Thursday, March 15th, 2007
Wenn ich vor dem Becken kniee, dann reicht die wässrige Front mir bis über den Kopf, und aus dieser Nähe ist dann die ganze Welt aus Wasser, genau wie für die Fische, die drin wohnen müssen, ja auch. Man kann aus dieser Perspektive sehr genau sehen, was die einzelnen Tiere so machen, schwimmen nämlich (alle), den Boden durchwühlen (Hunde), die Pflanzen abschlecken (Ottos), kacken (Schwerttträger), beziehungsweise eben Arschlametta spazierenführen (Cichlidin). Und einerseits soll man ja dem Tier nicht vorschreiben wollen, wie es seinen Tag zubringen soll in seiner kleinen Kunstwelt, sonst hat man eh man sichs versieht einen Zirkus im Wohnzimmer und kein Aquarium mehr, und von da ist es nicht weit bis zu roten Nasen, grossen Schuhe und dem Ende der Zivilisation. Andererseits aber kann man ja nun auch nicht tatenlos zusehen, wie im eigenen Wohnzimmer Parasiten umhergetragen werden, die dann auch noch, wenn ich vor dem Becken kniee, sehe ich das ja sehr deutlich, hin und wieder die spitzen, roten Köpfe weit aus dem Rektum recken und vielleicht ein kleines Liedchen pfeifen, die wurmigen Säue. Nein, das kann man gar nicht, es sieht auch nicht gut aus. Das Gewürm muss weg.
Die Schreckensgeschichten aus dem Online empfehlen das Entwurmungsmittel Fenbendazol, alles andere, sagen sie, hilft nicht. Rumtelefoniererei ergibt, dass Fenbendazol vielleicht helfen mag, aber von niemandem geführt wird. Nur PetSmart, am anderen Ende der Welt, hat Tütchen davon rumliegen, zur Hundeentwurmung, steht auf der Packung, und damit sind, man kann es an den Abbildungen sehen, keine dicken, tappsigen Fische gemeint, sondern so richtige Hunde mit so Fell und so.
Die Dosierung ist also völlig unklar – pro zehn Pfund Hund soll man ein Tütchen nehmen, steht auf der Packung, aber ich kann ja die Fischin nicht wiegen, und ausserdem ist sie gar kein Hund, sondern eine Fischin –, und ebenso unklar ist, wie ich dieses Pulvergift in die Fischin kriegen soll. Jedenfalls ist ja der eine Einfüllstutzen mit Wurm verstopft, und das Gift muss also vorne hinein. Als ersten Versuch lege ich Blutwürmer über Nacht in eine Pulverlösung ein und kippe das Ensemble am Morgen komplett ins Wasser. Den Tag über sorge ich mich wegen einer möglichen Überdosierung, und erwarte halb, alle Fische tot an der Oberfläche vorzufinden. Das würde mir eine Lehre gewesen sein, aber wieder einmal lerne ich nichts dazu, denn stattdessen hat sich einfach gar nichts geändert. Den Fischen geht es gut. Den Würmern auch.
Mit dem zweiten Tütchen wiederhole ich das nutzlose Experiment, schon kaum noch hoffnungsfroh, und wirklich hilft auch die zweite und grössere Ladung Blutwürmer, diesmal in doppelter Pulverkonzentration gebadet, rein gar nicht. Und auch Flocken, in Fenbendazol gebadet, sind dem Wurm ein Gelächter und ein Klacks. Ein taffer Wurm, das muss der Neid dem blutsaugenden Gelichter lassen.
Noch schwimmen sie nun alle munter durch die Gegend, frohlockende Fische. Aber wenn in vier Wochen dann rote Köpfe aus allen Ärschen spähen, wird es meine Schuld gewesen sein. Und das kann ja nun niemand wollen.
Animals, Berkeley, Deutsch, Fischtagebuch, Miniaturen, Nature | No Comments »