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Thursday, April 22nd, 2010

Und was führt Sie her?

  • zucken tote Fische Kochsalz
  • brompton stupid
  • wie heißt das auf deutsch; Take it hau i t on the kopp of a to give of
  • fische sind feige
  • sex with animals
  • riesiger steinklumpen
  • rausgeschnittene zunge
  • kaputte typen homepage
  • stilles trinkwasser bunte getränkeflasche
  • kummer dose diktat
  • The Perfect Ass – Riesen-Po black
  • Feeling Like a Fraud german
  • fische selbstzerstörerisch
  • würmer in der küche
  • defenition of the word ¨untenrum¨
  • translate der hund ist ja sweet


Tuesday, April 20th, 2010

Phänomenologie des Geisteskranken (3)

Treets!
III. Unterdessen, anderswo.

“I feel I must interject here. You’re getting carried away feeling sorry for yourself” (Postal Service, Nothing Better)

Es ist ja nicht so, dass mich diese Dinge nicht interessierten. Billy Wilder soll einen flüchtigen Ideenschmetterling, der ihm mehrfach nachts durch die Träume flatterte, und der jeweils am nächsten Morgen verschwunden war, in einem Zettel-und-Stift-Netz neben seinem Bett gefangen haben, und als er das schillernde Insekt am nächsten Morgen bestaunen wollte, gespannt auf den Einfall, der dem Traum zufolge zum besten Film führen würde, den er je gedreht hatte, stand auf dem Zettel: “boy meets girl”. Denn es ist ja so: alles ist interessant und wichtig für den, der die Hauptrolle spielt. Und dem Publikum ist aber vieles fad und banal. Beziehungen bröseln unter Stress und mit der Zeit, Freundschaften sind schwierig, wo die Liebe mitmischt, Geldsorgen essen Seele auf, der Tod ist gross und wir die seinen, filled with the faults they had. Und so weiter, in ewiger Wiederkehr. Und eben Widerkehr auch.

Alles natürlich monumental, wenn man drin eingesperrt ist, aber gleichzeitig doch auch sehr bla, Alltagsgewürge, banaler Kram letztlich. Der Mist dieses Kleinviehs kann doch nicht sein, weswegen ich jetzt Pillen schlucke als wärens Treets, und trotzdem die Hälfte der Zeit emotional durch die Gegend taumle wie ein angetrunkener Albatross beim Landen.

Moment. Treets?

An Treets hatte ich zwanzig Jahre lang nicht gedacht, und dann fiel mir neulich in einem Gespräch über Affenspezialfutter plötzlich ein: die hiessen so, weil es treats sind: Feiertagsnüsschen im Schokomantel. Das Strahlen der Erkenntnis in meinem Gesicht, das rein gar nicht in dieses Gespräch passte, versuchte ich dann umständlich zu erklären, es blieb aber wohl unverstanden. Treets. Mannmann.
Im Hirnsieb sammelt sich so viel Schotter über die Jahre, es ist ein kleines Wunder, dass aus dem Kopf überhaupt noch sinnvolle Geräusche kommen ab zirka dreissig, und nicht nur noch inkohärente Nostalgie und Assoziationen zu Stellvertretersachen für ein damals und ein dort, für eine Kultur und ein Milieu. “Kennst du das” und “weisst du noch”, die Hauptsätze der Zugehörigkeitsrechnung. Dabei ist Differentialrechnung doch viel interessanter. Gleichheit definiert die Spezies, der Unterschied macht das Individuum.

