Einstweilen lenken aber vorgezogene Frühlingsfeste von den sich entwickelnden Problemen ab. Eine leise Tanzmusik durchweht die Fluten, und die Männchen, die man wie beim Menschen an ihren gockelhaft aufgestellen bunten Rückenflossen erkennt, drängen die Weibchen zu Tanz und Tollerei. Augustus und ein namenloser Kollege jagen eine der gestreiften Frauen die Plexiglaswände auf und ab, und sie lässt es sich, soweit sich das sagen lässt, gern gefallen. Jedenfalls öffnet und schliesst sie lüstern und geradezu paarungsbereit den Mund. Oder eben atmend und genervt, oder was, als Mann ist man beim Beobachten von derlei Material ja immer gehandicapt. Das geht auch Augustus und seinem Fischkollegen so. Fast schon reisst das Jagdgeschehen nämlich sich nun ganz von der Fraunsperson los, eine Fischmännerschlägerei droht sich zu entspinnen, ein Wettlauf der Gockel, ein Paradeprachtreiten der Seehengste, aber dann besinnt sich Augustus doch noch eines Besseren, schlägt flink einen unerwarteten Haken und schwimmt wieder wie eine flossige Gentlemanattrappe neben der Frau dahin. Freilich nur sekundenlang, dann hat der Konkurrent den Braten gerochen und rückt erneut zum Schwanzflossenvergleich herbei.
Aufgrund des mechanischen Wesens des Fisches muss das Geschilderte nunmehr in zahlreichen Wiederholungen immer und immer wieder geschehen, ehe dann vielleicht was Neues geschehen kann, und wir wenden unsere Aufmerksamkeit also besser Anderem zu.
Zum Beispiel den beiden kleinen blauen Fischen, die über dem höchsten Schlossturm, Nasengewebe an Nasengewebe einander gegenüberstehend, ein gemeinsames Zentrum oder Gefühl umkreisen, Eskimosküsse im Warmwasserbad, Liebesballett der Kleinwirbler. Es ist nicht recht zu begreifen, was die Fische dabei antreibt und worin der Lohn der Mühe für sie bestehen mag, ein kleines, blaues Wohlgefühl wird es wohl sein, in den kleinen blauen Köpfen, ein Schwingen der Fischneuronen in Einheit und Gleichklang über den tiefen Wassergraben hinweg, der zwischen den Individuen gähnt, die Genugtuung eines vorübergehenden Betrugs am Weltgeist, der Symbole der Einsamkeit in die Fischherzen gemalt hat bei ihrer Erschaffung. Dann trennen die beiden Fische sich wieder und schwimmen ihrer Wege, der eine links ums Schloss, der andere rechts, wo ihm schon Augustus entgegenrast, scharf abbremst, gegenlenkt und der Gestreiften quer und mit quietschenden Flossen den Weg abschneidet.
Komm, Puppe, hüpf rein.
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