Ein Gespenst geht um im Aquarium, das Gespenst der Beulenpest. Über Nacht nämlich haben sich auf allen Fischen weise Flecken gebildet, mitten auf dem Auge bei einem der Goldfische, entlang der Flossenkante und an der Fischflanke.
Kleine weisse Punkte, so belehrt uns das Internet, sind ein Parasit namens Ichthyophthirius multifilis, übersetzt also „die Fischlaus mit den tausend Kindern“, Iä, Iä! Kurz sagt der Lausekenner dem kleinen Tierchen „Ich“, das spricht sich im englischen aus wie ein vom schönen Wort icky abgeleiteter Ekligkeitsausruf, und sieht im Deutschen aus, als wäre man selbst es, der die Fische plagt: Gesamtkunstwerk Laus.
Ich ist ein schlimmer Geselle, hat einen ungefähr drei Tage langen Lebenszyklus, in dem er erst sich nährend am Fisch nuckelt, dann in eine selbstgebaute Rettungskapsel steigt und sich absprengt, und schliesslich im Inneren der auf dem Aquariengrund liegenden Kapsel mittels Lausporno und Spucke die im Namen erwähnten tausend Kinder zeugt. Dann geht die Kapsel auf, die Brut befällt die Fische wie ein Kindergartenausflug den Streichelzoo, und der ganze Jammer beginnt von vorne. Mal tausend.
Unsere drei Goldfische tragen vorerst ihre Ichs noch mit Würde spazieren, aber bald schon, das ist offensichtlich und unvermeidlich, wird die Ichlast die harmlosen Tiere in die Flossen zwingen und dem Fischlachen ein Ende bereiten, denn unbehandelt, da sind sich die rechtschreibkreativen Onlinefischexperten einig, gibt es zur Laus nur eine simple, grausame Wahrheit: Ich tötet.
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