Trotzdem, Auswanderer kleben weltweit zusammen wie ein Bienenschwarm auf Höhlensuche. Mir war lange nicht klar, warum das so ist, es schien wie das Klischeeeisbein (Triple-E Qualität! Kein Flachs!), des deutschen Urlaubers im Süden, ein ängstlich paradoxes Klammern ans Vertraute, wo man doch reist, um die und das Fremde zu erleben. Oder jedenfalls das Gefühl des Erlebnisses zu haben. Möglicherweise ist das Kennenlernen der Fremde ja ebenso unmöglich, wie einem Japaner unmöglich ist, die R- und L-Raute zu unterscheiden, aber herrje, versuchen kann mans doch wenigstens.
Aber nichts da. Beim Chinesen auf Spadina sitzen die Chinesen und speien gemütlich die Knorpel auf die Tische, im Latino-Supermarkt von Jersey City shoppen die Latinos in sauber nach südamerikanischem Land geordneten Regalreihen, wie zu Hause in der alten Heimat, und deutsche Besucher sind begeistert, wenn es irgendwo Bratwurst gibt und richtiges Bier. In New York!

Aber wer braucht Bratwurst, wenn er Internet hat? Man kann mich unter die Hippies werfen und unter die Homies, dachte ich, es bleibt immer der Rückzug in die Online-Horde, in die Ersatzfamilie, anstelle der dysfunktionalen echten. Nur dass diese Horde aus Einsen und Nullen besteht, und nicht aus Menschen, und lange Ketten aus Einsen und Nullen summieren sich für den sozialen Instinkt zu einem Nichts. “Was fehlt: Fernlausen” schrieb K. jüngst in eine dieser virtuellen Hütten; denn dem bloss geschriebenen Wort ohne persönliche Rückkopplung, ohne Achselgeruch und Augenrollen und Mundwinkelzucken, fehlen Bindungskraft und affektive Eindeutigkeit. Man kann das lange ignorieren, ein Fortschritt gegenüber der guten alten Zeit, in der Exilanten gleich nach Ankunft in Finsternis versanken. Aber irgendwann wird die Rechnung trotzdem fällig. Und dann helfen nicht mal mehr Käseknacker.

Igitt.

Monday, April 19th, 2010

Kulturvergleich

warum Männer, warum Frauen
Ohne Worte.

Monday, April 19th, 2010

Phänomenologie des Geisteskranken (2)

II. Tag. Aussen.

Bei Licht betrachtet ist was man im Dunkeln so treibt und schreibt ja meist ein geblümter Unsinn mit Schleife. Das macht einerseits nix, so weit es um Gefühltes geht, weil: Gefühltes braucht keinen Sinn; Gefühltes schmeckt auch so. Aber vom Gedachten hätte man mehr erwartet. Wahrscheinlich ist überhaupt das der Fehler.

Tractatus sozio-logicus:

1 Alle Welt will gefallen.
2 Wodurch man gefallen will, das Mittel, ist das Verhalten.
3 Der Zweck des Verhaltens ist Kommunikation.
4 Kommunikation ist der unternommene Versuch, den Zustand des Anderen zu verändern.
5 Mittel dieser Veränderung ist das Ausführen sozial bedeutsamer Bewegung
6 Die herzustellende Gleichheit ist die zwischen der erwünschten Bewegung des Anderen und seiner tatsächlichen.
7 Wo man nicht angleichen kann, da muss man schweigen.

So weit, so gut. Aber was ist jetzt, wenn die Kommunikation eine über das Ende aller Kommunikation ist? Man also zum Beispiel blogt, dass man online nichts mehr schreiben will, ja zwingend nicht mehr kann, keine Wahl hat, weil man vor dem Browser Angst hat wie gebrannte Mandeln vor dem Feuer? Ist das als Kommunikation nicht völlig ungültig, wegen Binnenwiderspruch? Macht man sich nicht zum Lügenkreter damit und schafft sich selbst ab? Kann man vor lauter Logik blind werden gegen den eigenen Blödsinn?

