Sumatrabarben nun also. Winzige Karpfen, mit anderen Worten, zwei gestreift, zwei Melanisten, deren Schuppen aus Überzeugung mal blau schimmern, mal grün, und mal gräulich, je nachdem, wie. Sie schwimmen auch einen Tag später noch munter durch die Gegend, und der frühmorgens eilig durchgezogene Wassertest zeigt Säurewerte im grünen Bereich. Das Attraktive an Hobby ist ja glaube ich, dass man so unglaublich klug daherreden kann, wenn man eins hat, darum habe ich das immer gehasst, und darum habe ich jetzt vermutlich eins. Obwohl ich mir das längst noch nicht eingestehe.
Nitrinella und Nitrierchen heissen im Wortlaut, das habe ich jetzt kürzlich aus der Tagespresse erfahren, Nitrosomone und Nitrospira, die einen machen Nitrit, die anderen räumen es wieder weg, und wenn die beiden nicht anwesend sind, macht eben jemand anders den Job, aber viel schlechter. Organischer Zerfall in einem nicht komplett eingewohnten Aquarium, belehrt mich die Tagespresse, kann zu allen möglichen Unfällen führen, besonders aber in wenig alkalogepuffertem Wasser eben auch zu wilden Schwankungen des pH-Wertes. Ich begreife das zwar immer noch nicht recht, nehme aber zur Kenntnis, und so in Wissen und Wirkungsmacht gestärkt macht die Kapazität unseres Aquariums natürlich gleich einen fühlbaren Sprung, und es müssen also noch drei Barben her, eh die anderen vier sich eingewohnt haben oder verwelkt sind.
Heute ist Sonntag, deshalb hat der Fischmann frei und kann seinen Mundgeruch spazierenführen, während der Fischmannneffe im Laden stehen muss und Fische verkaufen. Mut- und spannungslos, fast schon defätitstisch, rührt er jetzt mit seinem Netz im Becken, die Fische gehen freundlich immer genau da hin, wo das Netz nicht ist, vermutlich, weil sie denken, dass er Platz braucht. Für mich als Käufer sieht das etwas vertrackt aus, weil der Fisch ja im Netz drin sein muss, damit er als gefangen gelten kann, aber überraschenderweise ist es für den Neffen offenbar ganz genauso vertrackt, denn er rührt wohl zehn Minuten lang unter Ausstossen gelegentlicher milder Seufzer, im Wasser rum. Dabei wird er natürlich auch, seinem Alter entsprechend, zunehmend ungeduldiger und hektischer, die Fische lassen sich nicht lumpen und ziehen nach, und bald ist ein respektables Duell zwischen Neffe und Geschöpfen im Gang, peitschend schnellt das Netz durchs Wasser, panisch wiederum saust der Fisch. Ich stelle mich auf Fischmus in Tüten ein, aber dann geschieht doch noch eine wundersame Fischverminderung im Becken und er schnappt sich zwei gestreifte und einen Melanisten. Halleluja, selig die Fischfänger.
Zu Hause bange Sekunden: wird den neuen das Pausenbrot gestohlen werden? Werden Sie rumgeschubst? Schwer zu sagen, leider, dann kaum sind sie frei, kann man sie von den anderen vier schon nicht mehr unterscheiden.
Sieben Fische sollt Ihr sein. Und seid Ihr jetzt ja auch. Tollo.
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