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Friday, July 28th, 2006

Vorm Fenster

Auf der ganzen Etage gibt es keine Klimaanlage, nur ein paar Zentimeter Dach trennen uns alle von der Sonne Griechenlands. Draussen hält der Pazifik ihr Wüten in Schach, hier drin weht nur manchmal ein leises Lüftchen durch die gekippten Panoramafenster. Jetzt aber weht es nicht, sondern brummt, ich blicke auf und sehe mich Auge in Auge mit dem Vogel, der offenbar kurz einen Vorstoss ins Innere erwägt. Der heisse Feueratem, der ihm entgegenschlägt wird ihm die Schnapsidee ausgetrieben haben, surrend jedenfalls verkrümelt sich das Flugtier.

Thursday, July 27th, 2006

Rechtfertigungsloser Schreck

little boxes.jpg Eine Briefsendung nach Arizona und also ins weitgehend unbekannte, wüstenhafte, coyotenvolle, liegt geschnürt neben mir und wartet auf die Postkutsche. Gäbe ich, fällt mir plötzlich auf, die Anschrift in die Röhren der Internets hinein, ich könnte wohl eine Ansicht des Empfängerhauses wieder aus ihnen herausziehen. Der Schreck, den ich dann bekomme, als ich die Luftaufnahme der Vorstadtsiedlung sehe, ist freilich durch nichts zu rechtfertigen.

Thursday, July 27th, 2006

Rad ab

Etwas ist nicht, wie es sein sollte. Nähere ich mich mit dem Rad auf einem Strassenabschnitt ohne wegen vorhandener Einfahrten abgesenkter Bordsteine, und will ich nicht auf der Strasse bleiben, bleibt nur die Wahl zwischen Absteigen und zweiphasiger Gewichtsverlagerung, mittels derer zunächst das Vorder-, anschliessend das Hinterrad über die mitunter erstaunlich hoch aufragenden Barrieren zu wuchten sei. Klappt eigentlich auch ganz gut.

Diesmal aber ist was nicht, wie es soll, und nach ein paar Sekunden weiterrollen wird auch klar, was: das Vorderrad ist aus der Gabel gerutscht. Zwar wurde es von den Bremsklötzen zwischen den Gabelzangen gehalten – der Grund, aus dem ich noch im Sattel sitze – aber die Achse sitzt nun exzentrisch und nur noch locker im Achsenhalter. Im ganzen eine Erkenntnis, die man nur ungern hat, während man flott bergab kullert. Ich rolle zum Glück aber langsam bergauf, steige ab, der Blitzverdacht, jemand habe aus Radklaugründen flugs die schnelllösenden Muttern aufgedreht, bewahrheitet sich nicht, die Flügel sind in Radfestklemmstellung.

Auch nicht besser.

Tuesday, July 18th, 2006

Draussenbleiben

Das Meer ist Gemeingut, der Strand bis zu einem zweifellos in einer Verordnung festgelegten Abstand von der Flutlinie ebenso, aber direkt dahinter können Privatgrundstücke liegen. Aus diesem Grund steht entlang des Highway 1 oftmals der Strandzugang extra auf Schildern dort erwähnt, wo zwischen zwei Anwesen eine öffentliche Strasse sich zum blockierten Gemeingut abwärts schlängelt. Man mag sich über diese Unterhöhlung der Gemeinfreiheit empören, umgekehrt aber hat natürlich die Blockade auch ihr Gutes – indem nämlich nicht überall Horden von Urlaubern Bierdosen und Plastikflaschen im Sand zurücklassen und die Hottentottenfeige in Grund und Boden walzen, sondern eben nur an den öffentlichen Stränden. Der Rest liegt privat und in Frieden,

