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Miniaturen



Thursday, December 7th, 2006

Nager

Aus dem Fenster sehe ich den glatzköpfigen Nachbarn bei den Pflanztrögen sitzen, er telefoniert, während zwischen seinen Beinen ein Eichhörnchen nach Nüssen sucht, der gespielte Witz, der aus dem Wortspiel folgte, entfaltet sich vor meinem inneren Auge, während vor meinem äusseren der Nachbar aufsteht und das Hörnchen, winterfett und plüschig, unter dem Stuhl abwandert. Ich wandere auch ab, spät genug.
Die tote Ratte vor dem Apartment im ersten Stock ist verschwunden, dafür liegt eine vor dem Ausgang des Treppenhauses im Erdgeschoss, einen kleinen Blutfleck neben sich wie als Begründung. Der im ersten Stock fehlte der Kopf, Katzenwerk, aber diese hier sieht fast unversehrt aus.
Mein Rad liegt schräg über einem Dachständer im Fahrradkäfig, ich öffne das Schloss, und als aufblicke, sehe ich eine dritte tote Ratte mitten auf dem sonnigen Hof. „What the fuck“ sage ich wie ein einheimischer Rohrputzer.
Das Tier sieht unversehrt aus, nicht krank, aber auch nicht erlegt, und ich halte respektvollen Abstand.

Thursday, December 7th, 2006

Säuredrift

Die sieben Fische tummeln sich wie beinahe nur Fische sich tummeln können, nämlich in allen drei Dimensionen, unter Wasser und mit konstant leicht bescheuertem Gesichtsausdruck. Der Fisch kann nichts dafür, aber die Notwendigkeit zum ständigen Öffnen und Schliessen des Mundes hat ihn zu Recht zum Gespött der höher entwickelten Nasenatmer gemacht. Obwohl auch manche Fische ja riesige Nasen zu haben scheinen, das ist aber eine Illusion. Es handelt sich lediglich um Fischgewebe in Nasenform.
Die Sumatrabarben sind im Grunde lustige Gesellen, und damit meine ich, dass sie einander wechselseitig ununterbrochen durch die Gegend scheuchen, vermutlich um eine Hierarchie auszuwürfeln. Das Ergebnis ist unsichtbar, denn die Fische sind ein bisschen schwer auseinanderzuhalten, die grünen kann man zwar immerhin nach Grösse sortieren, Tall, Large und Grande zu Beispiel könnte man sie nennen, aber Namen halten leider nicht an Fischen, wegen der Schleimschicht, und das Gesindel saust anonym. Die gestreiften vier, andererseits, sehen alle komplett gleich aus, Klone eines einzigen Daltonbruders, nur einer hat einen kleinen schwarzen Fleck an der Seite, zwischen zwei Streifen. Aus dem kann noch mal was werden. Die anderen drei hingegen sind tumber Fischmob, Hooligans, die einander auf die Nasenartigen hauen. Da, schon wieder.
Täglich messe ich jetzt brav den Säurepegel, sowie Nitritraten und Nitratraten, weil die Worte so lustig sind. Die beiden mit N sind nicht weiter schwer, man hält nur ein Stück Plastik ins Wasser und liest nach ein paar Sekunden die Farbe ab, und weil bislang weder Nitrit noch Nitrat im Wasser sind, bleibt der Streifen makellos weiss. Beziehungsweise makellos bioeierschal, also mit so einem winzigen Brauntönchen.
Anders die Säuremessung. 5 Millilililiter [sic?] müssen aus dem Becken gezogen und in einem Glaszilynder [saec?] deponiert werden, dann drei Tropfen Titrationslösung draufträufeln, und schon bildet sich eine Farbe im Zylinder [soc!]. Die Farbe entspricht einer Zahl, die Zahl einem Wort, das Wort einer Konzentration, die Konzentration einer Anzahl von kleinen Krümeln und die kleinen Krümel einer Säure, eine semiotische oder semantische oder seminautische Kette, die zuletzt von „hellblau“ zu „kerngesund“ führt.
Oder jedenfalls führen sollte. Kaum messe ich mal einen Tag lang nicht, aus Fischmüdigkeit, schon ist der Zylinder gelb statt blau, und die Skala zu nichts mehr zu gebrauchen, weil gelb an ihrem unteren Ende steht, und also auch Königswasser gelb angezeigt würde, physiologisch und demokratisch korrekt.
Ich wechsle Wasser im Becken, bis der Zylinder zurück auf blau rotiert, und rechne mir am Ende aus, dass das Becken wieder weit in die Todeszone gedriftet war. So gehts doch nicht weiter.

