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Manche Dinge weiss man, insofern als man die richtige Antwort gäbe, würde man gefragt. Man ist dann aber doch überrascht, wenn die Umstände einem dieses implizite Wissen explizit machen. Ich zum Beispiel hätte die Temperaturunterschiede zwischen verschiedenen Asphaltformen zwar durchaus vorhergesagt, die Intensität der fleischsengende Hitze insbesondere der schwarzen Bitumenvariante erstaunt mich aber doch.

Kühl hingegen schmiegt sich der Kunstfaserteppich bei Kinko’s. Ein Blutrinnsal mäandert durchs Beinhaardickicht vom Knie her abwärts, die Fussoberseite gleicht einem saftigen Steak, und ich frage mich, ob die Gefahr eines Blutstropfens auf dem Teppich wohl Grund genug ist, den Flipflop übers geschundene Fleisch zu ziehen, entscheide aber gegenteilig.

Die Schlange bewegt sich zäh, ich durchsuche den riesigen Raum mit seinen zahllosen verwaisten Printarbeitsplätzen nach jemandem, die aussieht als könne sie Michelle heissen; Michelle hatte mir am Telefon versichert, sich aufs Posterausdrucken zu verstehen wie keine Zweite, ja unter der Hand durchblicken lassen, dass tatsächlich sogar überhaupt niemand ausser ihr wisse, wie das mit den Grossformaten geht. Niemand hier sieht aus wie Michelle, und niemandem hier traue ich Posterausdrucken zu. Vielleicht versteckt sie sich ja.

Eine Kundin hinter mir sieht rot, an meinem Bein nämlich, und erzeugt ein halbdefiniertes Geräusch, ‘are you all right’ fragt sie wohl, und weiss die Antwort schon: natürlich, dufte, danke der Nachfrage freilich. Vor mir in der Schlange ein Wissenschaftler, auch er will ein Poster ausdrucken. Mit wachsendem Fatalismus höre ich mit an, dass Michelle sich im Krankenhaus befindet, dass keiner weiss, ob sie wiederkommt, dass man aber gerne den Auftrag annehme, man werde dann schon sehen, obs klappe. Angel nämlich könne ja vielleicht auch Poster drucken, es kursiert da ein Gerücht unter den Kinkos. Genau weiss es niemand, Angel ist nur nachts da, was mir irgendwie auch die Sache mit dem Fahrrad zu erklären scheint, in meinem Wahn.

Ich habe ohnehin nicht die Wahl, Sarasota ist von der Welthauptstadt des Posterausdruckens gehörig entfernt, und hinterlasse also meine pdf Datei in der bodenlosen Maschine, zusammengelegt mit der des anderen Nerds, mit dem ich nun noch ein wenig im Teppich rumstehe. Er aber hat es sichtlich eilig, stellt ein paar Fragen pro Forma nach der Verletzung, na, das sieht schlimmer aus als es ist, see you at the conference. Und ab in seinen und seinem Mietwagen.

Der Asphalt ist immer noch zu heiss, und an einen Fussmarsch ohnehin nicht zu denken, das Rad unbrauchbar, Handy hab ich Bastion des guten Geschmacks natürlich keins, mein Leben gegen den Klingelton, Fanal des Widerstands. Ich also erstmal wieder nach drinnen gehumpelt, Telefonnummer hab ich auch keine, wozu auch, ohne Handy, von niemandem, aber über Pfiffigkeit verfüge ich im Maxipack, und frage also trotzdem nach einem Telefon, unter Fingerzeig auf die Metzgerei unter meinem Knie, die Mitleidskarte, sie muss doch greifen.

Eine grauhaarige Dame zeigt sich mütterlich, bugsiert mich zum Telefon, rauscht davon, Xerografien anfertigen, aber ehe ich mich umständlich und blutspurfrei auf den angebotenen Stuhl falten kann, rumms, sitzt ein dicker Mann drauf und macht sich Notizen. Blöd daneben stehe hingegen ich.

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