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Die Brücke schwingt sich elegant über die türkise Wasserfläche. Vor zwei Jahren habe ich hier, zufällig vom Rad aus, eine Seekuh vorüberschwimmen sehen, und halte seitdem bei jeder Überquerung Ausschau nach dem Geheimnis unterm Wasser, Delfine, Seekuh, ich bin nicht wählerisch.

Das Rad ist alt, schnurrt aber brav brückenabwärts, die Sonne, auf dem Höhepunkt ihres täglichen Amoklaufes, feuert Salven aus dem Photonenschrotgewehr und trifft mich wieder und wieder. Kunststück, Schummelei.

Mit einem eleganten Schlenker umfahre ich grade noch die entgegenkommende knusprigbraune Joggerin, die Seekuhsuche hatte mich abgelenkt, nicht nachmachen, Kinder. Gefährlich! Ich erreiche das Festland, schwenke nach rechts, an der geschmacklosen zehnmeterhohen Doisneaufotoskulptur vorbei und am botanischen Garten. Der Asphalt glüht, die Palmenwedel hängen so nutz- wie regungslos am Strunk, und ich bin froh über die leichte Kleidung, die ich trage, Shorts und T-Shirt, Flip-Flops, belüftet vom Fahrtwind.

Nochmal rechts abgebogen, auf den Tamiami Trail, vor hundert Jahren die einzige Strasse an Floridas Westküste, heute Highway Nummer 41, und offenbar noch immer einzige Strasse. Alle Autos der näheren Umgebung haben sich hier zum gemeinsamen Glühen und Schmurgeln versammelt, Sattelschlepper dröhnen, Sportwagen brummen, nach zwei Blocks wird es mir zu unangenehm und ich wechsle auf den breiten und menschenleeren Gehsteig. Noch vier oder fünf Blocks sind es bis zu Kinko’s, die Posterrolle auf meinen Rücken, jetzt noch leer, wird sich dort mit Papier füllen, und die letzte Hürde vor Konferenzbeginn genommen sein. Missmutig denke ich an die sechs Stunden bei den inkompetenten Posterdruckern in Berkeley zurück, die mir diese Radfahrt in die Senge eingebrockt haben.

Ein lautes Zischen werde ich erst später mich erinnern in diesem Moment gehört zu haben, denn jetzt bin ich erstmal damit beschäftigt, den Lenker hilflos hier- und dorthin zu drehen, das Vorderrad rutscht mir seitlich weg, und keine Steuerbewegung vermag das zu ändern, aus voller Fahrt kippe ich seitwärts, ein lustiges Heimvideo wäre das sicherlich. Die Luft ist raus, begreife ich jetzt im Fallen, wie kann das aber sein, so plötzlich, severe tire damage, es war aber keine Schnappdornreifenfalle zu sehen gewesen, und rutsche, schräg, den rechten Fuss nach unten gedreht, unters Vorderrad. Das, über einen aus Sattel, Rahmen und Vordergabel gebildeten Hebel, seinerseits von meinem Körpergewicht hinabgedrückt wird. Ursache, Wirkung, Fuss, Knie und Shorts scheuern über Asphaltpapier grober Körnung, dann liege ich still am Boden, für einen Moment, und spüre nicht mehr seine Hitze oder Schmerz, denn erstaunte Ruhe füllt mich einen Moment lang aus bis in den hintersten Winkel der vertrockneten Oberstube.

In wenigen Minuten wird das anders sein, wenn ich barfuss und blutbeinig die fehlenden zwei Blocks zu Kinkos humple, vor den Temperaturen ins kunstrasengleiche Floridagras ausweichend, wo immer es geht, jetzt aber klaube ich erstmal die Posterrolle auf und haue dem Rad erbost und saftig eine in die Speichen. Der dummen Sau.

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