Mäulern, heranwachsen.
Wenn sies denn überhaupt packen sollten.

Tuesday, March 20th, 2007

Vormerz

Die zweite Überraschung, gleich nach der Ankunft des vielköpfigen Kindergartens, ist seine fortgesetzte Anwesenheit nach vollen zwölf Stunden in der Fischhölle. Zwar scheint es, als sei die Zahl ein wenig von geschätzt vierzig auf vielleicht dreissig eingeschnurrt, aber in dem Gewimmel ist das ein bisschen schwer zu sagen. Leichter fällt die Zählerei bei den Barben nebenan, da sind es nämlich noch vier. Toter Fisch raus, Tablette rein, ein Kommen und Gehen, ein Nehmen und Geben.
Aber zurück zu den winzigen Kinderfischen mit den grossen Augen. Wenn man genau hinsieht, kann man sehen wie die Miniaturtiere Miniaturkrümel oder Algenreste oder auch einfach nur Wasser in ihre Miniaturmünder saugen. Manchmal sind die Krümel zu gross, dann geschieht ein winziger Auffahrunfall, der Asteroid klebt einen Moment lang vorne am Fisch und wird dann einige Millimeter weit weggespuckt. Vielleicht leckt in diesen Augenblicken der Miniaturfisch Salz vom Brocken, oder Schleim, oder Grind. Es ist zauberhaft.
Noch immer stehen die Jungfische in zwei Herden im Becken, und ich frage mich, ob das vielleicht damit zu tun hat, dass beide Mütter zugleich geworfen haben, und jetzt also zwei genetisch unterschiedliche Jugengandgs zum Face Off angetreten sind, die Eastside gegen die Westside, und irgendwann Schlägereien winziger Fische anstehen.
Vorerst aber wedeln sie nur mit den winzigen Seitenflossen planlos durch die Gegend, schwimmen ein bisschen hierhin und dorthin, nehmen alles, was vorbeischwimmt und klein genug ist, in den Mund. An dieser millimetergrossen Niedlichkeit wird es wohl liegen, dass die Eltern nicht über ihre Brut hergefallen sind wie Japantouristen über ein Sushibuffet. Es haben die Fische, allem äusseren Anschein zum Trotz, wohl eben doch ein Herz aus Gold und sind im Kern gute Menschen.

Monday, March 19th, 2007

Das Wunder des Lebens

Im Hauptbecken ist zu dieser gottlosen Morgenstunde noch kein Licht, nur undeutlich sieht man darum, dass alle Fische sich noch in ihren Nachtecken verstecken. Obenauf schwimmen zwei welke Blätter, die ich mit spitzen Fingern herausfische, und hastunichtgesehen zuckt es als wie ein lebendes, kleines Komma vor meiner Hand davon. Was aber, Freunde, war das? Vielleicht zwei Millimeter lang, rötlich schimmernd, wieselflink. Es wird doch nicht der verfluchte Wurm ein Schwimmstadium erreicht haben und nun vollends übers Aquarium herfallen wollen?
Aber dann gucke ich in eine der Beckenecken, und da stehen sie, still und hoffnungsvoll wie Stubenküken oder Mastkälber, wohl zwanzig winzige Schwertträgerfische, die über Nacht aus ihrem Muttergefängnis entkommen sind. Drei Millimeter lang, halb durchsichtig, halb schon orangegetönt wie die Eltern, mit zwei winzigen Augen, die neugierig hierhin und dorthin spähen – ein Vorteil der Kurzsichtigkeit ist die sozusagen ins Gesicht eingebaute Lupe, die einen dergleichen aus nächster Nähe sehen lässt. Jetzt endlich gibt die Ankündigung Patricks, die Fische produzierten pro Monat so an die 40 Nachkommen, einen greifbaren Sinn. Nicht über den Monat hinweg meinte der Fischmeister, sondern je auf einen Satz. Und wirklich stehen ja in der gegenüberliegenden Ecke weitere zwanzig winzige Fische und wissen nicht, was das Leben soll. Herrje.
Mal sehen, wieviele heute abend noch da sind. Die Schwertträger fressen nämlich – Überraschung – ihre Kinder.