Wednesday, December 6th, 2006

Dude

Während ich den selbstgestrickten Schal doppelt um den Hals geschlungen mich am rechten Strassenrand, in T-Shirt, Hemd und Winterjacke dennoch ein wenig fröstelnd, den Berg hinauftrete, saust er, in diagonalen Bremslinien, aber trotzdem schneller, als mir lieb wäre, wäre ich er, bergab, die welligen langen Haare wehen, im T-Shirt auf dem Skateboard und am Telefon, entgegen der Einbahnstrasse.
Ich warte auf Bremsgeräusche von hinten, aber’s bremst nicht, bremst nicht, bremst nicht.

Tuesday, December 5th, 2006

Fischwunder

Sumatrabarben nun also. Winzige Karpfen, mit anderen Worten, zwei gestreift, zwei Melanisten, deren Schuppen aus Überzeugung mal blau schimmern, mal grün, und mal gräulich, je nachdem, wie. Sie schwimmen auch einen Tag später noch munter durch die Gegend, und der frühmorgens eilig durchgezogene Wassertest zeigt Säurewerte im grünen Bereich. Das Attraktive an Hobby ist ja glaube ich, dass man so unglaublich klug daherreden kann, wenn man eins hat, darum habe ich das immer gehasst, und darum habe ich jetzt vermutlich eins. Obwohl ich mir das längst noch nicht eingestehe.
Nitrinella und Nitrierchen heissen im Wortlaut, das habe ich jetzt kürzlich aus der Tagespresse erfahren, Nitrosomone und Nitrospira, die einen machen Nitrit, die anderen räumen es wieder weg, und wenn die beiden nicht anwesend sind, macht eben jemand anders den Job, aber viel schlechter. Organischer Zerfall in einem nicht komplett eingewohnten Aquarium, belehrt mich die Tagespresse, kann zu allen möglichen Unfällen führen, besonders aber in wenig alkalogepuffertem Wasser eben auch zu wilden Schwankungen des pH-Wertes. Ich begreife das zwar immer noch nicht recht, nehme aber zur Kenntnis, und so in Wissen und Wirkungsmacht gestärkt macht die Kapazität unseres Aquariums natürlich gleich einen fühlbaren Sprung, und es müssen also noch drei Barben her, eh die anderen vier sich eingewohnt haben oder verwelkt sind.
Heute ist Sonntag, deshalb hat der Fischmann frei und kann seinen Mundgeruch spazierenführen, während der Fischmannneffe im Laden stehen muss und Fische verkaufen. Mut- und spannungslos, fast schon defätitstisch, rührt er jetzt mit seinem Netz im Becken, die Fische gehen freundlich immer genau da hin, wo das Netz nicht ist, vermutlich, weil sie denken, dass er Platz braucht. Für mich als Käufer sieht das etwas vertrackt aus, weil der Fisch ja im Netz drin sein muss, damit er als gefangen gelten kann, aber überraschenderweise ist es für den Neffen offenbar ganz genauso vertrackt, denn er rührt wohl zehn Minuten lang unter Ausstossen gelegentlicher milder Seufzer, im Wasser rum. Dabei wird er natürlich auch, seinem Alter entsprechend, zunehmend ungeduldiger und hektischer, die Fische lassen sich nicht lumpen und ziehen nach, und bald ist ein respektables Duell zwischen Neffe und Geschöpfen im Gang, peitschend schnellt das Netz durchs Wasser, panisch wiederum saust der Fisch. Ich stelle mich auf Fischmus in Tüten ein, aber dann geschieht doch noch eine wundersame Fischverminderung im Becken und er schnappt sich zwei gestreifte und einen Melanisten. Halleluja, selig die Fischfänger.
Zu Hause bange Sekunden: wird den neuen das Pausenbrot gestohlen werden? Werden Sie rumgeschubst? Schwer zu sagen, leider, dann kaum sind sie frei, kann man sie von den anderen vier schon nicht mehr unterscheiden.
Sieben Fische sollt Ihr sein. Und seid Ihr jetzt ja auch. Tollo.

