Wundwasser zu Waschlappen
Bei meinem ersten Besuch im amerikanischen Süden, 2000 in New Orleans, wo die Feuchtigkeit damals noch überwiegend in der Luft steckte, und die toxischen Substanzen in den Haaren der Touristen, war mir das Temperaturgefälle zwischen drinnen und draussen eindrucksvollstes Zeugnis des trotzigen amerikanischen Naturbegriffs. Über Flüsse baut man Brücken, die Everglades staut man auf und managt den Sumpf weg, durch Berge bohrt man Tunnel, Alligatoren, Bären, Riesenfaultiere, Mammuts und dergleichen piekst man mit spitzen Sachen tot, und das Wetter, dem mit Muskelkraft nicht beizukommen scheint, muss trotzdem draussenbleiben. Oder so dachte man sich das jedenfalls. Dieses Jahr sind hier im Süden 8 bis 10 Hurricanes angekündigt, deutlich weniger als die 15, die es letztes Jahr gab. Von denen 7 bis 9 angekündigt waren.
Sei dem wie Wolle, weich, fluffig und verknotbar, mir kommt der amoklaufende Naturunterwerfungswille im Moment grade recht. Eiskalt nämlich ist es in diesem Walgreens drin, Sekunden nach dem Eintritt und noch bevor ich mich an der Kasse vorbeigeschleppt habe, schalten die Nervenenden in den unterkühlten Füssen brav auf standby, nur dass statt eines roten Lichtleins, das mir die Batterie leersaugt, ein dumpf ziehendes Kältegefühl aufscheint. Recht so, trotzdem. Vor den etlichen Regalmetern mit Pasten, Tuben, Bandagen und Wasserstoffperoxydbehältern meditiere ich erst etliche Minuten lang, und entscheide mich dann für ein zugesichert schmerzfreies Wundwasser, schmerzfreie Wegwerfwaschlappen und eine Dose Sprühpflaster, der es verdächtig an schmerzfreiheitsbezogener Propaganda gebricht. Vermutlich war auf der Dose kein Platz für entsprechende Zusicherungen, sie ist auch wirklich ziemlich klein.
An der Kasse sitzt eine kugelrunde Frau, addiert Wundwasser zu Waschlappen zu Sprühpflaster und guckt mich nicht an dabei. Mitten auf dem Kassentisch steht ein hässlicher Bilderrahmen, mit dem Foto eines dicken Kindes drin, bei dem es sich, so belehrt mich die handgeschriebene Aufschrift, um die Nichte einer Angestellten handelt, deren kürzlich entdeckten Nichtenkrebs zu bekämpfen man doch bitte eine Spende hinterlegen möchte. Frechheit, geh mir weg, als hätte ich keine eigenen Sorgen. Möglicherweise ja Blutvergiftung zum Beispiel!
Draussen ist es unerwartet viel heisser, als ich gedacht hätte, das ist wohl ein bisschen so wie angeblich mit dem Gebärschmerz, man vergisst sofort, wie schlimm das war, und will dann noch so ein Balg, das dann verfettet und Krebs bekommt, der Kreislauf des Lebens, Hoffnung im Antlitz der Widrigkeit. Hier in der Hitze steht natürlich auch ein Münztelefon, wer bei Walgreens einkauft, kann sich schliesslich kein Händi leisten, und ein rascher Anruf belehrt mich, dass Chris seit einigen Minuten vor Kinko’s lauert und sich allerschlimmste Sorgen macht. Oder jedenfalls ein bisschen wundert. Meinen neuen Aufenthaltsort pronto durchgeben zu wollen sichert mir Ahna gerne zu, es ist ein kleines Wunder, wie diese Menschen sich über Kilometer hinweg miteinander zu verständigen in der Lage sind. Was täte ich nur, hätten nicht so viele meiner Mitmenschen diese rätselhafte und wunderbare Fertigkeit entwickelt?
Vorerst setze ich mich auf den Boden vor dem Telefon und wasche mir jeden einzelnen Keim separat aus der Anatomie, was auch tatsächlich verpackungsaufdruckkonform schmerzfrei vor sich geht. Auch die anschliessende Applikation des Sprühpflasters tut fast gar nicht weh, jedenfalls nicht, bis dann nach zirka einer Sekunde Neuronenbesinnungspause eine feurige Fackel durch mein Bein marschiert und die fünfminütige Schmerzolympiade eröffnet. Immerhin kein Krebs oder dickes Kind, so gesehen.



There is mythological evidence from the middle ages, suggesting the Swabians were a jolly, lively people then, full of vigour and joy. You wouldn’t think it today, and the introductory section of this book, meant to show Swabians in the best possible light and endowed with a preface by Cleverle Späth, is a case in point. The most salient features of the Swabian mind, his thriftyness, his shrewdness, his xenophobia, take some stretching to be made into qualities, and with some, most notably the Kehrwoche, even Larson’s well meaning prose fails to create any appeal or sense. The anecdote of Larson interacting with Willy Reichert, Arnulf Klett and the likes are positively painful, but admittedly that might be just to me, and just because they hit too close to home.

It is a disturbing fact of post-war German history that plenty of active National Socialists continued on to positions of power and influence in the Bundesrepublik, partly because of a lack of skilled leadership personnel not involved with the regime, but also because the anti-communist notions of the old criminals fit well into the new political struggle emerging in Europe. Against this historical background, Riefenstahls particular story becomes all the more fascinating. Her unsettlingly effective propaganda documentaries, Triumph des Willes and Fest der Völker, on the 1935 Nuremberg rally and the 1936 Olympic Games, created a fame for her that was probably the reason for her fall after the war. She wasn’t able to make any more movies, and all her other creative efforts – most notably her photography of the people – got subjected to close scrutiny and harsh criticisms for suspicions of a fascist esthetic, and were always contextualized with her past. This movie portrays her both as the victim of scapegoating and a stubborn denier of aspects of her life, but most of all it paints the fascinating picture of a multifaceted woman, who had the misfortune to live in evil times. You might not like her after this documentary, but you won’t regret having seen it.