Vorerst und unter selbstverständlich Irrtumsvorbehalt ist die Antwort leider offensichtlich. Eine der beiden Kriegsparteien kniet mit betroffener Miene vor dem Becken und starrt einer Fischfrau hinten drauf, kratzt sich am Kinn und ratlos am Kopf, während die andere in aller Ruhe Blut saugt und hin und wieder den Spitzkopf aus dem Versteck reckt. Ich denke dann jedesmal, Jetzt!, Ha!, Erwischt!, einmal kam das rote Ding einen halben Zentimeter weit aus dem selbst nicht sonderlich langen Fisch, und ich war mir also sicher, der Obszönität jetzt aber endlich chemisch das Lebenslicht ausgepustet zu haben. Aber so rasch der Wurm heraus gekommen war, so flugs verschwand er auch wieder im Fischdunkel. Vermutlich hatte er sich verlaufen.
Ist also der Wurm unbesiegbar? Die kurze Ernüchterung, die diesem Gedanken folgt, macht meine Augen übers Aquarium hinschweifen, und ein kühler Schrecken rinnt mir den Rücken hinab, denn kein anderer Fisch ist mehr zu sehen. Genaugenommen ist auch keine Pflanze mehr zu sehen, und die Rückwand schon zwomal nicht, denn das Becken ist voll von einer trüben, grünlichen Brühe, organische Partikel treiben dicht darin, kleine Algenstädte und Algen-U-Boote tummeln sich, vielleicht findet eine Algenkonferenz statt irgendwo in dem Gewirbel, Algenliebe, Algenzorn, wer kann es wissen. Es ist eine Algenbevölkerungsexplosion im Gang, 7 Billionen Algen wohnen auf engstem Raum, das kann ja nicht gutgehen.
Algen werden angeblich von Pflanzen „locker ausgebremst“ (Aquaristenfachsprache), weil Pflanzen einen Evolutionsvorteil besitzen und Nährstoffe schneller und gründlicher aus dem Wasser klauben als die niedrigen und dummen Algen mit ihren fliehenden Stirnen (zwei pro Alge). Das sagt jedenfalls die Theorie, in der Praxis ist es wieder mal umgekehrt, nämlich zwicken die Algen vom Lichtstrom sich ein beträchtliches Scherflein ab, für ihre eigenen Photosynthesezwecke, und die Pflanzen können sehen, wo sie bleiben: im Dunkeln nämlich. Das mag paradox scheinen, weil auch Pflanzen ja im Dunkeln überhaupt nicht sehen können, und also auch nicht sehen können, wo sie bleiben, sondern nur Schwärze, aber das ist ja auch genau, wo sie bleiben, und so rum stimmts dann wieder.
Um diesen schlimmen Kreislauf zu brechen, müssen wohl die algennährenden Nährstoffe stofflich entzogen werden, zusammen mit dem Gros der Algenpopulation am Besten. Es sind also, mit anderen Worten, Wasserwechsel knallhart durchzuziehen. In den Eimer, den ich dafür angeschafft habe, passen 24 Liter Wasser, denn er ist ein grosser Eimer. Zweimal fülle ich ihn aus dem Aquarium mit grüner Suppe, giesse dann kristallklares Frischwasser zurück ins Becken, und am Ende sieht man tatsächlich wieder was.
Und was sieht man da? Die Barben sind krank.
Zefix.
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