Tuesday, December 5th, 2006

Gesundheit

Aus einer U-Bahn-Station in der Innenstadt von San Francisco zu kommen ist für Landeier aus Berkeley etwas Besonderes, die Aufwärtsbewegung auf der Roll- oder der Steintreppe setzt sich in den angrenzenden Hochhäusern weit in den Himmel hinein fort und schafft sofort direktes Wohlbefinden; anders als der organische Bodensatz aus Menschen und Schicksalen mit seinen Grautönen.
Jetzt gehe ich den Weg umgekehrt, die Banktürme bleiben zurück. Die Säulen auf der Eingangsetage sind sämtlich mit Mammutbaumrindenpostern beklebt, eine Waldattrappe. Unten auf dem Bahnsteig dann hängen dort wo sonst Medien und Konzerne bunt um Aufmerksamkeit buhlen, grosse, leere Plakate, drei in Folge, auf dem vierten dann „We thought you could use a break“. Die ganze Station ist für diese schlichte Kampagne aus Botschaften angemietet, Aquarien senken den Blutdruck, Optimismus verringert Alterskrankheiten, Lachen stärkt das Immunsystem, in simplem Blau und Grün. Die Fürsorge der Krankenkasse, die diese Kampagne in Auftrag gegeben hat, überwältigt mich, und weinend stehe ich auf dem Bahnsteig, eine offene Wunde in der Grossstadt.

Friday, December 1st, 2006

Saures geben

Als wir wiederkommen, liegen ein Tetra und eine Barbe tot in der Suppe, und die beiden anderen Barben kränkeln waidwund durch die Gegend. Ein infernalischer Fischfuror formt sich in meiner Brust, ein Zorn auf den Gott, der das zulässt, und, noch vage und ungerichtet, auch auf mich, denn ich habe einen nagenden Verdacht, nicht ganz unschuldig am Desaster zu sein. Wenn ich auch nicht recht sagen könnte, woran es denn vermaledeiten Fischen mangeln könnte.
Die beiden kranken Barben werden aus dem Becken in die bewährte Tupperdose verpflanzt, gehen aber natürlich trotzdem über Nacht von uns und ein.
Nur beim Angeln vielleicht gehen Fische schneller kaputt als in unserem Aquarium. Wenn ich’s absichtlich täte, werweiss, wäre sogar ein schönes Preisgeld drin in einem Wettbewerb des amerikanischen Schnellfischtöterverbandes.
Aber ich bin gar kein Mitglied in einem solchen Verband. Vielleicht gibt es ihn gar nicht. Obendrein verspricht eine der grossen hiesigen Krankenkassen grade auf Plakaten eine Senkung des Blutdrucks durch Fischbetrachtung, und ich habe zwar nicht angerufen, vermute aber durchaus, dass weder Fischstäbchen noch Heringsbrötchen, noch selbst ermordete Zierfische denselben Effekt auf den menschlichen Blutkreislauf haben.
Es muss nun also endgültig, und letztlich ja viel zu spät, ernst werden. Ich lese mich also in die Biologie und Chemie eines Aquariums ein, es ist ganz erstaunlich, um wieviele Schraubendrehungen komplizierter selbst klares Wasser ist, als man sich das denkt. Um mein neues Wissen auf die Probe zu stellen, halte ich ein Indikatorstäbchen ins Wasser, und beobachte staunend, und auch ein bisschen schaudernd, wie sich der pH-Anzeiger ins Tiefsaure verschiebt, weit jenseits der Totenköpfe auf der mitgelieferten Skala.
Die vier Fische also wurden weniger in ein neues Zuhause verbracht, als vielmehr in einem rechteckigen Gurkenglas über einige Stunden hinweg sauer eingelegt. Ich bezweifle, dass die Mitarbeiter bei Hengstenberg in Esslingen sich ihrer Gurken wegen ähnlich schlecht fühlen wie ich jetzt, aber wer weiss. Es sind ja auch nur Menschen.

