Gefühlsfalle Schneckentod
Der Schnecke indessen geht es gar nicht gut. Sie verfügt über einen Deckel zu ihrem Schneckenhaus, oder eine Tür, und diesen Deckel oder diese Tür hält sie jetzt fest geschlossen, als gelte es ihr Leben. Ratlos stosse ich das reglose Tier einmal täglich mit dem Finger an, noch lebt es wohl, denn manchmal liegt es anderswo im Becken, aber von Rumrennen, von Freudensprüngen und Schlossbesteigungen kann nun keine Rede mehr sein. Vielmehr muss die Rede davon sein, dass die Schnecke siech vor sich hin vegetiert, und folgerichtig geht sie dann auch nach ein paar weiteren Tagen endgültig und unwiderruflich ein.
Es wäre nicht übertrieben, an dieser Stelle von einem Tiefpunkt der Beziehungen zwischen Mensch und Aquaristik zu sprechen. Niemand sieht es gerne, wenn Geschöpfe, deren Obhut auszuüben er sich selbstsüchtig zur eigenen Erbauung angebiedert und aufgedrängt hat, in einem langsamen Siechprozess dahinwelken, und dies obendrein noch aufs rätselhafteste und regelwidrigste.
Denn von welcher Seite man diese Fisch- und Schneckenvernichtung auch beleuchten mag, es gibt ja rein gar keinen Sinn. Parasiten hätten schon Salzbehandla, spätestens aber die Giftgabe nicht am Stück überstehen sollen, und weder Paras noch Iten, um nur zwei der möglichen Bruchstücke hier aufzulisten, sollten einem gestandenen Fischsbild Schaden zufügen können. Und trotzdem verging der Fisch wie von innerem Feuer und äußerer Gepunktetheit verzehrt. Von der Schnecke, in der ein Ich ja schon biophysikalisch gar keinen Fuß fassen könnte, gar nicht zu reden.
Anklagend nun steht also das Aquarium als Mahnmal auf dem Müll namens Tisch, und wir scheuen uns, neue Fische in dieses schlimme Becken zu sperren. Vielleicht schwitzt ja der Dichtungskitt Fischtod aus? Oder es rinnt Todessaft aus dem Filterbeutel? Ist vielleicht die Luft selbst, die das Aquarium durch den Sprudelstein einatmet, ein giftiger Hauch?
Zwischen Todesfugenkitt und der Toilette, die schon vier Fische und einen Schneck verschlang, stehen wir, und wagen keine Bewegung.




