Als wir wiederkommen, liegen ein Tetra und eine Barbe tot in der Suppe, und die beiden anderen Barben kränkeln waidwund durch die Gegend. Ein infernalischer Fischfuror formt sich in meiner Brust, ein Zorn auf den Gott, der das zulässt, und, noch vage und ungerichtet, auch auf mich, denn ich habe einen nagenden Verdacht, nicht ganz unschuldig am Desaster zu sein. Wenn ich auch nicht recht sagen könnte, woran es denn vermaledeiten Fischen mangeln könnte.
Die beiden kranken Barben werden aus dem Becken in die bewährte Tupperdose verpflanzt, gehen aber natürlich trotzdem über Nacht von uns und ein.
Nur beim Angeln vielleicht gehen Fische schneller kaputt als in unserem Aquarium. Wenn ich’s absichtlich täte, werweiss, wäre sogar ein schönes Preisgeld drin in einem Wettbewerb des amerikanischen Schnellfischtöterverbandes.
Aber ich bin gar kein Mitglied in einem solchen Verband. Vielleicht gibt es ihn gar nicht. Obendrein verspricht eine der grossen hiesigen Krankenkassen grade auf Plakaten eine Senkung des Blutdrucks durch Fischbetrachtung, und ich habe zwar nicht angerufen, vermute aber durchaus, dass weder Fischstäbchen noch Heringsbrötchen, noch selbst ermordete Zierfische denselben Effekt auf den menschlichen Blutkreislauf haben.
Es muss nun also endgültig, und letztlich ja viel zu spät, ernst werden. Ich lese mich also in die Biologie und Chemie eines Aquariums ein, es ist ganz erstaunlich, um wieviele Schraubendrehungen komplizierter selbst klares Wasser ist, als man sich das denkt. Um mein neues Wissen auf die Probe zu stellen, halte ich ein Indikatorstäbchen ins Wasser, und beobachte staunend, und auch ein bisschen schaudernd, wie sich der pH-Anzeiger ins Tiefsaure verschiebt, weit jenseits der Totenköpfe auf der mitgelieferten Skala.
Die vier Fische also wurden weniger in ein neues Zuhause verbracht, als vielmehr in einem rechteckigen Gurkenglas über einige Stunden hinweg sauer eingelegt. Ich bezweifle, dass die Mitarbeiter bei Hengstenberg in Esslingen sich ihrer Gurken wegen ähnlich schlecht fühlen wie ich jetzt, aber wer weiss. Es sind ja auch nur Menschen.
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