Friday, December 1st, 2006

Blinksabbiegen

Ich rolle, auf das Zwacken in meiner Bauchgegend konzentriert, und darauf, ob es von den heilenden Wunden oder den rückspriesenden Haaren in der kahlgeschlagenen Region direkt unterhalb des Nabels zurückgeht, auf die Kreuzung zu, links von mir wie immer einer der monströsen Panzer der Eingeborenen. Die Ampel schaltet auf grün, im letzten Moment wird mir klar, dass der Panzer, der natürlich während des Wartens nicht blinkte und auch jetzt nicht blinkt, rechts abbiegen wird und ich ihm im Weg bin dabei, und ich bremse, während schon die Vorderräder der Maschine einschlagen und bleibe zurück.
Zwei Blocks weit dauert mein Ärger, dann habe ich ihn in das generelle Gefühl transformiert, dass moderner Verkehr den Menschen überfordere, weil ja vermutlich niemand seinen Nächsten, oder Übernächsten, plattwalzen will, sondern ihm mit Rücksicht begegnen; das Zwacken kommt vom Haarwuchs und alles ist also in Ordnung, die nächste Ampel grünt, ich biege hier links ab, kein Problem, der Gegenverkehr nämlich auch, und erst als ich die Kreuzung schon verlasse, fällt mir auf, dass der Gegenverkehr nicht anfuhr, weil ich nicht den Arm rausgehalten habe, und er also dachte, ich führe gradeaus, der Gegenverkehr. Der Gute.

Thursday, November 30th, 2006

Schock

Es geistert durch das Online ein Gerücht, dass nämlich Fische des Lernens nicht mächtig seien, und es, das Lernen, auch nicht vom Menschen lernen könnten, Catch 22, quasi. Das stimmt aber, wie die meisten Dinge, an die jemand glaubt, natürlich nicht. Zuerst nämlich schauen unsere neuen Fische sich ratlos an, als wir den Beutel ins klare, jungfräuliche Wasser hängen, dann, als wir nach und nach Aquarienwasser in die Tüte geben, werden sie zunehmend zutraulicher, und als wir sie dann schliesslich, nach behutsamer Wasserangleichung, in ihr neues Wohnzimmer mitten in unserem Wohnzimmer entlassen, haben sie sich praktisch schon eingelebt und nehmen wie selbstverständlich den ganzen Ramsch in Besitz. Und dergleichen Eingewöhnung will doch schliesslich gelernt sein.
Just in diesem Moment kommen Freunde zu Besuch und hinterlassen Kinokarten für uns und andere Freunde für heute abend, was die Fische zwar nicht weiter interessiert, umgekehrt aber schon. Nach mehrfachen Entzückenslauten freunderseits geht der Besuch dann zuende, und kaum sind sie zur Türe wieder draussen, sause ich zurück, um die neuen Fische noch einmal ordentlich anzubewundern, vor dem Kino.
Und.
Was.
Muss.
Ich.
Da.
Sehen.
Weisse Punkte. Auf den Augen des Tetras, der auch schon, seien wir ehrlich, ein wenig rat- und beinahe lustlos daherpaddelt. Leer starre ich ins Becken. Keine Stunde ist es her, dass wir die Fische hier reinsetzten. Wenn es sich hier um Parasiten handelt, folgere ich messerscharf, dann kommen sie wohl aus dem Andromedanebel, und die gesamte Menschheit ist rettungslos verloren. Kamen nicht die Körperfresser des Sutherland’schen Remakes hier aus der Gegend?
Sind aber keine Parasiten aus dem Weltraum im Spiele, dann stimmt ganz sicherlich und ohne Zweifel mit unserem Aquarium etwas sehr Ernstes nicht.
Andererseits lebten die Goldfische Wochenlang nach dem Auftauchen der weissen Punkte, und womöglich sind weisse Punkte auf Fischaugen ja auch nur ein Zeichen von Stress, wie es das Einwohnen einer neuen Bude und das Umgetopftwerden in neue Brühe ja sicherlich vorstellt.
Zudem rückt der Kinobesuchstermin näher, und wir wissen ohnehin weder Rat noch Hilfe, lassen die Fische also im Becken zurück und gehen, uns einen Kampfkunstfilm anzuschaun.

