Ich stand wo rum in einer Küche bei einer Party, im Wohnzimmer lauter Amerikaner, die amerikanische Geräusche machen und sich gegenseitig Pingpongbälle in Bierbecher schmeissen, oder die Becher durch die Gegend schnippten, umdrehten, ich tu natürlich nur, als wüsste ich nicht ganz genau die Regeln, alles sinnleere ritualisierte religiöse Unterfütterung des Trinkens, das die collegealten Amerikaner offenbar sich sonst nicht trauen, sondern eine Anleitung brauchen sie, Exkulpation vorweg, oder sie haben eben Angst vor den Ausländern, die hier in der Küche sich versammeln, den Kopfmenschen, den Wissenschaftlern, und ich sage zu den Leutchen, die sich da in der Küche versammelt haben, dass mich die Situation an Jona Lewie erinnert, und ernte leere Blicke und Schulterzucken, und sofort ist da wieder dieses Gefühl, nicht dazu zu gehören, ohne genau zu wissen, wozu eigentlich, ein Freak, dabei will man ja eigentlich nie dazugehören, nirgends, Groucho Marx sagts, wies ist, und dass er den Schnurrbart nur angemalt hat, hab ich ungelogen erst nach Jahren kapiert, allerdings Jahren, in denen ich nix von den Marxbrothers gesehen habe, fairerweise dazu. Dabei sind die doch die Freaks hier alle in meinem Alter oder knapp drunter, und die kennen dieses Lied nicht, ich weiss selber schon wieder nicht mehr, obs gut ist, ist mir auch egal, weil ich automatisch zurück katapultiert werde in eine Zeit, in der es nämlich wirklich egal war, ob etwas gut war, also: ob andere das gut finden, oder ob ein Geschmacksstandardler da seinen Stempel draufgehauten hat, aber keiner kennt das Ding, oder will es zugeben, und dann ist der Moment vorbei und einer von uns geht aus der Kopfküche, Pingpongbälle ins Bier schmeissen und Klarheit und Trennung gehen zum Teufel und alles ist wieder Brei und Fleisch.
Nice try, Freundchen, aber das wird so nichts, kauft Dir keiner ab, du bist doch selber zu hungrig nach dem Stempel, der Hand auf dem Unterarm, dem freundlichen Blick, den Lippen, Du verkaufst doch Deine eigene Seele dafür, dass jemand sie mal ein bisschen baumeln lässt, am ausgestreckten, wohlgeformten Arm. Und was redest du hier eigentlich schon wieder daher, guck dir das Video mal an, letzte Strophe, Lewie kommt nämlich raus aus der Küche, die bunten Mädels hüpfen doch nicht ohne Grund. Die Gelbe ist Kirsty MacColl, Slut on Junk im Fairytale of New York, das passt hier, Faust aufs Auge, das kann man hören in der Partyküche und ein bisschen heulen dabei wie immer, obwohl schade, weil die Orange sieht man besser bei der Strophe, dieses Hinguckenmüssen und jetzt auch noch das übers Hinguckenmüssen Redenmüssen, wer hält das aus. Von einem Boot totgefahren wurde MacColl, weil sie ihren Sohn retten wollte vor dem Boot und auch gerettet hat, aber selber wurde sie deshalb kaputtgefahren, ohne das scumbagmaggot Scheissinternet hätte ich das jetzt nicht erfahren, hätte auch nicht sein müssen, wollte ich nicht im Hirn haben, und was heisst es eigentlich, dass ich über den erfundenen New Yorker Weihnachtsbums heule, aber über die totgefahrene Mutter heule ich nicht, da ziehe ich nur einen ekelhaften Betroffenheitsflunsch, das will ich nämlich auch nicht wissen was das heisst, zumindest jetzt nicht. Obwohl Wissen ja eigentlich immer besser ist als Nichtwissen, ja leg mr a Mark ind Dasch, weiss doch jeder, ist so in der Küche, bis dass die letzte Strophe kommt, aber die kommt nicht und nicht, und nicht und nochmal nicht.