Monday, March 19th, 2007

Todesmelodie

Bis zum Abend hat eine weitere Barbe den Eimer gekickt und besieht sich die Wasserradieschen von oben. Noch sechs.
Eine weitere Medizintablette wird reingeworfen, Futter obendrein, aber es fühlt sich an und sieht aus nicht wie ein Heilvorgang, sondern wie eine Massenhinrichtung. Selbst wenn einige wenige Barben dieses Massaker überstehen werden, sieht die Zukunft finster aus. Barben sind Herdentiere, aber nach den bisherigen Erfahrungen ist mein Interesse an einer neuen Barbenherde gering. Robuste Anfängerfische sind das angeblich, und was das über mich aussagt, muss ich mir wohl nicht erklären. Ich denke ja mit, während ich schreibe.
Im anderen Becken ist unterdessen Kristallklarheit eingekehrt. Noch immer trübt keine Alge das Wässerchen, und die verbliebenen Fische huschen munter durch die Fluten. Natürlich hat die Cichlidin immer noch ihre Wurmbesatzung im rückwärtigen Cockpit sitzen, aber das ist letztlich auch kein Wunder, das dumme Tier frisst ja allerhand Grünzeug statt der giftigen Futterlieferung, die ich blind hoffend noch immer über ihr ablade. Die Schwertträger spachteln es gern in sich rein.
Bei der staunenden Inspektion der neuen Wasserklarheit entdecke ich dann aber doch noch einen weiteren toten Fisch, abgestumpft und blöd nehme ich es nur mehr zur Kenntnis. Der kleinste der drei Hunde war von vorneherein nicht gesund, die Flossen kahl, schlug sich wacker und versuchte, mit seinen doppelt so grossen Artgenossen mitzuhalten, musste aber letztlich einsehen, dass es keinen Sinn hatte. Weil Hunde am Boden leben, leben auch tote Hunde am Boden, und man sieht sie beinahe nicht. Nun aber ab aufs Brettchen, Hund.
Es schwinden die Fische wie Butter auf Toast, der frisch noch aus dem Ofen kam, dahin.
Am nächsten Morgen dann hat es wiederum eine Barbe erwischt, eine richtige muntere kleine Todesfabrik betreibe ich da in unserem Wohnzimmer. Vielleicht brauche ich bald mal eine schneidige Uniform. Noch fünf.

Friday, March 16th, 2007

Algenpest

Vorerst und unter selbstverständlich Irrtumsvorbehalt ist die Antwort leider offensichtlich. Eine der beiden Kriegsparteien kniet mit betroffener Miene vor dem Becken und starrt einer Fischfrau hinten drauf, kratzt sich am Kinn und ratlos am Kopf, während die andere in aller Ruhe Blut saugt und hin und wieder den Spitzkopf aus dem Versteck reckt. Ich denke dann jedesmal, Jetzt!, Ha!, Erwischt!, einmal kam das rote Ding einen halben Zentimeter weit aus dem selbst nicht sonderlich langen Fisch, und ich war mir also sicher, der Obszönität jetzt aber endlich chemisch das Lebenslicht ausgepustet zu haben. Aber so rasch der Wurm heraus gekommen war, so flugs verschwand er auch wieder im Fischdunkel. Vermutlich hatte er sich verlaufen.
Ist also der Wurm unbesiegbar? Die kurze Ernüchterung, die diesem Gedanken folgt, macht meine Augen übers Aquarium hinschweifen, und ein kühler Schrecken rinnt mir den Rücken hinab, denn kein anderer Fisch ist mehr zu sehen. Genaugenommen ist auch keine Pflanze mehr zu sehen, und die Rückwand schon zwomal nicht, denn das Becken ist voll von einer trüben, grünlichen Brühe, organische Partikel treiben dicht darin, kleine Algenstädte und Algen-U-Boote tummeln sich, vielleicht findet eine Algenkonferenz statt irgendwo in dem Gewirbel, Algenliebe, Algenzorn, wer kann es wissen. Es ist eine Algenbevölkerungsexplosion im Gang, 7 Billionen Algen wohnen auf engstem Raum, das kann ja nicht gutgehen.
Algen werden angeblich von Pflanzen „locker ausgebremst“ (Aquaristenfachsprache), weil Pflanzen einen Evolutionsvorteil besitzen und Nährstoffe schneller und gründlicher aus dem Wasser klauben als die niedrigen und dummen Algen mit ihren fliehenden Stirnen (zwei pro Alge). Das sagt jedenfalls die Theorie, in der Praxis ist es wieder mal umgekehrt, nämlich zwicken die Algen vom Lichtstrom sich ein beträchtliches Scherflein ab, für ihre eigenen Photosynthesezwecke, und die Pflanzen können sehen, wo sie bleiben: im Dunkeln nämlich. Das mag paradox scheinen, weil auch Pflanzen ja im Dunkeln überhaupt nicht sehen können, und also auch nicht sehen können, wo sie bleiben, sondern nur Schwärze, aber das ist ja auch genau, wo sie bleiben, und so rum stimmts dann wieder.
Um diesen schlimmen Kreislauf zu brechen, müssen wohl die algennährenden Nährstoffe stofflich entzogen werden, zusammen mit dem Gros der Algenpopulation am Besten. Es sind also, mit anderen Worten, Wasserwechsel knallhart durchzuziehen. In den Eimer, den ich dafür angeschafft habe, passen 24 Liter Wasser, denn er ist ein grosser Eimer. Zweimal fülle ich ihn aus dem Aquarium mit grüner Suppe, giesse dann kristallklares Frischwasser zurück ins Becken, und am Ende sieht man tatsächlich wieder was.
Und was sieht man da? Die Barben sind krank.
Zefix.

