Search

Aber alles Gute, Schöne, Wahre, so strahlend und funkelnd es auch ins Haus geliefert wird, und so proper es dann auch auf der Fensterbank steht, oder neben dem Kühlschrank, bringt immer auch die Drohung seines eigenen Unterganges mit, und ein eingebautes Verfallsdatum, eingedruckt am Deckelrand oder dem Becherboden. Man muss nicht an Metaphysik oder Vorbestimmtheit glauben, um zu sehen, dass alles, was entsteht, auch wieder zugrundegehen wird, ganz egal, wie wert es uns während seiner allzu kurzen Existenz geworden ist.
Natürlich hilft dieses abstrakte Wissen im Einzelfall einen Dreck, aber man kann sich wenigstens nicht darauf herausreden, von dergleichen nichts gewusst zu haben, als man in böser Vorahnung am Schloss zupfte, weil der Cichlidenmann nicht herauskommen wollte und so aus der Verantwortung stehlen, oder das geprellte Opfer geben. Die Anschaffung von Fischen, soviel ist klar, beinhaltet nicht nur eine bunte Schau und fröhliches Geschwimme, sondern auch deren körperliches Ende, die Entsorgung des Leichnams eines Liebgewonnenen Freundes, ach, nein, das ist nun interessanterweise auch wieder Quatsch.
Denn wo noch vor Monaten jeder tote Fische als kleines, trauriges Wölkchen ins Seelenbecken umsiedelte, ist der dann wie erwartet tatsächlich tot im Schlossinneren driftende Prachtbarsch zwar ein Anlass zur Melancholie, aber tiefe Anteilnahme will sich nicht recht einstellen. Um die anderen Fische nur besorgt sehe ich mich um, durchstöbere im Sturm alle Winkel und Pflanzen, und finde dann leider tatsächlich noch einen weiteren toten Fisch vor, eine Barbe.
Der Rest der Belegschaft erfreut sich bester Gesundheit, und wo die Seele, kalt und grau geworden, sich um die verendeten Hausgenossen nicht mehr Sorgen mag, übernimmt der Verstand die Regie und bemüht sich um einen Kurzfilm über das Fischsterben. Denn, so sagt sich der Verstand, wenn wir nur begreifen und komplett durchleuchten, wie es dazu kommen konnte, dann können wir kommende Generation vor dem Schlimmsten bewahren. Ein derartiger Idiot nämlich ist der Verstand.
Die Barbe, das ist immerhin schnell ermittelt, ist eine aus der ursprünglichen Besatzung, und also ein Augustusopfer. Mit angegriffenen Flossen und eingefallenen Flanken sah der Fisch seit Tagen schon mehr tot als lebendig aus. Hier also ist nichts weiter zu befürchten, individuelle Siechheit ist nämlich nicht ansteckend, zumindest stelle ich mir das so vor.
Der Purpurprachtbarsch andererseits erfreute sich bester Gesundheit, ein Purpurprachtkerl von einem Fisch war das, und nun, weh, ist er tot. Weshalb aber? Ein furchtbarer Verdacht schlüpft aus winzigen Eiern und nistet sich ein; aber ich greife vor, und das soll man nicht.
Wo wir aber grade von Eiern reden: einige der Pflanzen hatten wohl wirklich Eier draufgepappt, denn wie aristotelisch aus dem Urschlamm herausgezeugt krabbelt nun zielstrebig ein winziger und noch ganz neuer Schneck übers Gemüse hin, ein Hoffnungsschimmer, ein Zukunftsfunke. Oder was.

Deprecated: Function link_pages is deprecated since version 2.1.0! Use wp_link_pages() instead. in /mnt/web224/a3/17/5110917/htdocs/engine/wp-includes/functions.php on line 6170

Something to say?

Warning: Undefined variable $user_ID in /mnt/web224/a3/17/5110917/htdocs/engine/wp-content/themes/wuhan/comments.php on line 73