Thursday, November 30th, 2006

In die Tropen

Wie junge Katzen um vögelnde Menschen schleichen wir um das Riesenbecken in der Medienzentrale. An den Wänden Dutzende bunter Fernseher, auf denen hochauflösend Fischliveübertragungen zu sehen sind, ein virtueller Fischmarkt. Mit dem ausgestreckten Zeigefinger klickt man den gewünschten Fisch an, und der mufflige und ein bisschen riechende Aquarist – nicht der Fisch-Fascho, denn der hat keine vernünftigen Goldfische, und auf Goldfische sind wir aus, als wir den Laden betreten – lädt die gewünschten Tiere dann erst in ein Netz hinein, und dann aus dem Netz in einen Beutel runter, den Beutel trägt man dann nach Hause und schon kann man die Fische installieren. Praktisch, so ein Netz.
Aber das Überangebot an Fischware lähmt uns komplett, wie in einer sanften Strömung driften wir immer im Kreis um das Schauaquarium, an den ganzen kleinen Bildschirmen vorbei, und werden immer ratloser. Nur wenige der Fernseher zeigen eine Kaltwasserwelt, und was da drin wohnt sieht im Vergleich mit der bunten Tropenwelt karg und undekoriert aus. Aus einem Kaltwasser- ein Warmwasserbecken herzustellen, so erfahren wir auf vorsichtige Nachfrage, sei ganz leicht, man müsse nur seinen Heizstab in der Feuchte versenken, und schon sei der Grund bereitet für Haltung und Zucht des bunten Tropentiers.
Jetzt wird uns freilich ganz schwidnligh, Verzeihung, schwindlig, denn nun stehen uns ja alle Fernseher offen wie weiland Magellan die Nordwestpassage, oder jedenfalls so ähnlich. Barben und Tetras in allen Formen und Farben locken schamlos, und andere Fische mit ganz unaussprechlichen Namen. In einer Ecke lauern ein paar Piranhaartige die geschätzt so gross sind wie unser ganzes Becken und also vermutlich in kürzester Zeit auf Quaderform anwachsen würden und dann auf dem japanischen Markt sicherlich, aber ich schweife ab.
Welche Fische also sollen wir wählen? Schliesslich fasse ich mir ein Herz, nehme meinen Zeigefinger zur Hand und richte ihn rigoros und sehr bestimmt auf Caroline. „Such Du aus“, sage ich. Problem gelöst.
Minuten später tragen wir einen riesigen, mindestens fünf Zentimeter langen Tetrafisch und drei Sumatrabarben nach Hause, sowie einen Heizstab und eine Dose Tropenflocken, den frisch gewonnenen Fischen zur Zehrung.

Wednesday, November 29th, 2006

Wasserwechsel: Vorabend

Wie sich leider herausstellt, wenn man mit Menschen spricht, die von der Aquaristik mehr als nur eine sehr flüchtige Vorstellung haben, kommt das Wegwerfen eines gut eingefilterten Filtersacks einem Völkermord gleich. Im Sack nämlich wohnen neben den Kohlewichteln, die die bösen und die guten Keime sortieren, auch Nitronella und Nitrierchen, zwei lustige Tierzivilisationen, die aus dieser einen Chemikalie da diese andere da machen undsoweiter. Jetzt sind Nitronella und Nitrierchen aber tot beziehungsweise liegen vertrocknet im Müll, und müssen erst mühsam per Urzeugung wieder aus Fischdreck hergestellt werden. So jedenfalls könnte man den wahren Sachverhalt umschreiben, wenns nicht wirklich darauf ankommt, dass es auch der Wahrheit entspricht.
Zur Rettung der beiden Sacktierchen schneidet der Experte ein Stück aus dem alten Sack heraus und steckt es vor Zufügung der Kohlewichtel in den neuen Sack, aber ich bin ja kein Experte und komme also nochmal so davon. Und nachdem ich ein paar Tage gewartet habe, dass die Nitrotiere wieder Fuss füssen, ist also endlich der Moment gekommen, die jungfräuliche Welt mit Lebenssaat zu beschicken, damit dann in ein paar Millionen Jahren vielleicht ein Wurm mit Beinen herauskrabbelt und uns die Wohnung vollsaut. Neue Fische müssen her, mit anderen Worten.
Bevor aber neue Fische ins Todesbecken gesetzt werden können, muss nochmal gründlich durchgefegt werden. Der Neuzuwachs soll ja einen guten Eindruck bekommen und nicht gleich von Anfang an denken, bei uns werde nicht auf Ordnung gehalten und ein bisschen mehr Dreck schade da wohl kaum. Sonst kriegt man die Biester ja nie stubenrein.
Ich tauche also noch ein Fünftel des Wassers gegen vollständig genauso aussehendes, aber grade erst aus der Leitung gesprudeltes anderes Wasser aus, es mag wie nutzloser Tand scheinen, aber der Fachmann weiss es besser. Denke ich mir jedenfalls.
Morgen dann neue Fische. Aufregend!