Drei Fische! Es ist eine regelrechte Fischstadt, die sich da auf unserem Teppich gebildet hat, eine Art Urzeugung könnte man das nennen, wenn nicht mit grosser Wahrscheinlichkeit sowieso schon zahlreiche Milbenmetropolen in und unter unserem Teppich einen Wettstreit der Zivilisationen austrügen und also von Urzeugung nicht die Rede sein könnte. Um die Überlegenheit der Fische über diese Vorläufermodelle auch geographisch deutlich zu machen, holen wir uns Müll von der Strasse, nennen den Müll Tisch, und stellen das Aquarium drauf. Fertig ist die Oberstadt.
Das hat aber leider auch einen Nachteil, den wir nicht bedacht haben: man sieht die Fische jetzt viel besser. Was also können unsere Gäste Robert und Beret dafür, dass sie, als sie morgens die müden Augen aufschlagen und als erstes die zu einer Zivilisation erster Stufe erhobene Fischtrias erblicken, sofort und unrettbar in ehrlich empfundene Liebe zum schuppigen Gesindel verfallen? Nichts, natürlich, es ist ja praktisch unvermeidlich. Selbst ich sehe mich Sympathieanbrandungen ausgesetzt, und ich kenne die Fische und ihre Tricks doch schon seit ein paar Tagen und habe ausserdem das Aquarium auf den „Tisch“ gewuchtet und mir dabei den Kopf verrenkt. Aber das gehört hier nicht her.
Robert und Beret jedenfalls sind den Vagabunden der Meere, wie man Goldfische ja auch nennt, rettungslos verfallen, und kaufen ihnen folgerichtig, oder jedenfalls in annähernder Folgerichtigkeit durch einen asiatischen Tierladenangestellten komplett fehlberaten, einen striped tiger loach und eine Schnecke als Weggefährten auf der grossen Reise, die das Leben ist. A moll, G dur, C.
Die Schnecke macht es sich gleich gemütlich, rennt kreuz und quer durchs Becken, steigt das Schloss rauf, fällt runter und führt sich überhaupt auf wie ein harmloser und sympathischer Irrer. Der Loach Ken hingegen – der Name wurde quasi mit dem Tier schon mitgeliefert, so offensichtlich ist er – ein länglicher Fisch mit bösen Gesichtstentakeln und einem fiesen Charakter, beginnt seinen Aufenthalt bei uns, indem er einen simplen Patrouillenplan aufstellt – „erst Schloß, dann Plastikstein, dann wieder Schloss, usw. Allen anderen in den Arsch treten“ – und sich mit bewundernswerter Disziplin an die Umsetzung der ehrgeizigen Unternehmung macht. Nach kurzer Zeit treiben im Becken drei nervöse Goldfischwracks, und es kann so ganz offensichtlich nicht weitergehen.
SS Ken also wird nun mit einem Netz eingefangen und weggebracht. Niemand bekommt gesagt, wohin, und es fragt auch niemand. Nacht bricht herein. Irgendwo rast eine Schnecke.
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