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Letzte Hoffnung? Nein! Ein von einem unbeugsamen Loach bewohntes Plastikbecken hört nicht auf, dem Schnitter Widerstand zu leisten. Hoffnung lebt bekanntlich in der kleinsten Hütte, oder so ähnlich, und eine kleine Hütte steht Ken, dem Loach ja tatsächlich zu Gebote. Triumph des Lebens. Und das kam so:
Den Goldfischen, das konnte der Fischexperte mühelos erkennen, war Ken nicht grün. Dem Laien mögen die wilden Angriffe und Verfolgungsjagden entgehen, er mag die Besatzermentalität des Immobiliengrabschers für Niedlichkeit halten, aber der Kenner nickt wissend und formuliert einen schlimmen Verdacht. Der Loach also musste weg. Zum Glück ist so ein Loach recht klein, und passt zum Beispiel in eine Plastiktüte, in der man ihn dann, samt Plastikaquarium, Kieselsteinen und Belüfterpumpe erst einen Berg hinauf tragen, und dann den ganzen Bausatz auf einem Schreibtisch zusammenschrauben kann. Man gibt erst Kiesel ins Aquarium, dann schon fast ganz sinnlos eine Wegwerf-Sonnenbrille, die man gerade vor der Augenklinik auf dem Boden gefunden hat, und die man zuvor von allen Keimen und Widerlichkeiten sorgfältig gereinigt hat, und zuletzt füllt man obendrauf Wasser, dem man mit einem Aloe-Vera-Präparat die böse Energie entzogen hat. Und gibt dann den Fisch in die Brühe.
Nun sieht man auch gleich, wozu da eine Sonnenbrille im Rezept steht. Der Loach nämlich ist ans Besetzen gewöhnt, nimmt nun zuallererst die Sonnenbrille in einem militärischen Coup für sich ein, und errichtet das Loachäquivalent einer Marionettenregierung hinter ihren getönten Scheiben. Als es dann noch Futterflocken auf den Eroberer regnet, beginnt auf meinem Schreibtisch ein Zeitalter des Friedens und des Wohlstandes.
Schon bald errichtet der Fischfürst, mit meiner Hilfe, ein kleines Schloss neben seinem Brillenhauptquartier, und wird von jetzt an, dem Kaiser gleich, von Brillenpfalz zu Schlosspfalz ziehen, und am jeweiligen Ort je ein Weilchen residieren, bis sich ein neuer Gedanke in seinem Fischkopf bildet und alles von vorn beginnt.
Zwischendurch macht Ken durch das kraftvolle Abschwimmen komplexer Lissajousfiguren klar, dass die Macht- und Wissensverhältnisse eindeutig geregelt seien, und ich signalisiere durch den regelmässigen Abwurf von Flockenfutter umgekehrt dasselbe.
Nach wenigen Tagen schon haben sich die Rituale verfestigt, man kann schon von einer Fischkultur sprechen, die wir beiden Despoten wie aus dem Nichts hier geschaffen haben. Erst öffne ich den Deckel des Beckens, längst ragt Kens Nase erwartungsfroh oben aus dem Schlossturm heraus, die eingeweichten Flocken wehen um die Architektur, und lebensfroh und quietschfidel sammelt der Loach sie ein. Stecke ich den Finger ins Wasser, versucht er, mich zu beissen.
Der Racker.

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