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Als die nachdenklichen Menschen vor einigen Jahrtausenden in eine Regenpfütze starrten und das Individuum entdeckten, wurden sie von dieser merkwürdigen Beobachtung dazu verleitet, dieses sogenannte Individuum für ein unabhängiges Gebilde zu halten, für eine losgelöste, eigene Welt, in die die äussere Welt nur als Wahrnehmung eindringe, als gepflegte Samstagabendunterhaltung mit Werbeeinblendungen, ein Schattenecho eines anderswo brennenden, heissen Fusionsfeuers, gefahrlos und jederzeit abschaltbar.
Hätten sie mal genauer hingeschaut, damals. Denn das Selbstbild in dieser Pfütze warf Wellen vom Wind, Kaulquappen perlten darunter hin und ehr, ein Laubblatt verbirgt den Ausdruck des Auges. Und nun kommt ein Fisch, verschlingt die jungen Frösche, die Pfütze ist ein Meer, eine Nahrungskette, eine Fresspyramide, über der sich das mickrige Ich auflöst, als Schaumkrone auf den Sturmwellen und in Blasen zerstäubt. In mittlerer Wassertiefe dieser Metapher schwimmt ein Atom-U-Boot, die Besatzung sehnt sich, nach unterschiedlichen Dingen und doch gemeinsam und aus dem Reaktor leckt Plutonium oder Cäsium, oder irgendein anderer Scheiss, eine leuchtende, verschlungene Unterwasserspur einmal um den Globus, entlang der neues, leuchtendes Leben entsteht und sofort wieder vergeht, die absinkenden verkrüppelten und vergifteten Flossen und Schwänze und Herzen Nahrung für einen hungrigen Bodenbewohner. Aber genug davon.
Im Aquarium hat sich nichts weiter ereignet, seit die Schwertträgerin sich einen Bauernhof kaufte. Hunde, Ottos und Pleco ernähren sich von Unsichtbarem, eingeworfenes Futter wird nicht beachtet, die Tiere scheinen nicht auf mich angewiesen, aber das ist möglicherweise auch nur ein Trug. Überstünden diese Bodenbrüter zwei Wochen Einsamkeit? Die überlebenden Schwertträger knabbern lustlos am eingeworfenen Futter, denn auch sie haben offensichtlich einen Job gefunden und kommen jetzt alleine durch. Drei Tage gabs nichts zu fressen, dem Ammoniak Einhalt zu gebieten, und die Fische kacken trotzdem wie die Weltmeister. Die Schnecken ernähren sich ohnehin von grünem Schleim, und davon ist ja genug da.
Bleiben die einsame Barbe und das Cichlidenpaar. Godzilla habe ich noch nie essen sehen, von irgendwas muss er sich aber wohl doch ernähren. Godzilla seine Frau nimmt zwar eingeworfenen Quatsch gerne entgegen, zupft aber ansonsten keck an den Pflanzen rum. Und die Barbe, herrje, wer versteht schon Barben? Ausser Sterben haben die doch nichts im Kopf.
Jetzt habe ich absätzelang vor mich hin ramentert, bin der Antwort auf die auslösende Frage aber immer noch nicht näher gekommen: kann das Aquarium zwei Wochen ohne mich dastehen, oder braucht es einen menschlichen Aufpasser? Und kann man denn überhaupt jemandem zumuten, die Verantwortung für die sich ja sicherlich schon anbahnende nächste Katastrophe zu übernehmen?
Ach, wäre man das Spiegelbild einer Insel in einer leeren Pfütze.

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