Deine Schwärze, Hirn, verdammen wir.
Vor Jahren schon bin ich aus der Kirche ausgetreten, durch eine viel zu hohe, schwere Holztür, aber den liturgischen Formeln hat das nichts von ihrem mystischen Rauschen genommen. Das wurde mir in der Kindheit eingepflanzt, neben all den anderen Filtertierchen, die an den Nerven saugen, und da hockt es nun und lauert auf ein passendes Geräusch. Ich bin nicht komplett glücklich, dass du eingingst unter mein Dach, Filtertierchen, aber hör nur ein Wort, so fühl ich mich wieder wie das Kind, das vor der Beichte zittert. Das war, im Rückblick, nicht die schlechteste Zeit. Eine Angst vor Unerheblichem, danach Erleichterung und Eisbecher in der Sommersonne.
Deine Hellerwerdung preisen wir.
Es ist nicht nur der Aufzug, der heute nicht beim ersten Schliessen der Tür einige Zentimeter durchsackt, die Tür wieder öffnet und dann erneut schliesst, sondern gefügig gleich sackt, als ich reinkomme, schliesst und brav losfährt, obwohl auch das eine angenehme Überraschung ist. Aber auch in mir ist es heute anders, die Ruinen des Geschehenen ragen unverändert in die dünne Luft des Gebirges Vergangenheit, aber das Denken fällt jetzt leichter in der dünnen Luft. Die Dummheiten einzelner bleiben zwar dumm, Enttäuschung und Zurückweisung schmerzhaft, Einsamkeit in der Krise ein kalter Keks aus Beton, aber das Monstrum, das diese Einzelheiten frass und umfassende Isolationsangst und Verzweiflung zurück in die Nervenbahnen schiss, schläft heute, hush, my darling, Ingonyama ifile, mit Acetaminophen bedacht. Und erst durch seine Abwesenheit bemerke ich den chronischen Schmerz der letzten Monate. Schädigte die Seelenwunderdroge Paracetamol nicht Nieren und Leber – aber jetzt zieh ich mir nicht auch noch eine Konjunktivitis zu: wäre die Katze ein Pferd, könnte man auf ihr den Baum raufreiten. Das wäre toll, aber die Katze ist kein Pferd, und Paracetamol keine Dauerdroge. Gehorchen müssen wir den Indikativen, die uns in Bande gelegt. Immerhin ein Tag Urlaub von der Kaputtheit, ist doch auch was.
Bis du denkst in Herrlichkeit.
Die Eltern der jungen Familie, die nach mir aus dem sackenden Aufzug steigt, sind selbst noch Kinder. Die Mutter zetert am Schnürchen auf die beiden Kinder ein, die nichts nachvollziehbar falsch machen, der Vater meldet irgendwann schüchtern an, dass das kleinste doch einfach nur aufs Klo müsse. “Nothin I can do, he don’t have to pee, he just want the junk food that in this bag and he don’t want to wait till we get somewhere where there hotdog or something” ramentert es zurück, dann noch ein paar inhaltlose Aggressionslaute in Richtung der Kinder, jedes kriegt eine faustvoll Karamellpopcorn ins Maul und ein Filtertierchen in den Kopf, it deepens like a coastal shelf, und der einfahrende Zug trennt gütlich unsere Wege.
