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Lederpöang wippt leicht unter meinem Gewicht, Echo der von hunderten von jungen Paaren ausgelösten Schwingungen, die durch den Boden der Dauerausstellung im ersten Stock des IKEA Emeryville laufen, ein andauerndes, leises Erdbeben. Ich bin erschöpft von gar nichts, Begleiterscheinung der Rekonvaleszenz, und beobachte das Stuhltestverhalten der IKEAkunden. Eine junge Japanerin läuft vor mir vorbei, zieht am Bezug von Pöang, findet nichts, geht scheinbar wahllos zu zwei anderen Sesseln inmitten der gut zwei Dutzend, die hier stehen und kontrolliert die Lücke zwischen Rückenpolster und Sitzpolster, vielleicht braucht sie Kleingeld für eine Waschmaschinenatrappe. Eine weitere Japanerin gesellt sich dazu, sie kommunizieren ohne Worte, weitere Stühle werden getestet, noch immer wahllos. Eine dritte kniet sich vor einen Roterstoffbezugpöang mir gegenüber, stellt eine grosse Vase mit einer Handbreit Wasser und einem lebenden Goldfisch darin neben sich ab, und sucht das Fahrwerk des Sessels ab. Ich stehe auf, obwohl ich noch immer müde bin, und gehe weiter.

2
Die junge Frau ereicht die mässig vollbesetzte Cafeteria nach ihrem Einkaufswagen, aber vor den beiden älteren Frauen, die sie begleiten. Sie setzt sich an einen der grossen, runden Tische, parkt ihren Einkaufswagen so, dass er vier Sitzplätze blockiert, setzt sich selbst auf einen freien Stuhl und legt die Beine auf einen der blockierten Stühle zu ihrer Linken. Während der gesamten Zeit, die ich am Tisch sitze und Koettbullar in mich hineinrolle, sehe ich aus dem Augenwinkel ihre Schuhe auf dem Stuhl wie einen blutigen Verkehrsunfall, und ärgere mich über ihre rücksichtslose Verwöhntheit und meine eigene moralische Projektion zu gleichen Teilen.

3
Das kleine Apartment, das an einer Biegung des durch den Ausstellungsraum führenden Wanderweges liegt, wird offensichtlich von jungen Smarties bewohnt, auf dem Beistelltischchen liegt ein Wired, auf allen waagerechten Flächen stehen Flachbildschirmattrappen und simulieren Modernität. Ich allerdings bin mehr an der Eckcouch interessiert. Sie liegt voller nickliger Kissen, die in diesem allegorischen Gemälde wohl die Geschmacksarmut des jungen Programmierers vertreten, und die sich nun auf einen sich türmenden Haufen konzentriert finden. In die entstehende Kissenlücke sinke ich, und blättere blicklos im Wired. Excuse me, sagt eine Frau, als sie mir nahekommt, um ein Möbel zu inspizieren, als sei das hier tatsächlich mein Wohnzimmer. Derart aus der Mediation gerissen, blicke ich um mich, und entdecke auf der Korkwand, die offenbar für jedes Familienmitglied einen Abschnitt hat, einen Zettel mit der Aufschrift “I hate you”. Beim Versuch, ihn zu fotografieren, verhakt sich etwas in der Mechanik des Kameraspiegels, der Bildschirm zeigt Err 99, und die Kamera versagt den Dienst.

4
Kurz vor den Kassen des Möbelmolochs hat der Schwede die As-Is Abteilung montiert. In der As-Is Abteilung stehen leicht angeschimmelte und -dellte Möbel und warten auf neue Herrchen, die sie adoptieren. Oder sich auf sie draufsetzen und wegdriften, so wie ich und die Frau neben mir. Zwischendurch erwache ich mehrfach aus dem Dösen und beobachte, wie die Menschen zu meiner Linken den As-Is Bereich betreten, und ihn nach einer Schleife durch die Wrackversammlung hinter mir zu meiner Rechten wieder verlassen. Ein junges Paar bleibt am Rande meines Blickfeldes stehen, diskutiert, dann scheint eine Entscheidung gefallen und er geht resolut davon und beginnt, Waren von einem Einkaufswagen zu laden. Gemeinsam wuchtet das Paar einen ausgesprochen hässlichen Eckschrank auf den nun leeren Wagen. Wieder entspinnt sich nun eine Diskussion zwischen den beiden.
Unterdessen kam die Begleiterin meiner Nebensitzerin zurück, “where is our cart” fragt sie, und meine Nebensitzerin deutet vage vorwärts, “over there, the one with the flat stuff”. Beide begutachten nun die pappschachtelfarbenen Pappschachteln, und kommen aber rasch zum Schluss, dass das nicht ihr Wagen ist. Sie blicken sich, sehr ratlos, um, und kurz bevor sie ihre ausgewählten Möbel an der Seite eines Ausstellungsstückes lehnend finden, setzt auch in meinem Kopf Dämmerung ein.
Hektischer blicken die beiden Frauen nun um sich, eine nähert sich dem hässlichen Eckschrank und dem ihn bewachenden Weibchen, “did you take a cart from over there” fragt sie, die Antwort ist unhörbar, aber wie aus dem nichts taucht jetzt das Männchen des Weibchens auf, und beide schnüren, Eckschrank und einen zweiten Wagen im Schlepptau, davon. Ratlos zurück bleiben die beiden geprellten, die offenbar nicht nur bestohlen, sondern auch noch belogen wurden, und ich muss erneut den Fläzort wechseln, des guten Geschmacks wegen. Einkaufen ist anstrengend.

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