Aus einer U-Bahn-Station in der Innenstadt von San Francisco zu kommen ist für Landeier aus Berkeley etwas Besonderes, die Aufwärtsbewegung auf der Roll- oder der Steintreppe setzt sich in den angrenzenden Hochhäusern weit in den Himmel hinein fort und schafft sofort direktes Wohlbefinden; anders als der organische Bodensatz aus Menschen und Schicksalen mit seinen Grautönen.
Jetzt gehe ich den Weg umgekehrt, die Banktürme bleiben zurück. Die Säulen auf der Eingangsetage sind sämtlich mit Mammutbaumrindenpostern beklebt, eine Waldattrappe. Unten auf dem Bahnsteig dann hängen dort wo sonst Medien und Konzerne bunt um Aufmerksamkeit buhlen, grosse, leere Plakate, drei in Folge, auf dem vierten dann „We thought you could use a break“. Die ganze Station ist für diese schlichte Kampagne aus Botschaften angemietet, Aquarien senken den Blutdruck, Optimismus verringert Alterskrankheiten, Lachen stärkt das Immunsystem, in simplem Blau und Grün. Die Fürsorge der Krankenkasse, die diese Kampagne in Auftrag gegeben hat, überwältigt mich, und weinend stehe ich auf dem Bahnsteig, eine offene Wunde in der Grossstadt.
Something to say?