Von Schnee kann man jedenfalls blind werden. Nicht wenn es bewölkt ist und dichtes Flockengewiesel fällt, Schneeblindheit ist ja die Ultraviolettkatastrophe im Auge, eine Schwarzkörperexplosion aus zuviel Licht. Aber ich bin im eigenschaftslosen Weiss des Schneetreibens trotzdem blind, die Qualitäten der Dinge lösen sich von ihnen ab und verschwinden. Es bleibt ein grellweisses Loch, inhaltslose, wirbelnde Verzweiflung. Im Film Nothing finden sich zwei Freunde mit ihrem Haus in einer nahezu allumfassenden weissen Leere wieder, nachdem sie den Rest der Welt durch intensiven Hass beseitigt haben. So ähnlich fühlt sich Lincoln Park an an diesem Schneetag, eine Insel im Nichts, voller Gespenster abgeschiedener Grössen. Zwei Baumreihen sind zu sehen, die auf einen Punkt hin fliehen, ohne ihn zu erreichen, und ein steinerner Feuerwehrmann auf einem Podest, der sich gegen den Schnee stemmt. Der Rest ist wirbelndes Schweigen.

Nothing endet damit, dass die beiden Hauptdarsteller restlos alles weghassen, ausser ihren Köpfen, die dann zufrieden durch die Leere hüpfen, deren einzige Eigenschaft ist, dass sie weich ist und nachgibt. Aber der Film stellt die Dinge natürlich von den Füssen auf den Kopf. Denn viel einfacher wär es doch, den eigenen Kopf wegzuhassen statt umständlich die ganze Welt. Und zack, aus die Maus. Und so stand ich da im Schneegestöber und dachte: besser wärs gewesen, dieses Ding wär mir im Kopf gewachsen und nicht dem W. Er hätte nicht das Leid, das von aussen nicht vorstellbare, und mein eigenes Leid und die umfassende Verzweiflung, die alles würgend umklammert, die an der Idee der Leichtigkeit hängt wie Blei, wäre zu Ende.

Der Gedanke ist natürlich dumm, so dumm, dass auf seine Dummheit hinzuweisen selbst auch dumm ist, das weiss ich selber, und er wurde ja von der Depression gedacht, und nicht von mir. So verteidigt sich mit kleinen Ärmchen rudernd das Ich. Ganz zu schweigen davon, denn auch das ist mir bewusst, sagt das Ich, dass anderer Leute Elend zur dramatisierenden Folie fürs eigene zu nehmen ein Schachzug des Anti-ES ist, Ausdruck einer psychosomatischen Abstraktdeformation. Sich so herauszureden auf “das war Ich nicht, es war mein Hirn” ist verlockend, aber wer oder was ist denn eigentlich dieses Ich, dass es da nicht gewesen sein will? Dem der Gedanke so peinlich ist, und Anlass zur Wut auf was diffuses Externes? Und würde dieses Ich auch sagen “Ich hab mir nicht den Fuss gebrochen, das war mein Bein”? Ist das nicht vielmehr ein Ausweichen, und die ganze Philosophiererei auch nur Übersprung?

Apropos Ausweichmanöver und Übersprung: die Ansichten Humes zum Ich – das es nicht gebe als Ding der Anschauung – und seine Induktionsargumente – wir können nichts wissen, und genau genommen nicht mal das – gelten ja genauso in der Depression. Denn auch ob eine Situation, eine Interaktion, ein Ausbleiben oder Eintreten gut ist oder schlecht, kann man nicht wissen. Man schwiemelt es sich je zusammen, aufgrund des sonst so gewussten: Esse est perspiri. Dasein ist Schwitzen. Und Perspiration ist eben fehlbar. Und müffelt.

Anders: dem Induktionsproblem geht das Hirn mit einem Grundvertrauen aus dem Weg, einem heuristisch eingeschriebenen “wird schon stimmen”, in dubio pro lege, fürs Naturgesetz. Was gestern war, wird auch morgen noch gelten. Die Grundlage dafür ist, dass diese Faustregel gestern noch half, das ganze Argument also zirkulär, aber das macht ihm nichts. Und ebenso basiert sozialer Austausch auf der Annahme: man nimmt mich ernst, man achtet mich, ich bin was wert auf dem Markt der Personen und Empfindungen. Und wie aus einem grundlegenden Zweifel an der Zukunft die Unfähigkeit folgt, sie zu erreichen – wer weiss, ob beim nächsten Schritt noch fester Boden ist, besser, stehenzubleiben – so ist der, der am Wohlwollen der Welt zweifelt, nicht mehr in der Lage, es zu sehen.

