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Irgendwo im zentraleuropäischen Hinterland, im Erzgebirge ja wahrscheinlich, dessen Bewohner ja offenbar einige Evolutionsschritte übersprungen haben und direkt vom Baum runter in Nickligkeitsschnitzwerkstätten gestiegen sind, bauen Menschen, denen es sonst an nichts gebricht, kleine Türmchen mit Achse drin Propeller drauf, und Platz für eine Kerze innendrin, und mit zahlreichen winzigen Figürchen drauf. Die Heissluft, die in der Verbrennungshitze der Kerzenflamme aus der gewöhnlichen Zimmerluft entsteht, steigt im Inneren des Türmchens auf, die Schrägstellung der Propellerflügel erzeugt aus der Linearbewegung ein Drehmoment, die Achse rotiert, und die Figürchen, aufgereiht, beginnen am entzückten Betrachter vorbei zu marschieren. Man sagt Oh!, wenn ein besonders schönes vorbeikommt, bis dann die Kerze erlischt und der Spass ein Ende hat.

So ist es hier jetzt auch, die Kerze wird irgendwo im Krankenhauskeller stehen, und in unermüdlicher Folge propellert es Gesichter und Uniformen an mir vorbei, tut es weh, wo tut es weh, wo tat es zuletzt weh, tut das weh, wann fing es an, wehzutun. Ich begreife nicht, woher die alle kommen, sind es Schichtwechsel, oder ist den Leuten hier so langweilig, dass sie alle den maroden Deutschen sehen wollen. Es kann doch nicht sein, dass man fünf Dutzend ausgebildete Hemdchenträger braucht, um einen einzelnen wimmernden Narren zu versorgen, aber sie kommen und kommen, eine endlose Kette und wie die Erzgebirskarussellzuschauer sage ich brav “Au” für einen jeden und winde mich ein bisschen. Es scheint ihnen zu gefallen.

“He’s not going to kick the bucket yet” sagt einer der Bearbeiter, ich werde ihn zur Strafe Eimer nennen. Nimm das, Eimer. Er kommt mir sowieso bekannt vor, das ist derselbe, der mir vor einer halben Stunde eine winzige nierenförmige und hautfarbene Plastikschüssel gegeben und um Erbrochenes gebeten hat. Mir wurde allein von der Vorstellung, eventuell in ein hautfarbenes Nierbenbeckchen kotzen zu müssen, natürlich auf der Stelle sehr schlecht, ansonsten kam es aber zu nichts weiter. Auch das etwas grössere Plastikding, das Eimer anlieferte, nachdem er meinen vertrauensfernen Blick aufs Nierenschälchen richtig deutete, wird diese Nacht jungfräulich überstehen wie eine Dotterblume den Junimond. Eingeklammertes Fragezeichen.

Man sticht jetzt natürlich auch längst wild in mich hinein, praktisch jedes der Erzgebirgfigürchen zapft sich am Hahn in meiner Armbeuge ein wenig vom Roten und trägt es weg, in unterirdische Operationskammern. Eine der Figuren, sie trägt Schnauz und ist also wohl Arzt, nimmt sich eine Extraportion, und gibt mir im Austausch irgendwas gegen Übelkeit und etliche Fingerhüte Morphium. Guter Tausch. Sehr guter Tausch.

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