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Schlimm hingegen steht es um eine der Barben, ein Weibchen, wie ich aus Gründen der genauen Beobachtung und des Fischsexualisierungshalbwissens zu wissen glaube. Hinten unten an der Schwanzflosse zeigte sich erst weisslich eine Art Flossenrand oder Ornament, Adoflosse mit der Weisskante, quasi und also möglicherweise eine Aufwertung des Fisches im Hinblick auf einen Weiterverkauf auf Ebay oder in der Fernsehwerbung. Dann aber, wie die Feuerrinde an einem verbrennenden Blatt Papier, frass die Kante sich vorwärts durch die Flosse, und liess nur verbranntes Wasser hinter sich zurück.
Kaum war mir das nun aufgefallen, da fiel noch mehr; nämlich mir auch rückwirkend wieder ein, dass schon seit einer Weile ja diese eine Fischin – die grösste der drei blaugrünen – zerrupft und flossenkarg ausgesehen hatte. Die Knochenstrahlen der ventralen Bauchflossen unverbunden abstehend, auch die Flossenhaut der Analflosse angegriffen, und die der Dorsale mit Lücken zwischen den Flossenstrahlen, deren Aufrichten, herbeigeführt durch eine Kontraktion der Körpermuskulatur in Vermittlung durch die Flossenstrahlträger, kaum zum gewünschten Effekt der Beeindruckens zufälliger Betrachter oder vorüberschwimmender Kobarben, sondern eher zu mitleidigem Abwenden der vorgenannten Bevölkerungsgruppen führt. Sofern der Fisch denn überhaupt des Mitleidens mächtig sei wie der Mensch. Zweifelhaft, aber man weiss es nicht und muss das Beste annehmen und ein Optimist sein auch unter Wasser und den schlimmsten Bedingungen.
Nun aber ist hier ja über das blosse zerfranste Aussehen hinaus ernstlicher Flossenfrass im Gange, und das kann nun freilich selbst unter der wohlwollendsten Lesart nicht angehen. Der Fisch als solcher benötigt zur Fortbewegung die Flosse, und ist ihrer schon um seiner Freizügigkeit willen also nicht zu berauben; zudem und vor allem aber ist die körperliche Unversehrtheit ein Grundrecht auch und grade in Badewannen, alten Blumenkästen und ähnlichen Behältern, und somit der am Fisch entstehende Schaden ein Schaden am moralischen Kode des Universums selbst. Ein Schlag mithin ins Gesicht der gütigen Ordnungsmächte, die womöglich irgendwo da draussen wohnen, und nur das Beste für alles organische Leben im Sinn haben. Oder im lichtschluckenden Monolithen, oder dem Warp-Kern, oder wo die Ordnungsmächte das universelle Beste eben aufbewahren.
Man möchte die Existenz solcher Mächte ja manchmal andererseits durchaus bezweifeln. Eine sofortig durchgezogene Wasserstichprobe nämlich findet keine Mängel, die optische Inspektion von Vegetation und Bebauung gleichfalls zeigt keine Verdachtsmomente und mithin also bietet sich hier kein Ausweg halbnackt und hüftschwingend am Strassenstrich der Geschehnisse an. Nur der Flossenfrass selber zeigt, dass hier nicht alles Fisch und gut ist im Staate Dänemark, sondern manches auch Fleisch ist, und böse. Das dann auch noch unter meinen wachenden Augen langsam zu Gras wird und hinwelkt. Beziehungsweise eben zu Spinat. Dansk Jävlar Ordnungsmacht!
Das lähmende Gefühl der Hilflosigkeit immerhin, das jetzt grade einsetzt, kenne ich schon. Hallo, alter Freund.

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