Funktionieren ist Vertrauensvorschuss, ist die Welt auf die leere Leinwand der Wahrnehmung gemalt, oder hier eben ein Haufen Neurojargon auf die schwarze der Existenzverneinung.
Das geglückte Leben eine einzige, lange Übersprungshandlung; ein Kratzen hinterm Ohr mit dem falschen Fuss; Blindheit im Angesicht des strahlenden Nichts.

PS. Wer das mit der Abstraktdeformation erklären kann, ohne zu gugeln, kriegt einen Pangalaktischen Donnergurgler ausgegeben. Oder zwei.
PPS. Ja, das PS aus dem angeblichen Kommunikationsembargo redet mit dem Leser. Schnauze, Leser.


Saturday, April 17th, 2010

Phänomenologie des Geisteskranken (1)

I. Nacht. Innen.

Liegen, die Kehle zugeschnürt von unten her, ein Knoten ohne Grund und Substanz, der einfach ist. In Wellen laufen Erschütterungen durch den Leib, der sich schwer in die Welt drückt, Unausgewogenheiten, kleine Beben, Pulsationen, die dem schlingernden Gehirn wieder für Todesnachricht gelten: den Morgen wirst Du nicht erleben. Entsetzen und Resignation tanzen Walzer im Oberstübchen, eine Geschichte dazuerfunden, die Tabletten hast Du nicht genommen, und eingesperrt im Keller sitzt der sogenannte Verstand und wummert mit kleinen Fäustchen gegen die Tür. Welche Tabletten eigentlich, ruft er, aber er lässt sich nicht raus, seine Einwände zwar berechtigt, das Sterben sei auch bisher ausgeblieben, aller Furcht und aller nächtlichen Panik zum Trotz, aber wer hört schon auf die Schmuddelkinder aus dem Denkkeller. Wer hört überhaupt auf irgendwen? Und hört eigentlich auch mal was irgendwas auf, oder fängt vielmehr immer nur neuer Scheiss an?

Einatmen. In der Wand ein leises Rascheln, beantwortet durch das Ticken meiner langen Fingernägel auf der Wand (Zum Gitarre üben. Haha.), und das Rascheln verstummt. Antwort und Verstummen; das Gehirn, vom Sturm der Evolution sinnlos aus einer biochemischen Müllhalde zusammengefegt, diese Mustererkenn- und Überlebensmaschine, saugt sich magnetisch fest, ein Fadenkreuz haftet auf der Denkfigur: Signalaussendung führt zum Ende der Kommunikation. Was ich sage, bringt die anderen zum Verstummen. Strecke ich die Hand aus, weicht die Welt zurück. Selbst für die Ratten in der Wand gilt das; oder eben grade für die, maults von unten, sind ja schliesslich Ratten. Aber halt die Klappe, Verstand, es ist Nacht, da schläfst du doch, denn dann tanzt der Teufel ums Fegefeuer brennender Erinnerungen. Vielleicht liegts aber auch nur an der Katze im Frack da am Fussende, dass die Ratten schweigen, und die Frackkatze wiederum liegt da der Rattengeräusche wegen, eine endlose Goldbergmaschine aus Gründen und Gegengründen, und alle Fratzkacke und uninteressant: ich will wissen, warum die Menschen das tun, was sie tun. Und nicht die Katzen, und nicht die Ratten. Ausatmen. Jetzt das Kissen wenden, die Unterseite presst sich kühler gegen die brennende Wange. Ein paar Sekunden lang klärt sich was, dann wieder Nebel.

