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Miniaturen



Friday, June 16th, 2006

Kopflose Vergangenheit

Als sich die Hohlwelt-Anhänger Teeds in Estero niederliessen, gab es hier an Floridas Westküste nur eine unbefestigte Strasse durch den Dschungel, parallel zur Golfküste. In grosszügigen Abständen entlang der Route lagen kleine Läden und Rasthäuser, auch die Hohlweltler betrieben eins. Später dann wurde der Tamiami-Trail (der so heisst, weil er Tampa mit Miami verbindet) asphaltiert, und zu einer Hauptverkehrsstrasse. Kleine Siedlungen wuchsen entlang der Strasse in den Sumpf, Gaststätten eröffneten, und kleine Attraktionen wie diese Eisbude.

Heute läuft die Strasse fünfzig Meter von der Bude entfernt. Direkt an der Strasse liegt ein neuer Dairy Queen und versucht, der Eistüte die Kunden abzugraben. In der Tüte arbeitet eine geschlechtslose Person; das Fenster ist so niedrig, dass ich nur einen schmalen Streifen vom Bauchnabel aufwärts zwischen Rahmen und Theke sehen kann. Von innen muss es ja genauso sein, eine endlose Parade Eis wegtragender Rümpfe.

Thursday, June 15th, 2006

Panzer, quer

Der Fluss fliesst landeinwärts, die Gezeiten also arbeiten, wie auch die Sonne, gegen uns. Am Ufer zunächst Mangroven, dann Keksdosen mit Hurricanfensterverschalung, dann ausladende Anwesen; Motorboote auf erhöhten Bootsstegen und Jetskis in Paaren und Dreiergruppen. Schliesslich niedrige Vegetation. Hinter jeder Biegung vermuten wir Estero Bay und Shellmound Island, das Paddelziel, aber hinter jeder Biegung liegt nur mehr aufwärtsfliessendes, rotbraunes Brackwasser. Sonne und monotone Bewegungen erzeugen eine Trance, die Augen suchen dennoch den Grund ab, die Sonnenbrille filtert die Reflektionen und man sieht trotz Trübe und Gleissen einen Meter tief. Quer zur Fahrtrichtung schwimmt es unter dem Kanu durch, dreissig Zentimeter mag der Körperpanzer durchmessen, sechzig vom Kopf zur Schwanzspitze. Neun Meilen lang wird die Kanufahrt gewesen sein, am Ende.

Saturday, June 10th, 2006

Zentrum der Hohlwelt

Der Pfad durch die dunklen Palmen bog schon vor Minuten vom Fluss ab, in dem wir auf Alligatorsichtungen gelauert hatten, aber nur springende Fische hörten und sahen. In Kopfhöhe sind bunte Bänder an Bäume und Sträucher gebunden, allenthalben raschelt es im trockenen Laub und Unterholz, Gürteltiere vielleicht, oder ein Waschbär. Von fern hört man die Strasse, jenseits der Siedlung, die Cyrus Teed und seine Anhänger 1893 hier anlegten, und die jetzt ein Park ist, dahin wollen wir zurück. Aber der Weg will nicht, wie wir wollen, und mäandert durchs Unterholz. Schließlich, nach einer gefühlten halben Stunde, die Kreuzung mit einem anderen Weg. Rechts lockt der Lärm der Strasse, also gehen wir nach dort, aber schon nach wenigen Metern biegt der Trampelpfad abermals ab, weicht Palmen aus, aus der Luft sähe man sicherlich die Wege dichtgepackt im Dschungel sich winden, wären nicht die Palmen im Weg. Die Taschenlampe wirft einen kleinen Kegel in die Schwärze, grade genug, nicht über ragende Wurzeln zu stolpern oder auf Alligatoren zu treten.
Als die gefühlte Stunde voll ist, münden wir dahin zurück, wo wir den Ausflug begannen, der Fluss liegt still im Mondlicht, ab und an springt ein Fisch. Die Gespenster der Hohlweltschwestern im planetarischen Hof schlafen, ebenso unser Auto, aber ein Druck auf den Knopf weckt es auf, für die Rückfahrt zum Zelt.

