Seit dem sinnlosen Tod der schwangeren Ottofrau ist das Wasser nicht mehr so fröhlich, sind die Pflanzen nicht mehr so grün, ist der Kies nicht mehr so lehmig wie vorher. Oder vielleicht ist das auch Quatsch und findet nur in meinem Kopf statt, jedenfalls aber herrscht ein Missstand und will behoben sein. Auf also zum Fisch-Faschisten. Der mir auch willig zwei Ottos aus dem Wasser klaubt, unter hingeschnaubtem „four bucks a piece“, das soll wohl heissen, dass er es ein bisschen unter seine Würde findet, für Kleingeld sich die Hände nass zu machen. Aber deswegen ist er ja auch Faschist und ich nur Kunde.
Zuhause werden die beiden Ottos dann wie schon gewohnt im Wasser festgeschraubt, springen auch sofort munter durch die Fluten und nagen am Grünzeug. Hin und wieder guckt der Cichlide mit dicken Lippen aus dem Schloss, der Schwertträgermann jagt die Schwertträgerfrauen, die Barben kegeln durcheinander, die Hunde stecken die Schnauzen überall rein, es herrschen also im Ganzen eitel Harmonie und tierische Triebhaftigkeit zugleich, und das alles auch noch unter Wasser und fast ganz ohne Luft.
Fast, weil die mittlerweile zügig anwachsenden Pflanzgebirge jetzt die Photosynthese entdeckt haben, und sich mit ihrer Hilfe sehr nützlich machen. Aus deren Blättern quillt an der Unterseite nämlich aus unsichtbaren Mikrofeinporen eine silbrig schimmernde Substanz in Bläschenform, die nach dem Aufsteigen aus dem Becken von Luft gar nicht mehr zu unterscheiden ist. Diese neuerschlossene Sauerstoffquelle wird die Lebensqualität in nie gekannte Höhen treiben, sowohl innerhalb des Lebensraums Wasserwürfel als auch sicherlich ausserhalb in unserem Wohnzimmer, dem Lebensraum Luftwürfel also. Vielleicht verbrennt das Teelicht, das zur Abendstunde flackernd die Stube erhellt, auch ein Quantum Pflanzenpups und fügt sich also nahtlos in unser Kleinsttadtbiotop ein. Atmen vielleicht auch die Ratten Pflanzenabfall in ihren kleinen Rattennasen? Ein schönes Gedankengebäude.
In das nun aber auch schon wieder der Tod Einzug hält. Einer der neuen Ottofische hat den Umzug nicht überstanden und dümpelt am anderen Morgen demonstrativ verstorben im Gewässer. Dem anderen gehts aber soweit gut, keine Sorge, und der eine da, der schläft auch bloss, ja, lass mal, der schläft nur. Komm, Leser, wir decken ihn schön warm zu. Mit Schweigen.
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