Die Motorhaube senkt sich dem Belag zu, der Wagen bremst und wird also, wie vorgeschrieben, am Stoppschild für einen Moment zur Ruhe kommen. Ich selbst rolle ungebremst weiter, aber schliesslich bedeuted es für mich auch eine Anstrengung, das Rad zum Stehen zu bringen und anschliessend wieder ins Rollen. Die Ausnutzung der kleinen Pause zwischen dem Anhalten und Anfahren der Autos an diesen Kreuzungen zum strengenommen regelwidrigen Durchrutschen ist mir darum zur Gewohnheit geworden. Diesmal aber hebt sich die Motorhaube noch im selben Sekundenbruchteil – das Stoppschild wird nicht geachtet, sondern nur mit einem angedeuteten Nicken zu Kenntnis genommen – und das Auto prescht quer in meinen Weg. Ich presse beide Bremshebel, lenke zugleich nach rechts und verlasse die Kreuzung in Gegenrichtung zum einschiessenden Auto, noch ein weiteres muss ich passieren lassen, ehe ich wenden, erneut rechts abbiegen und meinen Weg fortsetzen kann.
Zwei Querstrassen weiter steht der Pickup schon halb in der Kreuzung, als ich ankomme. Er hat gehalten, um einen Radfahrer vorbeizuwinken, und winkt nun auch mich durch. Das tun sie gern, aus vermeintlicher Höflichkeit ein Element der völligen Unberechenbarkeit in ihrer Blechtrajektorien einbauen, sodass unsereins ständig um Leib und Leben fürchten muss. Auf der zweiten Spur neben ihm schickt sich ein weiterer Wagen an, in die Kreuzung einzufahren, tut das, fährt vor mir durch, und noch immer winkt der Mann im Pickup. Ich bleibe stehen.
Er winkt.
Ich stehe.
Schliesslich wird es ihm zu dumm, er tritt aufs Gas, mit einem enormen Knall zündet sein Gerät fehl, macht einen kleinen Satz vorwärts und verlässt das Schlachtfeld. Das Summen in meinem Ohr lässt ein wenig hügelaufwärts dann wieder nach.