Wednesday, June 7th, 2006

Anti-Insel

Ausserhalb des Wassers stehen Black Skimmer aufgereiht, dutzende von langen roten Schnäbeln parallelgerichtet, Elementarfischmagnete auf Jagdpause. Im Wasser ein paar Meter entfernt scheint nichts zu leben, keine Fische, keine Krebse, nur vereinzelte Watvögel und ein paar federlose Hühner stehen in den Fluten. Hier aber, begrenzt vom Ufer einerseits und einer momentanen Sandbank andererseits verläuft eine Schucht, vielleicht einen Meter tief an der tiefsten Stelle, über die ich in der Strömung hinwegschwebe, die Schnorchelbrille an die Nase gesaugt, und den Sand Dollars und den kleinen Fische mit den Flossenflügeln beim Dasein zusehe. Vom anderen Ende der Schlucht her kommt jetzt eine Kleinfamilie, die Kinder, aufgeregt, haben einen Fisch erspäht und klettern die Böschung auf und ab, die in Sandwolken und Lawinen in neue Formen ausweicht.

Wednesday, May 31st, 2006

Ein Groschen fällt, fünf nicht

Sie steht nahe dem Ausgang, in einem bodenlangen roten Kleid, in der einen Hand die Handtasche, in der anderen eine Tageszeitung, und blickt wortlos und fragend zur Kassentheke hin, wo der Angestellte sich verlegen windet. Das ist, sagt er, nicht die Zeitung von heute, und deutet auf die Zeitung, es ist die von gestern. Sie hebt sie einige Zentimeter in die Luft und macht ein kleines Triumphgeräusch, aber, fährt er fort, dennoch sei sie leider nicht kostenlos, sondern müsse verkauft werden. Fast entschuldigend sagt er das. Sie wendet die Zeitung um, blickt auf die Titelseite, Alt! ruft sie leise, ja, sagt er, trotzdem. Fünfzig Cent. Cent? fragt sie. Er nickt nur noch schwach, es ist ihm nicht recht, die Kundin zu enttäuschen.
Einige Sekunden steht sie da, studiert mit gerunzelter Stirn die Zeitung in ihrer Hand, dann schüttelt sie den Kopf, beugt sich tief hinab zum Bodenregal und legt sie zu den anderen chinesischen Tageszeitungen.

Sunday, May 28th, 2006

Zerstreulinsen

Als der junge Asiate aussteigt und also unsere Gelegenheitsunterhaltung über Photographie endet, muss ich mich orientieren. Habe ich meine Haltestelle schon verpasst? Das dauert einen Moment, als ich fertig bin, hält der Bus erneut und lässt mir einen weiteren Moment, die Erkenntnis umzusetzen und auszusteigen. Ein kurzer Blick über die Sitzbank: nichts vergessen?, dann stehe ich in Oakland, schon einen Block von der MacArthur BART-Station entfernt. Es ist ein typischer Sonnentag, ich blinzle ins grelle Licht und suche in der Hosentasche nach der Clipon Sonnenbrille. Der Bus fährt an. Ich suche in der anderen Hosentasche. Der Bus fährt ab. Ich suche in der Umhängetasche und dem Clipon-Etui. Der Bus, und mit ihm offenbar die Sonnenbrille, sind weg.

Auf dem Weg zur BART-Station durchsuche ich nochmals alle Taschen und Beutel, erfolglos, und das vertraute Gefühl aus resigniert unzufriedener Hilflosigkeit stellt sich ein. Nunja, ist ja nicht das erstemal, dass ich was verschlampe. Und dann, aus buchstäblich heiterem Himmel, eine Eingebung, das einzige Indiz vielleicht der Schatten, den der hochgelegte Highway hier wirft, und der ein wenig dunkler ist, als plausibel scheint, ich greife mir ins Gesicht und ziehe seitlich am Clipon. Mit einem Schappen schnellt er zurück, und trifft schmerzhaft meinen Nasenrücken.

