Search

Die Katze ist ein Parsprototo, wie der Tisch, unter den man sprichwörtlich seine Füsse steckt für nicht nur das ganze Haus, sondern obendrein die darin symbolisierte elterliche Fürsorge stehen soll, so soll ein zwei Meter durchmessender Katzenafter hier die Katze ersetzen. Kein Wunder tanzen da die (Geld-)Mäuse auf dem OP-Tisch, fantasiere ich mir irgendeinen sozialkritischen Murks zusammen, während ein weiterer Fremder, ein Schiff in der Nacht – längst habe ich zu zählen aufgehört – die aus dem After ragende Katzenzunge absenkt, damit ich mich von der Patientenliege aus rübermachen kann.

Er sagt nicht viel, das hat er mit der Schwester gemein, die mich hier in Ego-Shooter-Manier durch die verlassenen Gänge schubste, Türen öffnete und schwungvoll Kurven nahm, aber jetzt muss er doch was sagen, nämlich belehrt er mich, dass die Katze gleich wollen würde, dass ich die Luft anhalte. Sie sage das aber gleich auch noch mal selbst, die Katze. Ich glaube, ich mag Morphium gerne.

Jetzt deckt er mich auf meiner Zunge noch mit etwas schwerem zu, dann geht er raus und wir sind allein, der Katzenafter und ich. Es klickt, es rumpelt, die Zunge zuckt und zieht mich rasch durch den Ring, hält an, dann fängt der Katzenarsch zu rotieren an, allmählich geht mir das ein bisschen zu weit, aber es ist zu spät. Breathe in, sagt die Katze jetzt tatsächlich, und: hold your breath, und zeigt digital an, wie lange noch, 38, 37, man kann es sich ja vorstellen. Ganz schön lange, eigentlich. Scheisskatze. Geht aber überraschend gut, vielleicht ist auch Luft in der Droge. Oder vielmehr: Sauerstoff. Mit Stickstoff kommt man hier nämlich nicht weit.

Jetzt kurbelt der fremde Mann die Katzenzunge samt Ichkadaver wieder nach oben, ich ruckle mühsam zurück auf meine Bahre, und dann spielen wir das Level rückwärts, alle Türen, Gänge, Ecken, und noch immer sind keine Monster drin. Aber ich bin sowieso unbewaffneter als je zuvor im Leben und wäre leichte Beute. Bzw bin.

Soweit also die Katze. Es ist unterdessen wohl zwei Uhr früh, im Unterleib regt sich der Schmerz, mein alter Freund, aber schon ist auch wiederum Eimer zur Stelle und pumpt neue Droge in mich rein. Gelähmt beobachte ich, wie vier kleine Luftbläschen den Schlauch entlang driften und in meinem Arm verschwinden, der alte Mordtrick aus dem Dutzendkrimi – Herzversagen, Herr Kommissar, ein natürlicher Tod – und von der tatsächlich rasant einsetzenden Todesangst wird mir kurz warm ums Herz. Es passiert aber gar nichts.

Deprecated: Function link_pages is deprecated since version 2.1.0! Use wp_link_pages() instead. in /mnt/web224/a3/17/5110917/htdocs/engine/wp-includes/functions.php on line 6170

Something to say?

Warning: Undefined variable $user_ID in /mnt/web224/a3/17/5110917/htdocs/engine/wp-content/themes/wuhan/comments.php on line 73