Eingesperrt im eigenen Kopf, der eigenen Vergangenheit, dem eigenen Fleisch, was hilft mir da die Neurophilosophie? Was tut der Klaustrophobe, wenn der Schädel zu eng wird, seine sogenannten Verhaltensmuster, seine angeblichen Persönlichkeitsmerkmale, eben das, was dieses dumme Tier so tut und sagt und empfindet und ist? Wenn dann die Panik kommt, die positive Rückkopplung, in der die Unmöglichkeit, einer Unausweichlichkeit auszuweichen, den Terror potenziert, und das Ich sich selbst am Haarschopf fasst und in den Hirnsumpf schmeisst. Ich will nicht der sein, der ich bin: der nicht sein will, der er ist. Und so weiter, bis zur Vergasung. Kennste, Alter, oder? Voll der krasse Spruch, Vergasung.

Ich will hier raus. Aber fat chance, klar.

Und dann kreist endlos ein Bröselteufel: gesagt und nicht gesagt. Gemeint, gedacht, gefühlt. Eingefordert, ausgeladen. Versetzt, verstanden, verlegen. Akteure und Subjekte. Geworfene und Werfer. Hallo! Hier drüben! Eine Parataxe, bitte, in diese hohle Gasse. Was wollte ich nochmal sagen? Ach ja.
Liebe, Hass und Demütigung kommen in eine Bar, sagen kein Wort und legen den ganzen Laden in Schutt und Asche. Guter Witz, die Pointe hab ich nur leider vergessen. Aber das ist ein Brüller. Den hört man weit und breit.
Eine Stunde jetzt seit dem Rattenrascheln, langweilig ist er ja schon, the horror, das Grauen und das Grübeln, jedenfalls von hier aussen, vom Text her betrachtet. Immerhin: Bach runter eiert im Kreis durch die Rübe, oder kreist im Eierkopf, ein dummes und liebloses Geplätscher, aber ein Geräusch jedenfalls, und aus dem Keller wummert der Zwerg mit dem Wasserkopp Kapielskis Sorgenbesen an die Decke, im Blickfeld der Weitwinkelüberwachungskamera. Ruhe da oben, wir würden hier alle gern schlafen. So, aha. Eine einzige Gerümpelkammer, dieses Oberhüttchen. So viel kann man gar nicht wegschmeissen, wie man Platz bräuchte.

Ich wollt ich wär Homer, und küsste die Muse mich Deppen, und hätte ich nichts als einen Donut zwischen den Ohren, mit Marmelade drin und extra Sahne drauf. Aber kamman es sich aussuchen? Kammanicht. Bin ich halt irre eben. Wird schon auch zu was gut sein.

Und es wurde dunkel. Und langsam wieder hell. Ich will aber nicht, dass es hell wird. Mach dunkel wieder. Bitte. Zieh den Tag auf links.

Aber nichts da.

Jeden Morgen erinnern sich Muskeln, Finger, Augen an endlos vorgenommene Handgriffe und Klickbewegungen, die einst das Online aufgerissen haben sperrangelweit, und Nachrichten aus der bewohnten Welt ergossen sich aus der Wunde. Aber wie ein ehemals bunter Hund, schwarz gemacht durch nie vorhergesehene Prügel und Zufallsstrafen, ist mir dagegen jetzt Widerstand in die Synapsen gebrannt. Ich kann sie nicht mehr aufmachen, die staubigen Wasserlöcher und Schwatzbuden, dieses Forum, dieses Facebook, und nicht nur, weil ich zuviel investierte oder erwartete und jetzt an der Enttäuschung kaue, einem alten zähen Lederkeks. Auch wird mir körperlich übel; und überwinde ich die Abwehrreaktion hämisch – sieh her, Hirn, ich bin Dir über und transzendiere Deine Unzumutbarkeiten – erfasst mich gleich nach Ladeschluss neuer Schwindel. Einmal vertraute Namen hängen in einer Leere, die jetzt gähnt, wo ich mich mal zuhause fühlte. So lang ist das gar nicht her, was ist nur los? Wer seid das hier? Ein Dreckshirn, Spatzl, gell?

