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Thursday, September 25th, 2008

wortspielparkplatz

Home is where the heart dies.

Lügtfile, Logfile, Gelogenfile.

Friday, September 12th, 2008

im weg

Man steht sich oft selbst im Weg.

Aber es gäbe gar keinen Weg,
wenn man nicht dauernd
sich selbst in ihm stünde.

Sunday, August 24th, 2008

fishing

In den Eingeweiden des Internet liegt ein scherzhafter Psychotest vergraben, bei dem man für verschiedene soziale Problemstellungen an einer Pissoirzeile die jeweils passende Antwort zu finden hat. Ähnlich schwierig, aber wegen weniger Geschlechtsorgannähe meines Wissens noch nicht originell beleuchtet ist das Problem des Sitzplatzes in der U-Bahn. Haltestangen, andere Passagiere, ihr Geschlecht, ihre Laune, die Einschätzung ihrer Gesprächigkeit, zurückgelassener Müll, Türnähe, Wärmegradienten – das alles schafft eine komplexe Umgebung, durch die Menschen oft in Sekundenbruchteilen zu navigieren verstehen. Bis die Roboterhunde von Sony so weit sind, werden noch viele Pissoirprobleme gelöst werden.

Er setzt sich links neben mich, ans Ende der Sitzbank und lässt einen freien Sitz zwischen uns. Sein Interesse am Brompton umweht ihn in meinem Augenwinkel wie die Körperaura ein Esoterikopfer, und natürlich dauert es nur Sekunden bis zur unvermeidlichen Frage nach dem Preis und der immergleichen Antwort. Nach seiner Auskunft, so eins noch nie gesehen zu haben, lese ich weiter. Er tippt mir über den Sitzgraben hinweg leicht ans Knie. Ich schliesse das Buch.

Seit Jahrzehnten wohnt er in Jersey City, nachdem er als junger Knabe aus East Orange, zehn Meilen westlich von hier, dorthin umgezogen war. Damals hatte er ein Dreigangrad, und als er seine Liebe zu diesem nun wohl in der Vergangenheit versunkenen Relikt erklärt, verklären sich seine Augen ein wenig. Oder vielleicht will ich das auch nur sehen. Einmal sei er mit diesem Dreigangfahrrad über eine der grossen Brücken gefahren. Hinauf habe er es geschoben, über einen engen Seitenstreifen hinweg, aber dann sei er auf der anderen Brückenseite bergab gefahren, wacklig, gefährlich. Die Erinnerung an den Teufelsritt des Knaben spielt wie ein Film in den Falten seines Gesichts, ein Stück damals das jetzt in einer ruhigen, geraden Linie über die Gleise nach Jersey City gezogen wird.

Seit Jahrzehnten gehe er hinter seinem Haus den Hang bergab und dann über die Eisenbahnbrücke in das Sumpfgebiet der Meadowlands hinein zum Angeln. Vor einiger Zeit hat der Sumpf den Besitzer gewechselt, und noch immer gehe er jetzt über die Eisenbahnbrücke dort hinunter, aber die Sicherheitsleute des neuen Inhabers vertrieben ihn, wenn sie ihn sähen. They run me off, sagt er, aber als ich nachfrage, wie man sich das Verscheuchen eines angelnden Rentners aus den Sümpfen Jerseys vorzustellen habe, stellt sich heraus, dass der Aufseher stattdessen sagte, dass er ihn verscheuchen müsse, wenn er ihn sehe, und er also lieber hinter einigen Büschen angeln solle.

Dann stürzt die vom Rad über den leeren Sitz gebaute Brücke ein und der Fischer und der Radler schweigen, bis er aussteigt am Journal Square und ich noch ein wenig weiter fahre.

Sunday, August 24th, 2008

sweetness

If they don’t have bread, let them eat american bread.

Sunday, August 24th, 2008

reasons

If I don’t live in Hoboken
It’s not just Lackawanna,
I also couldn’t pay the rent,
And prolly nevaganna.

Thursday, August 21st, 2008

variations on a theme

If you come to a spoon in the road, take it.

If the road gives you forks, make salad.

Wednesday, August 13th, 2008

Ballistik

Eine tiefschwarze Gewitterfront, ein Weltende nähert sich aus dem Inneren Jerseys. Südlich der Bahnlinie öffnet ein Kumulonimbus die Unterbuxe und lässt einen zylindrischen Wasserwirbel auf den Ironbound hängen, gesäumt von Blitzen, die sich sekundenlang in meine Netzhaut brennen: Lösungen für ein Problem der Elektrodynamik, das schon nicht mehr existiert. Jeder dieser Blitze trifft ein Ziel, schlägt irgendwo ein, dort im Ironbound, erst jetzt begreife ich diese simple Gewitterwahrheit, oder denke jedenfalls, dass ich sie erst jetzt begreife. Ich zähle Blitze und lasse es dann wieder.

