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Die Schmerzintensität, das muss man erklärt bekommen, wenn man es noch nicht weiss, weil man alleine vermutlich nun doch nicht draufkäme, wird in der Notfallmedizinischen Abteilung des Alta Bates Krankenhauses in Berkeley, und vermutlich ja insgesamt im Notfallsystem wenigstens der USA, wenn nicht gleich rundum der ganzen sogenannten zivilisierten Welt, auf einer Skala von eins (1) bis zehn (10) gemessen, und zwar durch Nachfrage beim Patienten.

Eins bedeutet angeblich “kein Schmerz”, wobei sicherlich zur Eichung der zugrundeliegenden Skala von Hintergrundschmerzen wie Heimweh, Zivilisationsmüdigkeit oder Phantomangst abgesehen werden soll. Zehn, andererseits, sei der Zustand, in dem man erwarte, sich zu befinden, nachdem man von einem Bus angefahren worden sei. So jedenfalls erklärte man es mir im Ambulanzfahrzeug, vielleicht kontextspezifisch. Wie gross der Bus gewesen sei, fragte ich keck zurück, der Frage wegen werden meiner Antwort vermutlich gleich zwei Schmerzpunkte wegen Renitenz abgezogen worden sein, und eine Antwort gabs natürlich auch keine. Fünf, behauptete ich, einigermassen haltlos, im Krankenwagen, sei die korrekte Lösung der Aufgabe.

Jetzt in der Notaufnahme, umkreist von Eimer und Schnauz, lege ich nach. Ohnehin hat sich die Skala plötzlich geändert, jetzt soll zehn plötzlich nicht mehr den Zusammenstoss mit einem Bus unbestimmter Grösse, sondern gleich den allerschlimmsten Schmerz vertreten, den man sich vorstellen kann. Das ist natürlich ähnlich kompletter Unsinn, wie nach der grössten Zahl zu fragen, obendrein kann man sich Schmerzen nicht merken, dafür hat unser Gehirn gnädigerweise keine Schublade eingerichtet, und also sind akute Schmerzen immer erheblich schlimmer, als man sie sich je vorstellen hätte können, aber ich will lieber keine komplizierte Diskussion mit Schnauz oder Eimer vom Zaun brechen, und denke mir eine Sieben aus, hauptsächlich, um mir Bewertungsspielraum nach oben zu lassen. Aber dann wirkt, nach überraschenden zwanzig Minuten, doch noch das Morphium, und die Sache fängt ziemlich unvermittelt an, mir ein bisschen Spass zu machen.

Schnauz zeigt auf meinen Bauch, man habe Blut abgenommen und sehe grade nach, ob da zu viele Weisse drinseien, hier an der Stadtgrenze zu Oakland wäre das natürlich ein Problem. Man unterziehe mich jetzt ausserdem der Katze. Es könne nämlich der Anhang sein, aber wenn die Katze nichts zeige, müsse man womöglich bis zum Vormittag warten, da hätten die Katzen Schichtwechsel oder was, ich habe aber längst den Faden verloren, gucke dankbar zu Caroline, die sich den ganzen Zirkus mit antut, obwohl sie von keinerlei ausgedachtem Bus angefahren wurde, und surfe ein bisschen auf der warmen Drogenwelle.

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