Und zuhause, das ist eh. Davon fang ich gar nicht.

Hier liegt ein Nexus der Krise, wenn auch nicht ihr gordischer Knoten: die Diskrepanz zwischen der nachgebastelten Sozialität und ihrer Nachgebasteltheit, die sich in Momenten dichter Emotion am deutlichsten zeigt. Alle haben das gespürt, als der Hirnwucher ausbrach in Berlin, haben helfen wollen, und wussten nicht wie, haben sagen wollen, und wussten nicht, was. Wollten berühren und berührt werden, aber mit welcher Hand und wessen warme Haut? Alle spürten es, mir hat es den letzten Boden weggezogen, und seitdem Sturz. Fein, der eine hat die Krankheit zum Tode, der andere jammert. Recht machen kann mans wohl keinem. Aber wie denn auch. We are moments lost in time, like tears in the rain.

Sturz weshalb überhaupt? Ist ja nur Forum, Freunde gehen anders, der Satzbrocken steckt mir als winzige Axt im gefrorenen Meer, an der Seite der aufgeworfenen Platte in Kasper Friedrichs Bild, ein hilfloser Kitsch, wie immer. Als wär die Formulierung persönliche Beleidigung gewesen, und nicht eben offensichtlich und grundrichtig. Was eigentlich willst Du, Kopf? Warum bleiben von allem immer Wut, Verzweiflung, Schmerz, grad diese drei? Und nicht auch mal eine nette Bemerkung, ein Lächeln, eine versteckte Geste, die sonst keiner sah. Und warum erfahr ich das alles nur hintenrum, per mühsamen Nachhirnens, und muss es mir zusammenkleben aus Grübelpopeln, du linke Bazille, du Kopfpups, du Irrtumsnetzwerk aus Neuronendreck? Sitzen wir denn nicht im selben Boot? Ziehen wir denn nicht am selben Strang?

Und was ziehen wir da eigentlich, und zu welchem dunklen Ende?

Thursday, April 15th, 2010

Frühling in der Stadt

Gesang der Sirenen,
Widerhall gleisser Fassaden:
Echos einer Stille.

Fremder Namen auf Markisen,
Flugblätter im Blütenschnee,
Matrix des Leerraums
zwischen den Zeichen.

Lockfarben geiler Bäume,
Referenten
des Grau.

Motor-
sägen-
zeit.

Monday, April 5th, 2010

ostersamstag

What are you doing?
Ich blicke vom Sucher und den auf den Gehweg gefallenen Blütenblättern darin auf. Die Richtung, aus der es fragt, ist nicht auszumachen. Ich suche die Fenster der Häuserfront ab, sehe aber niemanden.
What are you taking a picture of?
Die Stimme ist nicht neugierig oder freundlich, sie ist aggressiv und erbost: ein Hausbesitzer vermutlich, der Angst um die Seele seiner vinylverschalten Schachtel am Hang hat. Where are you, frage ich zurück.
What are you doing? fragt es jetzt erneut, drängender, und dann wird es dem Frager zu bunt, oder vielleicht auch zu schwarzweiss. Eine Gittertür öffnet sich hinter dem Parkplatz und ein drahtiger Mann mit Bierdose in der Hand kommt heraus.
What are you taking a picture of? fragt er jetzt, er schätzt offenbar die Wiederholung. Die Antwort ist ihm egal, kaum hat er sie, stellt er sie auch schon drängend in Frage: why are you taking a picture of that? Stop it. Und fuchtelt mit dem Finger in meinem Gesicht.