Die Betonbodenplatten der Tankstelle wurde von Zeit und Ghettoschleudern und Tanklastern verschieden stark in den feuchten Untergrund gedrückt. Die Höhenunterschiede der Plattenkanten sind ausreichend, mein Rad aus der Bahn zu werfen, die Kreuzungspunkte ihrer schwankenden Geometrie markieren einen sicheren Pfad. Ich folge ihm automatisch und ohne hinzusehen, Heimatsumpferde unter den grauen Platten. Ein Jahr.

Über die feuchte Brache hallt später ein Schuss von der Tankstelle her. Halblaute, erregte Stimmen folgen dem Knall, Mitternacht. Ich finde mit geschlossenen Augen meinen Weg um das Warten auf Sirenen oder weitere Schüsse herum, und schlafe ein, eine abgefeuerte Kugel auf dem Weg zur Wand.

Wednesday, July 9th, 2008

geschmacksfragen

Die Liebe ist ein seltsamer Snack. Manchem schwimmt sie ungefragt ins Maul, er kaut ein bisschen drauf rum und spuckt sie dann wieder aus. Mehr Salz, verlangt er vielleicht, oder mehr Maggi oder Sojasauce, dann hätte man das schlucken können. Aber so pur, nein danke. Andere wiederum hungern jahrzehntelang vor sich hin, essen nur Salat, und fallen dann ohne Vorwarnung über ein harmloses, blutiges Steak her wie ein Liger über eine Herde Maulesel. Das nur zur Illustration und zur Verwirrung des Lesers.

Während ich in Deutschland war, buk die feuchte Jerseyglut in einer kleinen Plastiktrommel Flocken und Krümel zu einem Flocken- und Krümelkuchen zusammen, der Kuchen passte nicht mehr durch die Trommelöffnung des Futterautomaten, und die Fische litten Hunger. Wenn man Fisch ist, hat man keine Moral, und also fehlen nach der Rückkehr im Becken verschiedene Fische. Aufgegessen von anderen Fischen, wie ich nach ein paar Tagen erkennen muss, als noch ein Fisch fehlt und stattdessen ein Fischhintern mit rausguckender Wirbelsäule zwischen den Pflanzen liegt.

Als Ersatz schwimmen mir sechs Neon-Tetras in Haus, winzigklein, und ein Prachtbarschweibchen, weil das vorhandene Paar ganz offensichtlich keinerlei Interesse füreinander aufbringt, vielleicht fehlt Salz. Jetzt fehlt jedenfalls keins mehr, denn nur Sekunden nachdem das nur halb so grosse neue Weibchen im Becken ist, läuft das Mannstier untenrum puterrot an, stellt den Goldkamm in die Höhe und macht sich wichtig. Die Frau, ebenso rot erglüht, biegt sich und zeigt den Bauch her. Auch der betrachtende Mensch errötet ein wenig.

Warum es mit dem neuen Paar sofort klappte, mit dem alten aber wochenlang nicht, wer kann es erraten. Unüberbrückbare Differenzen, möglicherweise. Man kann in so einen Fisch ja nicht reingucken. Ausser natürlich er ist tot und halb aufgegessen. Dann schon.

Friday, June 20th, 2008

willkommen zurück

Mindestens fünf verschwundene Fische, Inbox leer, die dicke Ratte hat Schlagseite, das Fahrrad einen Platten. Glassplitter im Mantel. Der Ersatzschlauch bekommt ein Loch beim Reparaturversuch, dunkle Russstreifen auf der Hose. Eine zerschmetterte Thermosflasche hinterm Haus, die verspiegelten Glasscherben verstreut zwischen den Sonnenblumenkernen. Raffineriegeruch in der milden Frühsommerluft. Is that your bike, sagt der Briefträger, der die Rechnungen bringt und die Kreditkartenangebote, als ich es für ein paar Sekunden vor der Tür stehen lasse, um Vergessenes zu holen. Ich nicke, erwarte die üblichen Fragen, stattdessen Wouldn’t do that here, they’ll take it in a minute, und geht zum nächsten Haus, ohne Antwort abzuwarten. In Newark dann, beim Strasse überqueren, ruft der stämmige Neger That’s my bike, punk. Ich lache kurz und schimpansoid, Zähne zeigen statt Konfrontation, beweis mir doch, dass ich es nicht wirklich lustig finde, Welt. Weit genug weg von ihm werfe ich dann noch mit Worten, hier nämlich, und lause mir dabei ein bisschen den Kopf. Ich steh doch über Dir, Jersey, Du verpupster Misthaufen aus Dreck.

Sunday, June 15th, 2008

Collection

1
Gesellschaften: aussen Huis Clos, innen Pfui Clos.

2
I was betting my hedges.
Wearing sleeves on my heart.
I timed my bide,
I thumbed my twiddles.
No use it was.
Things stayed downside up.