Na gut, es ist versprochen, und versprochen ist ja versprochen, und also muss ich nun erklären, was das für ein Brettchen ist, auf dem die toten Fische jetzt trocknen. Fünf sind es nun schon, aber das ist sicher nicht das Ende der Trauerfahnenstange, dafür wird Camillanus schon sorgen, oder irgendein anderer verpilztes Mistwurmvirusbakteriumsmonster.
Das Brettchen also.
Wer schon mal renoviert hat, oder das Zimmer aufgeräumt, oder im Kühlschrank einen sehr alten Käse vorgefunden, der weiss, dass nicht immer alles im Leben ohne Mäander und Verwicklungen vor sich geht und manchmal ein Durcheinander entstehen kann. Genaugenommen ist es sogar so, dass nichts ohne Mäander und Verwicklungen vor sich geht und überall erhebliches Durcheinander herrscht. Ein beinahe endloses Mäandern und Verwickeln könnte man das Leben nennen, und ein enormes Durcheinander, wenn das nicht so umständlich und verwickelt wäre. „Leben“ ist kürzer.
Ständig findet man in diesem Leben Fragmente alter Dinge, nicht Fertiggestelltes, abgelegte Möglichkeiten, verlorene Hoffnungen. Man findet sie an den unmöglichsten Orten, und nie wenn man sie erwartet. Umgekehrt verlaufen Pläne, die man sich aus Ideen mühsam zusammenschmiedet hat, in den seltensten Fällen so aus, wie man sich das mal vorgestellt hat. Rube Goldbergs Maschinen, die einfache Vorgänge auf unerhört komplexe Weise erledigen, sind eine hübsche Metapher, aber grottenfalsch, weil nämlich so eine Goldberg-Maschine in Wirklichkeit niemals funktionieren würde. Irgendwas würde sich verklemmen, irgendwas abbrechen, und Zack, liegt wieder so ein Fragment im Kühlschrank, oder im Sockenhängeregister von Ikea, und wartet darauf, dass man es irgendwann entdeckt und sich an die kaputte Maschine erinnert, und seufzt.
Das war jetzt ein wenig viel Mäandern und Verwickeln für das eigentlich ganz kurz hinzuschreibende Eingeständnis, dass der hübsche und beinahe perfekt zugeschnitte Acrylglasdeckel nicht der erste Versuch war, das Aquarium obenrum zu verbessern. Denn zwar hätte man die Leuchteinheit zuerst einfach so quer übers Becken legen können, aber sie ist nur ziemlich genau einen Zentimeter länger als das Becken selbst, und würde also womöglich reinfallen, wenn man dagegenatmet zum Beispiel. Also sägte ich aus einem Bruchstück Sperrholz, das als Fragment von etwas Vergessenem im Werkzeugkarton gewohnt hatte und nun sterben musste, zwei schmale Brettchen aus, die dann quer zur Lichtrichtung überm Becken lagen, den Enden nahe, und so die Lampe stützten und sazusagen Festland simulierten.
Nun ist es wahr, dass der Acryl-Deckel zugeschnitten wurde, um den Fischen das Springen unmöglich zu machen. Es ist aber auch wahr, dass die naheliegende Befürchtung, eine lose auf zwei kleinen Brettchen liegende und durchaus ans Stromnetz angeschlossene Lampe werde dann eben schon mal von diesen Brettchen rutschen und ins Becken purzeln, nicht deshalb naheliegt, weil der Mensch zum Unken neigt – was er tut –, sondern, weil sowas tatsächlich passieren könnte. Oder kann. Oder vielleicht sogar passiert ist. Wenn, dann aber mit der nichtstromführenden Seite voran, was natürlich für alle Beteiligten ganz ungefährlich war und sogar im Grunde eher lustig als beängstigend. Und das Licht ging auch nur ganz kurz ein kleines bisschen aus. Sowas kann jetzt mit dem Acrylglasdeckel natürlich fast gar nicht mehr passieren.
Das Brettchen jedenfalls wohnt jetzt im Bücherregal und sammelt tote Fische. Auch ein Hobby.
Something to say?