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Während nun die frisch gestorbenen Fische trocknen, auf dem kleinen Brettchen im Bücherregal – seine Geschichte erzähle ich später – ist die Gelegenheit günstig für ein wenig Reflektion. In der letzten Folge ging ich leichthin drüber hinweg, aber zuletzt ist es doch beunruhigend, dass die Empathie für die kleinen Flitzer so sehr abgenommen haben soll.
Zwar war natürlich andererseits das Heulen und Wehklagen über eines Fisches Tod, während vielleicht im Hintergrund grade ein Rindersteak in der Pfanne schmurgelt, auch weder angemessen noch würdevoll, aber die fast schon gleichgültige Akzeptanz der Sterberei kann als anderes Extrem nun auch wieder nicht gutgeheissen werden. Verroht die Aquaristik ihre Betreiber?
Verwunderlich wärs nicht, denn zuletzt ist die Mischung aus Allmachtsphantasie des Schöpfungsverwalters Mensch, die ja in jedem Haustier von neuem sich ihrer Relevanz versichert, und fühllosem Wesen der Natur, die in diesen Becken auch nichts anderes tut als was sie draussen vor den Fenstern rund um die Uhr praktiziert, ja durchaus eine tragische. Denn so sehr die Einrichtung, Bepflanzung, Befischung und Bewunderung eines Aquariums das Gefühl vermitteln mag, man habe nun Schnitter Tod und Schubser Krankheit ein Schnippchen geschlagen, und qua Zivilisationsprozess den Ausgang aus dem langen, feuchten Tunnel Evolution gefunden, so kurzsichtig sind dergleichen Vorstellungen andererseits. Man kann sich noch so viele Fläschchen und Pulver unter den Tisch schieben, in einem eckigen Weidenkorb, am Ende wird doch der Löffel abgegeben und krepiert, und dann trocknet man auf dem Brettchen, seine Geschichte kennt ihr ja schon. Oder beziehungsweise eben noch nicht.
Und obwohl also am Ende der Tod lauert, stimmt natürlich auch, dass zwischen dem Schlüpfen und dem Krepieren ein ganzes Fischleben liegt. Mir wäre Rumschwimmen und Sachen Fressen zu wenig auf Dauer, aber den Fischen ist es offenbar genug, sie kennen nichts anderes, und wenn auch am Ende dieses verflixte Brettchen wartet, muss man den Tieren die Zeit bis dahin so gut wie möglich einrichten.
Und also Ursachenforschung betreiben. Es begab sich nämlich, dass schon zu der Zeit als die Prachtbarsche noch ganz nagelneu waren, mir sonderbare rote Dornen oder Fussel auffielen, die aus dem Barscharsch ragten und sich gelegentlich, wie von eigenem Leben erfüllt, bewegten. Das Internet wusste dazu nichts, weder, ob Prachtbarsche über Arschlametta verfügen, noch wusste es von Parasiten, die hinten raus gucken, und ich liess die Fussel auf sich beruhen.
Nun, um einen toten Fisch reicher, trage ich die Lamettabeobachtung erst zu den Fischhändlern, die sich zu einer munteren Dreiergruppe voll Kompetenz und Wissen zusammenrotten, und dann gemeinsam den Tanz der Ratlosigkeit tanzen, und dann zurück ins Internetz, in dem doch angeblich alles drinstehen soll. Und als habe der Tod des Tiers das vermaledeite Netz gefügig gemacht, gibt es die geforderte Information nun tatsächlich doch noch her. Camillanus heissen die Würmer perverserweise, sie fürchten sich vor Fenbendazol und fressen die Fische von innen her auf. Und das Prachtbarschmädchen trägt sie mit sich herum.
Hört das denn nie auf?

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