Monday, June 26th, 2006

Zwei Kreuzungen

Die Motorhaube senkt sich dem Belag zu, der Wagen bremst und wird also, wie vorgeschrieben, am Stoppschild für einen Moment zur Ruhe kommen. Ich selbst rolle ungebremst weiter, aber schliesslich bedeuted es für mich auch eine Anstrengung, das Rad zum Stehen zu bringen und anschliessend wieder ins Rollen. Die Ausnutzung der kleinen Pause zwischen dem Anhalten und Anfahren der Autos an diesen Kreuzungen zum strengenommen regelwidrigen Durchrutschen ist mir darum zur Gewohnheit geworden. Diesmal aber hebt sich die Motorhaube noch im selben Sekundenbruchteil – das Stoppschild wird nicht geachtet, sondern nur mit einem angedeuteten Nicken zu Kenntnis genommen – und das Auto prescht quer in meinen Weg. Ich presse beide Bremshebel, lenke zugleich nach rechts und verlasse die Kreuzung in Gegenrichtung zum einschiessenden Auto, noch ein weiteres muss ich passieren lassen, ehe ich wenden, erneut rechts abbiegen und meinen Weg fortsetzen kann.

Zwei Querstrassen weiter steht der Pickup schon halb in der Kreuzung, als ich ankomme. Er hat gehalten, um einen Radfahrer vorbeizuwinken, und winkt nun auch mich durch. Das tun sie gern, aus vermeintlicher Höflichkeit ein Element der völligen Unberechenbarkeit in ihrer Blechtrajektorien einbauen, sodass unsereins ständig um Leib und Leben fürchten muss. Auf der zweiten Spur neben ihm schickt sich ein weiterer Wagen an, in die Kreuzung einzufahren, tut das, fährt vor mir durch, und noch immer winkt der Mann im Pickup. Ich bleibe stehen.
Er winkt.
Ich stehe.
Schliesslich wird es ihm zu dumm, er tritt aufs Gas, mit einem enormen Knall zündet sein Gerät fehl, macht einen kleinen Satz vorwärts und verlässt das Schlachtfeld. Das Summen in meinem Ohr lässt ein wenig hügelaufwärts dann wieder nach.

Monday, June 26th, 2006

Peter Singer – Hegel (1)

hegelpastmasters.jpg I came across this book on one of the shelving carts in the main UC Berkeley library while searching for a completely different one that had gone missing (and sadly hasn’t been located since). Its author, briefness and subject matter immediately commanded my attention, and after having read it, I’m happy I stumbled upon it. This brief treatment of Hegel’s work is a small miracle, capturing his theory of history, dialectics and the master/slave dichotomy rising from his theory of Selbstbewusstsein, and in turn giving rise later to Marx’ alienated labor. A wonderful introduction, and a solid argument for libraries where books are accessible rather than being ordered from closed stacks through a catalogue.

Tuesday, June 20th, 2006

Nacht, draussen

Es ist unerträglich heiss im Zelt und im Kopf. In der ersten Nacht hatten wir darum das Überzelt nicht aufgezogen; ein kurzer tropischer Schauer in den frühen Morgenstunden sah uns durch den Sand unter palmenförmigen Schatten taumeln und mit Zeltstoff wedeln. Zwar sah es am zweiten Abend nicht so sehr nach Regen aus wie am ersten, der Stoff blieb aber trotzdem drauf. Ein lautes Geräusch und heftiges Schnaufen setzt sich breit auf den Zaun zwischen Schlaf und Wachen, und langsam driftet mein Gehirn aus schwitzendem Halbschlaf ins Halbwachsein herüber. Vielstimmig schnauft es jetzt, schmatzt auch. Vorsichtig unbesorgt – Schwarzbären gibt es nicht, Alligatoren schnaufen und schmatzen nicht – werfe ich Licht auf meine Theorie und finde sie vierfach bestätigt, die Tiere schauen nur flüchtig in meine Richtung und widmen sich dann wieder dem Frühstück, das wir leichtfertig nicht ins Auto sperrten und das uns nun entweicht.