Sunday, May 28th, 2006

Ende der Lage

Während sich die Kindheitserinnerung an Sprühpflasterapplikationen am sensorischen Material labt und selbst verstärkt, erprobe ich in der Gegenwart Zen-Taktiken zur Schmerzkontrolle, und staune nicht schlecht, als mir tatsächlich teilweise gelingt, das beinumfassende Brennen, das aus den paar offenen Quadratzentimetern strahlt, als blosse Tatsache zur Kenntnis zu nehmen. Die Fühldistanz zum Schmerz oszilliert, wie zum Beispiel ja auch bei der binokularen Rivalität die Wahrnehmung unterschiedlicher Bilder in den beiden Augen im Sekundenrhythmus zwischen links und rechts zu schwanken neigt, und interessanterweise diese Distanz aber nicht in der Schmerzintensität, sondern in ihrer Bedeutung zu liegen scheint, denn es tut nicht weniger weh in den Entlastungsphasen, es ist mir nur mehr egal. Leider muss ich schon nach ein paar Minuten das Experiment abbrechen, weil den Schmerzfasern das Weiterleiten endlich zu dumm wird und Friede einkehrt in der Haxe.

Ein Auto parkt vor meiner Nase, eins aus der aufgepumpten Minivan/Pickup-Familie, eine junge Frau steigt aus, ihr Blick streift mich, dann ist sie auch schon im Walgreens verschwunden. Noch während ich überlege, ob ich denn wirklich einem am Boden sitzenden mit blutigen Beinen ein tröstendes Wort zukommen ließe, wie ich mir im Interesse der Anonymitätsverteilung einrede, oder nicht, kommt sie wieder raus, stracks auf mich zu, und sagt “Sorry”. Aha! Also doch!

“I have to use that”, fährt sie zielsicher fort, und meint das Telefon. Ich sitze da zwar nicht wirklich im Weg, aber wohl doch zu nah dran, wer will schon neben Siechen oder Wunden telefonieren, womöglich sind Viren oder Pechstrahlen in der Luft. Sie sollte wirklich über die Anschaffung eines Mobiltelefons (Händi) nachdenken. Praktisch, so ein Gerät.

Sekunden später rollt Chris auf den Parkplatz, in seiner Mietwagenlimousine, einem von fünf Autos, die sich das Berkeleykontingent hier teilt. Er bestaunt mein Bein und die Wunden, die er nicht erwartet hatte, ich war absichtlich vage gewesen am Telefon, und wir verladen das Rad und die Posterrolle und fahren davon.

Mein Poster war noch am selben Abend fertiggedruckt, offenbar Ehrensache für Michelle, die nur Minuten nach meinem Davonhumpeln von ihrem Arztbesuch zurückgekehrt war. Die beiden Nachtangestellten bei Kinko’s, die mir das erzählen, sind freundliche Gesellen, die sich neugierig nach dem Thema der Konferenz erkundigen, für die sie nun schon ein knappes Dutzend Poster last minute gedruckt haben, und die sie doch überhaupt nicht einordnen können. Die Renaissance ist lang dahin, ich erkläre kurz, dass es ums Sehen geht, denke mir nichts weiter zu Spezialistenproblem und Universalwissenschaft, und humple in die Nacht. Justin im Auto hebt angesichts der Papierrolle in meinem Arm den Daumen. Ich erwidere die Geste und steige ein.

Saturday, May 27th, 2006

a.k.a. sucker

Two months ago, the attempt to add a new harddrive to our old home PC backfired gloriously, with first the harddrive not being recognized, and then the onboard controller dying in the fray. Reluctantly I decided to upgrade the main system components, and so I bought a mainboard, processor and memory from Tiger Direct, completing the simple harddrive upgrade, and left with essentially a completely new system. The decision was eased by a substantial rebate offered by Tiger on two of those components.
When it came to claiming these, however, I found that after collecting several documents and tediously typing in information on a rather complex online page, I still had to send in quite a bit of paperwork, so that I then might receive a check in the mail six to eight weeks later. If prepared the letters, put them in my jacket to take to the post office and forgot them there.
Six weeks later I stumble across them, finally send them off, only to then learn that of course the rebate can’t be honored any more, because the time window closed. I write them a friendly email asking for mercy, and receive a cut and paste decline.
Valued customer, that’s me.

