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Wenn man ein wenig in der Grundsubstanz rührt, auf der alle Existenz ruht, steigen, aufgestört durch dieses Rühren und durcheinanderwirbelnd, Schwaden von sich zersetzenden Partikeln der Vergangenheit auf, Fragmente von Ereignissen und Gelebtem in sich rasch zerteilenden und mischenden Wolken. Die schwereren Brocken sinken sogleich zu Boden und verschwinden wieder, unverdaulich und ungesehen, im Unterbau, aber die leichteren Stücke, schon von organischen und chemischen Kräften angegriffen, bleiben sichtbar und in einem Schwebezustand gehalten. Sie zeigen durch ihre Bewegung und ihre wechselnden Konstellationen die ansonsten unsichtbaren Strömungen und Bewegungen der sie tragenden Gegenwart des Wassers an.
Genug der verkorksten Geschichtsmetaphern, hier ist natürlich die Rede ausschliesslich vom Aquarium, man konnte es sich ja schon denken, und die Brocken sind keine unverarbeiteten Angriffskriege oder Freundesgeheimnisverrat, sondern von Würmern und Bakterien angenagtes Halbverdautes und zerfallende Pflanzenbrocken. Es kommt zwar am Ende sozusagen aufs Gleiche raus, weil man so wie so nicht recht klarsieht, aber da endet die Parallele oder Allegorie auch schon wieder. Sprechen wir nicht mehr davon.
Fast nun ist es schöner, diesen schwebenden Müllflocken beim Schweben und Tanzen zuzusehen, als den sie erzeugenden Fischen beim Schwimmen und Fischsein. Zum einen gibt es viel mehr Flocken als Fische, zum anderen aber besteht ja keinerlei emotionale Bindung an ein Stück Gärschlamm, und das Schicksal des je einzelnen Brockens kann dem Betrachter also völlig piepe sein. Dieses hässliche Wort habe ich übrigens nur gebraucht, um das schiere Ausmass der piepegalen Gleichgültigkeit noch ein bisschen abscheulicher greifbar auszudrücken.
Der Leser fragt sich nun vielleicht, was an einem piepen Rudel Dreck interessant sein soll, und er fragt sich das zu recht, denn das wichtigste Detail des ganzen Arrangements habe ich noch nicht erwähnt: den Filteransaugstutzen, links hinter dem Schloss. Auf etwa zehn Zentimetern befinden sich hier zahlreiche kleine horizontale Schlitze in einem schwarzen Plastikzylinder, durch die stetig Wasser angesaugt und dann durch den Filtersack gepresst wird. Klar kommt das Wasser sodann wieder zurückgeplatscht oder ohne sichtbare Bewohner. Was der Filterstutzen einmal hat, das gibt er nicht wieder her.
In weitem Umkreis um den Stutzen befindet sich das Medium in Turbulenz, und es ist der Kampf der Schwebeteilchen gegen den Sog der Löcher im schwarzen Stutzen, der den Geschehnissen ihre Würze gibt. Wird dieser organische Klumpen von einer aufwärtsführenden Strömung ergriffen noch eine Kreisbahn drehen können, oder fasst ihn überraschend der nahe am Zylinder bestehende abwärtsführende Sog und zieht ihn unaufhaltsam ins Dunkel? Stück um Stück verschwinden die Verunreinigungen in den Öffnungen, es ist ein Freudenfest für die Sinne, vor allem für den Zerstörungssinn und die Lust am Untergang. Wohl zehn Minuten dauert es, bis ein aufgeworfenes Müllgestöber eingefangen und abgesaugt ist, und in diesen zehn Minuten bleibt die Welt stehen und wird Strömung. Paradox, aber wahr.
Danach dann wieder Fisch.

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