Er sucht Streit, droht und posiert. Wäre er ein kleiner Hund, er kläffte jetzt wild. Und weil wir hier in Jersey sind und nicht beim Zuckerschlecken, fliegen in Windeseile die What the fucks und I’ll fuck you ups hin und her; What aus meiner, up aus seiner Richtung.
Erneut öffnet sich die Gittertür und das Haus speit eine dickliche Frau aus. Ignore him, fleht sie uns an, come in, Eddie den drahtigen Desperado.
If I see you again, I’ll fuck you up, zischt Eddie im Abgang erneut, prickelnd, erfrischend, dann hat ihn aber endgültig die Dickliche am Wickel und zieht ihn hauswärts. What if they call the police on you again? schilt sie und die Gittertür schliesst sich.

Dann ist es wieder still in Jersey.

Thursday, April 1st, 2010

welt des wissens

Durable relationships

Diese Grafik trägt den Titel “durable relationships” und stammt aus dem gestern erschienenen Aufsatz A Mathematical Model of Sentimental Dynamics Accounting for Marital Dissolution von José-Manuel Rey. Sie trägt Anstrengung gegen Gefühl auf, enthält zwei Variablen die zur herzten Potenz erhoben wurden, zahlreiche Pfeile und das sentimentale Gleichgewicht E.

Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Monday, March 22nd, 2010

you and two others do not like this

Grade haben mich ein Strauss persönlicher Enttäuschungen und die Entladungen eines Emotionsgewitters zum Entschluss gebracht, mich gegen den trügerischen Sirenengesang des Onlinesozialgeräusches am Mast der Echtwelt festzubinden; den Plappernetzen, durch deren Maschen widerstandslos fällt, wer ihnen sein Gewicht anvertraut, den Rücken zu kehren; da regnets auch schon Bestätigung: “It’s a feeling of empty loneliness familiar to many of us who are enmeshed in social networks and broadband grids, blogs and microblogs, emails and IMs, sending so many messages and making so few connections”, schreibt Ryan Tate in Valleywag, über die Einsamkeit des Google-CEOs Eric Schmidt, und der ein wenig windige, aber dafür schneidig unrasierte NeuroLeader Dr. Rock krümelt vom selben Hörnchen: das Crack der schnellen, bedeutungslosen Zuwendung sozialer Netzwerke höhlt aus, stumpft ab und schafft emotionale Erwartungen, hinter denen die Wirklichkeit dann nur zurückbleiben kann. Das ist im Normalfall nur eine unerwünschte Ablenkung und Produktivitätsstörung, aber wehe dem, der das Wort Freund ernst nähme, das da überall steht. Bewiesen also meine aus Selbstschutz geborene Einsicht, zwei zufällige Postings sagen ja dasselbe. Oder vielmehr: gar nichts ist bewiesen, die Texte mussten ja auffallen. Confirmation bias nennt die Psychologie die Neigung, bevorzugt das wahrzunehmen, was die eigenen Vorurteile bestätigt, und sie damit zu zementieren, egal was tatsächlich passiert. Obwohl es wiederum andersrum confirmation bias bias heissen müsste, wenn man gleich confirmation bias wittert und alles wegrelativiert, nur weils anderen erging wie einem selber. Yin und Yang, die zwei Seiten eines karierten Känguruhs voller guter Argumente. Mit Gimmick!

Saturday, March 20th, 2010

it’s so exciting (law and order)

Er verlagert das Gewicht, macht einen Schritt zur Seite, steht erst vor dem jungen Mann, dann der jungen Frau, und ist dabei beiden zu nah. Eine Hand hat er erhoben und an der Haltestange, die andere neben der Hüfte, drohend beweglich und nervös. Mehrmals greift er in seine Tasche, holt jedesmal langsam das Telefon heraus und sieht blicklos etwas nach auf der Anzeige und steckt es wieder weg. Jedesmal, wenn er diesen Griff tut, spüre ich ein Summen in der Magengegend, wie ein Schweben, hilflos gegen sein Spiel.