Friday, June 16th, 2006

Kopflose Vergangenheit

Als sich die Hohlwelt-Anhänger Teeds in Estero niederliessen, gab es hier an Floridas Westküste nur eine unbefestigte Strasse durch den Dschungel, parallel zur Golfküste. In grosszügigen Abständen entlang der Route lagen kleine Läden und Rasthäuser, auch die Hohlweltler betrieben eins. Später dann wurde der Tamiami-Trail (der so heisst, weil er Tampa mit Miami verbindet) asphaltiert, und zu einer Hauptverkehrsstrasse. Kleine Siedlungen wuchsen entlang der Strasse in den Sumpf, Gaststätten eröffneten, und kleine Attraktionen wie diese Eisbude.

Heute läuft die Strasse fünfzig Meter von der Bude entfernt. Direkt an der Strasse liegt ein neuer Dairy Queen und versucht, der Eistüte die Kunden abzugraben. In der Tüte arbeitet eine geschlechtslose Person; das Fenster ist so niedrig, dass ich nur einen schmalen Streifen vom Bauchnabel aufwärts zwischen Rahmen und Theke sehen kann. Von innen muss es ja genauso sein, eine endlose Parade Eis wegtragender Rümpfe.

Friday, June 16th, 2006

The Matter of Mind (Again)

I’ll try and sum up yesterdays insane rant on the counter-materialism arguments from philosophy of mind a bit more neatly and readably.

There are other things wrong with the individual arguments, and I’ve pointed out a few of the fallacies in that post, but the main thread linking them all, is the technique of using a though experiment to prove a point on the mind. This, of course, is in a long philosophical tradition, and presumes that introspection is the best way to investigate the mind. Not so.

The arguments all run thusly: “Assume the mind is only X. Now imagine Y. See how in your imagination, the mind cannot be X? Case closed.” I believe all the arguments follow this scheme.
Imagine you know all about colour, now imagine seeing it for the first time, see how you didn’t imagine having that experience? Imagine knowing all about bats. See how that doesn’t make you imagine feeling like one?
Imagine working through an algorithm creating behaviour that seems to indicate understanding. See how you don’t imagine understanding what you’re doing?
Imagine the mind is physics. Now imagine the universe as it is, but without mind. See how that’s possible, showing that the mind is more than physical?

And on and on. These arguments can indeed show us the structure of our intuitions about the mind, which indeed is dualistic. But this intuition is but a small part of our actual minds, and not close to the most interesting. Moreover, to generalise the arguments to apply to all of the mind implies the assumption that our intiuitions about our own minds are always correct. Not only is there no logical reason to assume that, neuropsychology tells us that it is actually false. We are wrong about our minds all the time. Independent of their other shortcomings, none of the logical arguments against materialism works for this reason alone.

Thursday, June 15th, 2006

Panzer, quer

Der Fluss fliesst landeinwärts, die Gezeiten also arbeiten, wie auch die Sonne, gegen uns. Am Ufer zunächst Mangroven, dann Keksdosen mit Hurricanfensterverschalung, dann ausladende Anwesen; Motorboote auf erhöhten Bootsstegen und Jetskis in Paaren und Dreiergruppen. Schliesslich niedrige Vegetation. Hinter jeder Biegung vermuten wir Estero Bay und Shellmound Island, das Paddelziel, aber hinter jeder Biegung liegt nur mehr aufwärtsfliessendes, rotbraunes Brackwasser. Sonne und monotone Bewegungen erzeugen eine Trance, die Augen suchen dennoch den Grund ab, die Sonnenbrille filtert die Reflektionen und man sieht trotz Trübe und Gleissen einen Meter tief. Quer zur Fahrtrichtung schwimmt es unter dem Kanu durch, dreissig Zentimeter mag der Körperpanzer durchmessen, sechzig vom Kopf zur Schwanzspitze. Neun Meilen lang wird die Kanufahrt gewesen sein, am Ende.