Thursday, March 15th, 2007

Fallender Trieb

Der grosse Baum vor der Mammutwand, ungefähr halb so hoch wie die Spitzen der höchsten Sequoien, und ungefähr hochgewachsen bis auf meine Augenhöhe, hier im fünften Stock eines Hauses, dessen Keller erster Stock heisst, hat eine beinahe schmerzhaft triebgrüne Farbe. Ich denke über Statistik nach und starre ins grüne Blattgewimmel, aus dem dann unten ein Trieb heraus und auf den Asphalt fällt. Dort liegen schon ungefähr ein Dutzend andere, und während ich die Quadratfehlersumme durch die Freiheitsgrade dividiere, sehe ich einen Ast vibrieren und braunes Fell durchs dichte Grün.

Thursday, March 15th, 2007

Rebarbarisierung

Wenn die Gebäudesubstanz und die tragenden Balken, von Termiten benagt und vom Moder gebeutelt, zu einem pulvrigen Schleim zerrührt von unten ins Fundament sickern, und von ihrer Feuchtigkeit dann die Kellerwände schimmeln, dann ist es Zeit für einen neuen Anstrich der Fassade und ein paar hübsche Topfpflanzen auf dem Fensterbrett. Was sonst sollen wohl die Nachbarn denken?
Diese atavistische Vortäuschung eines Gedankens, der die Menschen auch die Schere aus Kreditkartenschulden und Repräsentationsautomobil verdanken, bringt mich nun dazu, dem wurmgezwackten Becken statt einer gründlichen Heilung erstmal ein paar neue blitzblanke Fische zu spendieren. Ist das klug? Ist es Verhalten bestimmt vom Mitgefühl mit der Kreatur? Oder närrische Brechstangenreparatur, Ducktapegefummel am brechenden Damm?
Worum es sich auch handelt, eingekauft werden nun zwei neue Barben, die schwindende Herde zu ergänzen, ein Clownspleco, der aber in Wahrheit gar nicht wie ein Clown, sondern mehr wie ein kleiner Leopardenhai aussieht, und ein Schneck, der die unter dem heftigen Lichtgespratzel übel wuchernden Algen in die Schranken weisen soll.
Des weiteren aber kaufe ich, wo ich grade dabei bin, auch noch antiparasitäre Brausetabletten und parasitenfeindliche Futterkrümel.
Der Pleco fühlt sich gleich sehr zuhause bei uns, die Barben aber stehen schräg im Wasser und zappeln unruhig mit den Barbenkörpern, während der Schneck unten die Fühler kurz aus dem Haus streckte, und dann sofort von der Cichlidin attackiert wurde. Jedesmal, wenn das Weichtier jetzt seine harte Schale öffnet, fährt die Fischfrau wie eine Furie hinein und zwackt den Schneck, bis er sich am Ende, verständlicherweise, nicht mehr heraustraut. Die Verschönerung des Krisengebietes, mit anderen Worten, war ein Dreiviertelschlag ins Wasser.
Drei Brausetabletten sprudeln jetzt auch in der Tiefe zwischen den Pflanzen, je eine pro 10 Gallonen, und obenauf schwimmen die vergifteten Futterbrocken. Es herrscht nun also Krieg zwischen mir und dem Wurm. Mal sehen, wer gewinnt.