Friday, May 26th, 2006

Wundwasser zu Waschlappen

Bei meinem ersten Besuch im amerikanischen Süden, 2000 in New Orleans, wo die Feuchtigkeit damals noch überwiegend in der Luft steckte, und die toxischen Substanzen in den Haaren der Touristen, war mir das Temperaturgefälle zwischen drinnen und draussen eindrucksvollstes Zeugnis des trotzigen amerikanischen Naturbegriffs. Über Flüsse baut man Brücken, die Everglades staut man auf und managt den Sumpf weg, durch Berge bohrt man Tunnel, Alligatoren, Bären, Riesenfaultiere, Mammuts und dergleichen piekst man mit spitzen Sachen tot, und das Wetter, dem mit Muskelkraft nicht beizukommen scheint, muss trotzdem draussenbleiben. Oder so dachte man sich das jedenfalls. Dieses Jahr sind hier im Süden 8 bis 10 Hurricanes angekündigt, deutlich weniger als die 15, die es letztes Jahr gab. Von denen 7 bis 9 angekündigt waren.

Sei dem wie Wolle, weich, fluffig und verknotbar, mir kommt der amoklaufende Naturunterwerfungswille im Moment grade recht. Eiskalt nämlich ist es in diesem Walgreens drin, Sekunden nach dem Eintritt und noch bevor ich mich an der Kasse vorbeigeschleppt habe, schalten die Nervenenden in den unterkühlten Füssen brav auf standby, nur dass statt eines roten Lichtleins, das mir die Batterie leersaugt, ein dumpf ziehendes Kältegefühl aufscheint. Recht so, trotzdem. Vor den etlichen Regalmetern mit Pasten, Tuben, Bandagen und Wasserstoffperoxydbehältern meditiere ich erst etliche Minuten lang, und entscheide mich dann für ein zugesichert schmerzfreies Wundwasser, schmerzfreie Wegwerfwaschlappen und eine Dose Sprühpflaster, der es verdächtig an schmerzfreiheitsbezogener Propaganda gebricht. Vermutlich war auf der Dose kein Platz für entsprechende Zusicherungen, sie ist auch wirklich ziemlich klein.

An der Kasse sitzt eine kugelrunde Frau, addiert Wundwasser zu Waschlappen zu Sprühpflaster und guckt mich nicht an dabei. Mitten auf dem Kassentisch steht ein hässlicher Bilderrahmen, mit dem Foto eines dicken Kindes drin, bei dem es sich, so belehrt mich die handgeschriebene Aufschrift, um die Nichte einer Angestellten handelt, deren kürzlich entdeckten Nichtenkrebs zu bekämpfen man doch bitte eine Spende hinterlegen möchte. Frechheit, geh mir weg, als hätte ich keine eigenen Sorgen. Möglicherweise ja Blutvergiftung zum Beispiel!

Draussen ist es unerwartet viel heisser, als ich gedacht hätte, das ist wohl ein bisschen so wie angeblich mit dem Gebärschmerz, man vergisst sofort, wie schlimm das war, und will dann noch so ein Balg, das dann verfettet und Krebs bekommt, der Kreislauf des Lebens, Hoffnung im Antlitz der Widrigkeit. Hier in der Hitze steht natürlich auch ein Münztelefon, wer bei Walgreens einkauft, kann sich schliesslich kein Händi leisten, und ein rascher Anruf belehrt mich, dass Chris seit einigen Minuten vor Kinko’s lauert und sich allerschlimmste Sorgen macht. Oder jedenfalls ein bisschen wundert. Meinen neuen Aufenthaltsort pronto durchgeben zu wollen sichert mir Ahna gerne zu, es ist ein kleines Wunder, wie diese Menschen sich über Kilometer hinweg miteinander zu verständigen in der Lage sind. Was täte ich nur, hätten nicht so viele meiner Mitmenschen diese rätselhafte und wunderbare Fertigkeit entwickelt?

Vorerst setze ich mich auf den Boden vor dem Telefon und wasche mir jeden einzelnen Keim separat aus der Anatomie, was auch tatsächlich verpackungsaufdruckkonform schmerzfrei vor sich geht. Auch die anschliessende Applikation des Sprühpflasters tut fast gar nicht weh, jedenfalls nicht, bis dann nach zirka einer Sekunde Neuronenbesinnungspause eine feurige Fackel durch mein Bein marschiert und die fünfminütige Schmerzolympiade eröffnet. Immerhin kein Krebs oder dickes Kind, so gesehen.

