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Er verlagert das Gewicht, macht einen Schritt zur Seite, steht erst vor dem jungen Mann, dann der jungen Frau, und ist dabei beiden zu nah. Eine Hand hat er erhoben und an der Haltestange, die andere neben der Hüfte, drohend beweglich und nervös. Mehrmals greift er in seine Tasche, holt jedesmal langsam das Telefon heraus und sieht blicklos etwas nach auf der Anzeige und steckt es wieder weg. Jedesmal, wenn er diesen Griff tut, spüre ich ein Summen in der Magengegend, wie ein Schweben, hilflos gegen sein Spiel.

Es fing an, als er von seinem Sitzplatz gegenüber die junge Frau ansprach: was sie denn wolle mit dem Hänfling da. Sie solle doch mitkommen mit ihm, jetzt gleich. Er wiederholte es im Befehlston, komm mit, lauter. Das Paar ignorierte ihn so gut das ging, schliesslich dann drohte die Frau mit einem Anruf, ich konnte nicht hören, bei wem, der PATH police vielleicht. Sie machte die Drohung aber nicht wahr, und da stand er auf, breitschultrig und gross, eine Boxerfigur, und stellte sich vor die beiden. Sit down, sagte die Frau hilflos und ohne Kraft, come with me, erwiderte der Schrank ungerührt. You should really sit down, der junge Mann nimmt jetzt allen Mut zusammen, die Stimme unsicher, es ist zwecklos. Say please, fordert das Arschloch, und die Machtschraube zieht sich mit jedem gescheiterten Versuch der beiden, der Situation zu entkommen, weiter zu ihren Ungunsten an. Jede Chance, die sie ihm geben, Nein zu sagen, macht ihn stärker. There’s no exit.

Der junge Mann ahnt oder weiss es und sagt nicht please, sondern verstummt, und das Ghettoklischee wechselt wieder aufs andere Bein und steht jetzt wieder direkt vor der Frau. Er trägt einen Ghettobart. Es ist lächerlich, wie im Film, wie im Traum, eine Zumutung der Wirklichkeit.

Ein paar Plätze weiter wird mir unterdessen schwindlig. Ein Ventil für alle aufgestaute Wut und Ohnmacht bietet sich hier, der Drang es zu nutzen wird sekündlich stärker, das Primatenspiegelbild seiner Aggression, aber diese Einsicht macht mich nur zorniger. Er ist so gross wie ich, das Andeuten einer Waffe, die ganze Manier ist hohler Bullyshit und feige, aber das heisst nicht, dass er nicht doch ein Messer hat oder heat, fool, und auf den Einspruch eines anderen in sein Drohgebaren mit echter Gewalt reagierte. Und selbst ohne Waffen: Weglaufen ist die beste Verteidigung, sagte Sensei, wer kämpft, hat schon verloren, und speziell ja ich, ohne jede Erfahrung. Hätte ich meinen Schwarzgurt dabei, vielleicht könnte ich ihn damit würgen oder ihm die Augen verbinden. Ich starre ihn jetzt unverwandt an, soziale Ablehnung, Einschüchterung, Besseres fällt mir nicht ein. Er bemerkt es, blickt mich kurz an, und sofort wieder weg. Immerhin.

Do you think I won’t remember you, fragt er jetzt den jungen Mann, der Zug fährt gleich nach Journal Square ein und seine Zeit der kostbaren Kontrolle wird knapp. I won’t forget you. Eine kleine Gruppe umsteht die drei an der Tür, im Abstand, aufmerksam, und bereit, einzugreifen. Bully blickt starr geradeaus, und keinen der Umstehenden an, durch die Tür vor ihm, und droht weiter, halblaut und halb glaubwürdig. Als die Türen sich öffnen, eilt das Paar zur Nebentür und die Bahnsteigtreppe hinauf, er läuft ihnen nach, und ich ihm, eine Einschüchterungskettenfarce. Das Paar verliere ich aus den Augen, aber nicht ihn. Oben baue ich mein Fahrrad zusammen, langsamer als sonst, und blicke ihm nach, der langsam über den Vorplatz geht, und sich nicht umdreht. Meine Knie zittern, give me a reason, höre ich in meinem Kopf das Echo der selbstzerstörerischen Hoffnung, den Schmerz in meinem Kopf vielleicht durch körperlichen ersetzen zu können, icy colder, im Dienst sogar noch einer guten Sache. Wacklig in den Pedalen radle ich zum Liquor Store, kaufe eine Flasche Ballantines und einen Flachmann Southern Comfort, dessen klebrige Süsse im Mund und an den Händen mich erstaunt, all sugary spices. Ich hatte das Getränk immer für Branntwein gehalten. Aber wer braucht schon Southern Comfort, wo es Whisky gibt.

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