Es fing an, als er von seinem Sitzplatz gegenüber die junge Frau ansprach: was sie denn wolle mit dem Hänfling da. Sie solle doch mitkommen mit ihm, jetzt gleich. Er wiederholte es im Befehlston, komm mit, lauter. Das Paar ignorierte ihn so gut das ging, schliesslich dann drohte die Frau mit einem Anruf, ich konnte nicht hören, bei wem, der PATH police vielleicht. Sie machte die Drohung aber nicht wahr, und da stand er auf, breitschultrig und gross, eine Boxerfigur, und stellte sich vor die beiden. Sit down, sagte die Frau hilflos und ohne Kraft, come with me, erwiderte der Schrank ungerührt. You should really sit down, der junge Mann nimmt jetzt allen Mut zusammen, die Stimme unsicher, es ist zwecklos. Say please, fordert das Arschloch, und die Machtschraube zieht sich mit jedem gescheiterten Versuch der beiden, der Situation zu entkommen, weiter zu ihren Ungunsten an. Jede Chance, die sie ihm geben, Nein zu sagen, macht ihn stärker. There’s no exit.

Der junge Mann ahnt oder weiss es und sagt nicht please, sondern verstummt, und das Ghettoklischee wechselt wieder aufs andere Bein und steht jetzt wieder direkt vor der Frau. Er trägt einen Ghettobart. Es ist lächerlich, wie im Film, wie im Traum, eine Zumutung der Wirklichkeit.

Ein paar Plätze weiter wird mir unterdessen schwindlig. Ein Ventil für alle aufgestaute Wut und Ohnmacht bietet sich hier, der Drang es zu nutzen wird sekündlich stärker, das Primatenspiegelbild seiner Aggression, aber diese Einsicht macht mich nur zorniger. Er ist so gross wie ich, das Andeuten einer Waffe, die ganze Manier ist hohler Bullyshit und feige, aber das heisst nicht, dass er nicht doch ein Messer hat oder heat, fool, und auf den Einspruch eines anderen in sein Drohgebaren mit echter Gewalt reagierte. Und selbst ohne Waffen: Weglaufen ist die beste Verteidigung, sagte Sensei, wer kämpft, hat schon verloren, und speziell ja ich, ohne jede Erfahrung. Hätte ich meinen Schwarzgurt dabei, vielleicht könnte ich ihn damit würgen oder ihm die Augen verbinden. Ich starre ihn jetzt unverwandt an, soziale Ablehnung, Einschüchterung, Besseres fällt mir nicht ein. Er bemerkt es, blickt mich kurz an, und sofort wieder weg. Immerhin.

Do you think I won’t remember you, fragt er jetzt den jungen Mann, der Zug fährt gleich nach Journal Square ein und seine Zeit der kostbaren Kontrolle wird knapp. I won’t forget you. Eine kleine Gruppe umsteht die drei an der Tür, im Abstand, aufmerksam, und bereit, einzugreifen. Bully blickt starr geradeaus, und keinen der Umstehenden an, durch die Tür vor ihm, und droht weiter, halblaut und halb glaubwürdig. Als die Türen sich öffnen, eilt das Paar zur Nebentür und die Bahnsteigtreppe hinauf, er läuft ihnen nach, und ich ihm, eine Einschüchterungskettenfarce. Das Paar verliere ich aus den Augen, aber nicht ihn. Oben baue ich mein Fahrrad zusammen, langsamer als sonst, und blicke ihm nach, der langsam über den Vorplatz geht, und sich nicht umdreht. Meine Knie zittern, give me a reason, höre ich in meinem Kopf das Echo der selbstzerstörerischen Hoffnung, den Schmerz in meinem Kopf vielleicht durch körperlichen ersetzen zu können, icy colder, im Dienst sogar noch einer guten Sache. Wacklig in den Pedalen radle ich zum Liquor Store, kaufe eine Flasche Ballantines und einen Flachmann Southern Comfort, dessen klebrige Süsse im Mund und an den Händen mich erstaunt, all sugary spices. Ich hatte das Getränk immer für Branntwein gehalten. Aber wer braucht schon Southern Comfort, wo es Whisky gibt.