Thursday, May 25th, 2006

Grand March Fußo

Vorurteile sind angenehme Zeitgenossen. Als ich zum ersten Mal in Kanada landete, wunderte ich mich sehr, dass Toronto nicht wie der erwartete Hochhausdschungel, sondern eher wie eine Waldlandschaft mit vereinzelten Häusern erschien. Und auf der Umzugsreise in die USA war unser Erstaunen gross, nicht schon beim Grenzübergang, spätestens aber im ersten Motel von durchgedrehten Unterhemdträgern oder wildgewordenen Negern ausgeraubt und zu Hamburgerfleisch verarbeitet worden zu sein.

Mittlerweile bin ich natürlich erfahrener, und weiss zum Beispiel, dass nicht dem Fussgänger von Autos Gefahr droht, sondern vielmehr hinter jeder Ecke ein CJ lauert, der armen Autobesitzern das Vehikel unter, natürlich dicken, Hintern wegjackt und dazu weisebricht, Welcome to America, I need this, Do you really want to die for a car, erzähl mir nichts, kenn ich alles. Yeah, it’s heat, fool, what you gonna do now?

Auch hier in Florida ist es heat, fool, aber von der bleifreien Sorte, aus der grossen Himmelskanone, und genau wie im wirklichen Leben von Grand Theft Auto: San Andreas, so droht auch hier im surrealen Südstaat dem Fußgänger aus dem Auto keine Gefahr. Vielmehr fragt der Autofahrer umgekehrt ja im Augenblick mich, den waidwunden Fußlahmen, ob er mich zur Konferenz mitnehmen könne oder sogar solle. Der Teenager auf dem Beifahrersitz guckt derweil interessiert aus dem Gerät heraus. Ich kenne den Herrn zwar nicht, erinnere mich aber, ihn bei Kinko’s in der Nebenschlange stehen gesehen zu haben, und auch von früheren Konferenzen her ist mir das Gesicht bekannt. So also soll meine trotzige Selbstkasteiung vereitelt werden, mit der ich exemplarisch die ganze Herzlosigkeit der modernen Gesellschaft vorzuführen im Schilde führte? Nimmermehr! Aufs Fahrrad zeigend, ziehe ich also die Schultern oberwärts und schüttle das Haupt. Schweisstropfen taumeln perlend wie die Patronenhülsen im Matrixfilm.

That’ll fit in the trunk, sagt der Herr am Steuer. Vermaledeit! Verflixt noch eins! Verjuxt und Zugehupt, Vorurteil ade! Zum Glück erahne ich aber den deutschen Akzent, noch ist also nicht Weltuntergang im Vorurteilspalast, und ohnehin muss ich ja, so schnippelt sich hier unerwartet doch noch eine rationale Zutat in die kopfinnen kochende Denksuppe, erstmal die Wunden versorgen. Und zum Dritten besteht ja immerhin die Möglichkeit, dass Chris nicht nur erreicht wurde, sondern auch schon auf dem Wege hierher ist, und womöglich Schlimmstes annähme, fände er mich nicht vor. Allerschlimmstes! Ich kann also ablehnen, artig danken zusehen, wie sich das Samariterauto in einer Hitzewallung auflöst wie die Rationalität einer Mittvier… also, nein. Man soll nicht jeden infamen Scheiss, der einem in der Sommerhitze so einfällt, auch noch hinschreiben. Nun wirklich nicht.

Durch den Samariterdienst empfindlich in meinem Leidempfinden gestört, hopple ich weiter, das heisst, hoppeln kann man das gar nicht nennen, es ist mehr ein Schnappgang, langsam und gewichtig links, dann ein winziges Schrittchen rechts, ein Rotationskörper in Unwucht, denn der Fuss meldet jetzt doch vernehmliches Unwohlsein über die üblichen Kanäle. Walgreens ist unterdessen erreicht, und lockt klimatisiert und randvoll mit leckeren Medikamenten auf der anderen Strassenseite. Drei der vier Übergänge an der Kreuzung haben eine Fußgängerampel, einer nicht, was nicht nur die von Floridanern sicherlich zu recht gefürchteten Rentnerkreiswanderverkehrsblockaden unmöglich macht, sondern auch als retardierendes Moment meinen Spaziergang noch ein wenig verlängert, ehe dann